Lange Zeit habe ich nach einem passenden Attribut für meine Coaching-Angebote gesucht. Für mich stand fest, ich will mit traumatisierten Menschen arbeiten, die für sich auf der Suche sind. Auf der Suche nach mehr Verbundenheit mit sich selbst und anderen, mehr Selbstliebe, mehr Lebensfreude. Bei meinen Recherchen für einen guten Namen für mein Coaching-Angebot stieß ich auf den Begriff Traumasensibilität.
Meiner Erfahrung nach ende(te)n Psychotherapien häufig dann, wenn ich einigermaßen wieder hergestellt bin, im Sinne des Funktionierens. Mit jeder Therapie erweiterte sich der Handlungsspielraum und ich lernte immer besser mit meinen Emotionen umzugehen. Der Weg zu Selbstliebe, Verbundenheit und Lebensfreude allerdings war ein langer Weg. Es fehlten begleitende Coaching-Angebote. Dies ändert sich seit einigen Jahren und das ist gut so. Mit meiner Arbeit will ich genau die Menschen unterstützen, die in sich spüren: Da ist noch mehr drin, das Leben hat so viel mehr zu bieten, als ich bisher erlebe und ich will am Ende sagen können „Trotz allem, mein Leben war erfüllt und gut!“

Ausgehfertig für ein Coaching im Freien

Der Begriff Traumasensibilität

Die Bedeutung des Begriffes liegt schon im Wort. Es geht um die Sensibilität für das Thema Trauma und den sensiblen Umgang mit Menschen die unter Traumafolgen leiden. Dies setzt voraus, die Therapeutin/Coach über anwendbares Wissen von Traumadynamiken verfügt und dies vermitteln kann. Es geht darum, dass die Klient:innen einen sicheren Raum finden, in dem sie erfahren, dass sie selbst Sicherheit und Kontrolle über ihr Leben herstellen können. Dass sie sich als selbstwirksam erleben, Verbindung zu sich und anderen herstellen können. Ausprobieren können und durch Co- und Selbstregulation  sich zu beruhigen oder sich zu aktivieren lernen. (Zu den Themen Co- und Selbstregulation, werde ich demnächst einen Beitrag veröffentlichen.)

Schönheit und Leichtigkeit finden sich manchmal am Wegesrand

Wenn das Wissen über Traumafolgestörungen fehlt

In meinen Jugendjahren habe ich oft die Erfahrung gemacht, dass Psychotherapeut:innen nicht zwangsläufig über Wissen in Bezug auf Trauma verfügen. Im Nachgang betrachtet kann ich sagen, ich wurde mehr als einmal in Therapien retraumatisiert, weil es in diesen Therapien eher darum ging, mich zu „normalisieren“, funktionsfähig zu machen. Ich schreibe hier vom Zeitraum Ende der 80er bis Anfang der 2000er Jahre, als über Trauma noch nicht viel bekannt war. Es ging häufig darum, mit meinem Willen zu arbeiten, also mir Themen bewusst zu machen und mich dann zu entscheiden, bspw. mein Verhalten zu verändern, so als hätte ich bisher in meinem Leben immer nur die falschen Entscheidungen getroffen und daraus resultierend falsch gehandelt. Ich weiß noch, wie unfähig ich mich fühlte beim Autogenen Training. Statt mich zu beruhigen wurde ich immer unruhiger und eine unbändige Wut erfasste mich, statt mich und meinen Körper besser wahrnehmen zu können, entfernte ich mich weiter und weiter von ihm, sprich, ich dissoziierte wieder einmal aus der Situation.

Ein Wolkenbild mit Sonne - Traumasensibilität heißt auch, Bedeutung von Licht und Schatten zu kennen

Licht und Schatten, Schwere und Leichtigkeit, all das tragen wir in uns

Statt auf diese auch sichtbaren Reaktionen von mir einzugehen vermittelte man mir: du lässt dich nicht richtig ein, du musst noch ein bisschen länger üben, bleib dann, mach weiter, konzentriere dich. Technik für Technik habe ich ausprobiert und versagt. Das passiert in uns, wenn wir mit einem Thema in die Therapie oder ins Coaching gehen und nicht mit uns, sondern an uns gearbeitet wird. Ich versuchte auf die vorgeschlagene Art (Entspannungstechnik) Beruhigung zu erreichen – weil es eben bei vielen zur Beruhigung beträgt. Bei mir eben nicht. Statt mich ins Leben integrierter zu fühlen – was mein persönliches Therapieziel war, fühlte ich mich noch abgetrennter, noch weniger dazugehörend.

