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Von Gerdeswalde nach Grimmen-Hohenwieden – Streckenlänge 16,3 km
Nach fast durchwachter Nacht haben wir heute morgen dann doch fast unser Frühstück verschlafen. Nach dem Frühstück duschen und danach Abschiedskaffee mit dem Ehepaar Gruel. Unterwegs wieder nichts als Natur. Blauer Himmel und eine wärmende Sonne beflügelten mich. Gefühlt lief ich heute das doppelte Tempo. Das lag aber sicher auch an den Gedanken- und Gefühlstürmen in mir. Heute ging es in mir um die Themen Loslassen (von Sehnsucht, Liebe, Schmerz und Trauer). Es ging um Vertrauen in mich und andere und darum, Verletzungen (sehr alte und neue) als gegeben hinzunehmen, mich nicht mehr dagegenzu sträuben, aufzulehnen. In Gedanken konnte ich die traurigen Anteile, die hilflosen Kinder tröstend im Arm wiegen, ihnen ein Lied summen, sie mir auf den Rücken schnallen und sie mitnehmen, denn mit ihren winzigen Füßen konnten sie bei meinem Tempo nicht mithalten.
Ina derweil, in ihr Hörbuch vertieft, dokumentierte unsere Tour mit Fotos. (Im übrigen sind fast alle Fotos, die ich hier von unserer Reise poste, von Ina.)
Nur einmal, als sie die einmalige Chance hatte, ein am Wegesrand ruhendes Reh zu fotografieren, da hat sie entweder geträumt, oder das Hörbuch war zu spannend.
Nach 13 km kamen wir in Grimmen, mit wirklich qualmenden Füßen, an. Dort, welch Wunder: ein Marktplatz mit wirklich lärmendem Glockenspiel und, eine Bäckerei mit Freisitz. Es gab eine lange Pause, mit Handy, Eiskaffee und Zigaretten. Dann Endspurt ins SOS-Dorf. Die Bewohner und ihre Betreuerin Christiane empfingen uns freundlich und fragenreich und zeigten uns alle wichtigen Räume: Küche, Bad und unseren gut ausgebauten, sauberen und hellen Bauwagen, mit Heizung, richtigen Betten und Fenstern!!!
Wir erhielten die Information: 18 Uhr gibt es Abendessen und 8 Uhr Frühstück. Also schnell Wäsche waschen und dann essen. Im Gemeinschaftsraum von Haus Nr.7 erwarten uns Anita, Yvette und Norbert sowie fünf weitere Bewohner und zwei Betreuerinnen. Insgesamt wohnen und arbeiten 32 geistig- und/oder lernbehinderte Menschen im Dorf. Besonders beeindruckt hat mich, dass es neun verschiedene Arbeitsmöglichkeiten gibt, u.a.: Holzwerkstatt, Gärtnerei und Hofladen.
Norbert erzählte mir, dass er in der Gärtnerei arbeitet und im Sommer zwei Mal mit dem Dorf in den Urlaub fährt: einmal eine Woche nach Schwerin und einmal, mit den Anglern aus dem Dorf, eine Woche nach Norwegen. „Der Chef fährt auch mit, der hat jetzt angeln gelernt!“
Na dann wünsche ich viel Freude und die ganz großen Fische!
Fazit des Tages: (Ina) Trotz des schönen Tages habe ich heute riesige Sehnsucht nach meinem zu Hause, nach meinen Freunden und nach Olivia – aber morgen ist ein neuer Tag. (Sylvia) Heute habe ich zum ersten mal den Wanderflow erlebt: meine Füße liefen von allein und in mir war lange Zeit Leere, immer mal wieder unterbrochen von Gedanken oder Glücksmomenten. Ein Hase, der übers Feld stürmt, die erste Kornblume und ein Eiskaffee.