06.05.2014

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Heute morgen gegen fünf saß ich frierend an Deck. Wasser glotzen und Inseln vorüberziehen lassen. Auf so langen Fährtouren kann sogar ich meditieren und jedesmal aufs Neue entsteht der Wunsch: irgendwann mal eine längere Schiffsreise… Träum… Eine Stunde vor Lesbos wachte Ina auf und stellte entsetzt fest, dass wir mit einem türkischen Netz verbunden waren. Wir dachten, das Land welches an uns vorüber zog, sei schon Lesbos, aber es war die Türkei. Eigentlich ist uns erst in diesem Moment bewusst geworden, dass wir uns für unsere erste Griechenlandreise die von Griechenland entfernteste Insel ausgesucht haben. (Inzwischen haben uns verschiedene Levosianer erklärt, dies sei auch die schönste aller griechischen Inseln :-)).
Ankunft gegen 8.00 in Mytilene
der ältesten Hafenstadt in dieser Mittelmeerregion (seit 3000 vor Chr. bekannt). Vollkommen übernächtigt erst einmal Busbahnhof gesucht, Tickets gekauft, Rücksäcke abgelegt und im bezaubernden Fischerhafen ein Frühstück gesucht und gefunden… Traumhaft, beim Frühstücken zwei alten Fischern beim Netze flicken und Boot putzen zugeschaut und den bezaubernden Herrn Stamos Stefanoy kennengelernt. Er sprach sehr gut deutsch – hat in Deutschland Bauingenieur studiert und seine Kinder und Enkel leben in Paderborn. Sein Hobby war / ist Archäologie und seine Tochter ist Archäologin geworden. Er erzählte über die griechische Geschichte, empfahl uns die Lektüre des Historikers Thukydides zum Thema. Herr Stamos gab uns seine Telefonnummer und will uns seine Stadt zeigen. Unbedingt nehmen wir diese Einladung an.
Wir waren nach dem Gespräch ganz euphorisch, in diesen wenigen ersten Stunden begegneten uns so viele freundliche Menschen. Nach ca. 1,5 Stunden abenteuerlicher Busfahrt über sehr sehr schmale Straßen, Kreuzungen an denen nur gehupt wird, um die Fahrt zu erzwingen, kamen wir an der Tankstelle in Petra an. Daneben ein Supermarkt, erster Einkauf und dann die Frage an einen älteren Herren, wo wir denn ein Taxi finden. Er bedeutete uns zu warten (es ist krass, hier sprechen selbst die ganz alten Menschen Englisch – ich erröte kurz und quassel weiter drauf los). Er hatte gerade seinen Kumpel bestellt und sein Ziel war ebenfalls Anaxos in der Nähe von Mithymna (Molyvos). Der Taxifahrer kam, diskutierte nicht, sondern schnallte unsere Rucksäcke aufs Dach und plötzlich teilte der alte Herr mit uns sein Taxi. So etwas haben wir beide in Deutschland noch nicht erlebt.
Außer einem kurzen Spaziergang und ganz verliebt in die Insel sein, passierte heut nichts weiter, oder doch: der Taxifahrer erteilte uns griechisch Unterricht, Ina zauberte lecker Salat und jetzt gerade geht die Sonne unter 🙂