Normale Reaktionen auf unnormale Situationen

Nach einer Traumatherapie und einigen Weiterbildungen später weiß ich, warum dies scheitern musste. Die Wirkmechanismen von Trauma bspw. im Nervensystem wurden nicht berücksichtigt und teilweise getriggert. Es fehlte die Traumasensibilität. Mir wurde bspw. Widerständigkeit unterstellt wurde und ich sollte wieder und wieder erzählen, was mir wann konkret widerfahren wäre. In dem Sinne war ich dann auch widerständig, weil ich spürte, dass dieses wieder und wieder hineingehen in die konkreten Situationen etwas in mir verfestigte, statt es zu lösen. Wer sich nur ein wenig mit Traumafolgen und den Wirkungen auf das neuronale Netzwerk auskennt, weiß, es gibt keinen Widerstand und welche Wirkungen das immer wieder eintauchen in das alte Leid auf das Gehirn und die Psyche hat. Meinem Selbstbild hat dies damals sehr geschadet, da mich bemühte „normal“ zu reagieren, statt mit Übererregung oder Dissoziation. Bis ich eines Tages verstand, dass meine Reaktionen normale Reaktion auf unnormale Situationen darstellten. Was für eine Erleichterung und was für eine entspannende Wirkung auf mein Nervensystem.

Erwartungen

Mögliche Inhalte im traumasensiblen Coaching

Traumasensibilität bedeutet für mich, zu bemerken, wenn eine Intervention, ein Angebot nicht passt, wenn etwas berührt wird, was für die Klient:in schlecht aushaltbar ist. Als systemische Therapeutin/Coach verstehe ich mich eben nicht als die Expertin für das Leben meiner Klient:innen, sondern als Wegbegleiterin. Gemeinsam erforschen wir das und schauen, ob wir die Methoden anpassen können oder andere ausprobieren, die als hilfreicher, entspannender wahrgenommen werden.
Veränderungen sind auch für Menschen die an Traumafolgen leiden möglich, oft führt dieser Weg aber nicht linear zum gewünschten Ziel. Linear meint, was bspw. häufig in der Verhaltenstherapie vermittelt wird: Gewohnheiten bewusst verändern, Muster unterbrechen und dadurch Ziele erreichen.

Sich selbst besser kennenlernen

In Bezug auf die Arbeit mit traumatisierten Menschen funktioniert dies häufig nicht. Es geht vielmehr darum, unsere Innenwelt zu erforschen, innere Anteile, Ich-Zustände oder Emotionen wahrzunehmen, ihre Bedürfnisse zu erkennen, die mitunter auch konträr zueinander stehen oder verdrängt werden mussten. Da gibt es Anteile, die noch belastende Gefühle tragen, unangenehme Körperempfindungen tragen oder an Glaubenssätzen und Überzeugungen festhalten, die sich vielleicht so früh entwickelt haben, dass wir sie mit dem Verstand gar nicht erfassen können. Es gibt aber auch in jedem Menschen Ressourcen-Anteile. Sie alle wollen von uns liebevoll wahrgenommen, in ihrer bisherigen Leistung für uns, von uns anerkannt werden. Es geht um einen wohlwollenden Umgang mit uns selbst. Dazu gehört manchmal eben auch der Ausstieg aus dem Vergleich mit anderen. Es geht darum die feinen Unterschiede herauszufinden, wann reagiere ich, reagiert mein inneres System in welcher Art und worauf. Erst einmal nur wahrnehmen, möglichst ohne Bewertung. Wenn die bewertenden Stimmen allzu laut sich melden, dann ist dies ein Zeichen und es gilt herauszufinden, welches Bedürfnis darunter liegt, wovor wollen sie uns schützen.

Jedes Ich ist Viele und die gilt es, miteinander in Einklang zu bringen

Traumasensible Haltung

Traumasensibles Arbeiten ist für mich auch eine Haltung. Eine wohlwollende Haltung zu mir selbst und für mein Gegenüber. Dazu gehört auch eine transparente Arbeitsweise. Mein Gegenüber soll wissen, warum ich diesen oder jenen Vorschlag/ Methode unterbreite. Ein gutes Coaching, eine gute Therapie vermittelt immer auch Wissen im Sinne der Psychoedukation. Diese impliziert: jedes Verhalten und Reaktionsmuster und sei es noch so schrecklich, hat einen guten Grund  und diesen gilt es herauszufinden. Das ist nicht zu verwechseln mit Egalisierung oder gar Entschuldbarkeit von Täter:innenverhalten. Wenn ich mich falsch verhalten, anderen sogar geschadet habe, willentlich oder nicht, dann muss ich dafür die Verantwortung übernehmen. Im Coaching oder in der Therapie geht es darum, auch ungeliebte, schwere Anteile in den Fokus zu nehmen, ihre Bedürfnisse, ihren guten Grund herauszufinden, ihre Reaktionsmuster zu erkennen und im eigenen Körper wahrzunehmen, situative Unterschiede wahrzunehmen – und das geht mit liebevoller Achtsamkeit, Wohlwollen und wann immer möglich, mit Humor.

Statue auf Berg mit ausgebreiteten Armen - traumasensibel wurde die Rückansicht gewählt

Sich dem Leben hingeben

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