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Von Gladrow nach Wieck – Streckenlänge 14 km.
Am Nachmittag Ankunft in Wieck. Inzwischen fühlt sich mein Körper sehr ramponiert. Jeder Muskel, jeder Knochen schmerzt. Trotzdem, Bier und Fisch auf der Wiecker Promenade schmecken und die Erfahrungen, die jede von uns mit sich selbst auf dieser Reise macht, sind gut. Gut fürs Ego und gut für die Selbstliebe. Dafür, dass wir uns jeden Tag aufs Neue dazu überwinden, uns ‚Black Beauty‘ und den ‚Blauen Schatten‘ wieder auf die geschundenen Rücken zu schnallen und stoisch unsere Wege zu gehen, dafür können wir uns nur selbst wertschätzen, müssen den Hut vor uns selber ziehen. Chapeau!
Die Strecke heute war ein wenig öde. Immer den Radweg entlang, direkt neben der Fernverkehrsstraße Anklam- Greifswald. Dafür war ab der Hälfte der Strecke der Blick auf den Greifswalder Bodden frei. Rapsgelb, Baumgrün, Wasserdunkel und das Weiß eines Segels im Sonnenlicht. Das war zuviel für mich. Plötzlich war sie wieder da, die tiefgrollende, schmerzvolle Sehnsucht und die Tränen rollten von allein.
Die entgegenkommenden Radfahrer schauten mich alle sehr mitleidig an, wahrscheinlich dachten sie, ich heule, weil Ina uneinholbar weit vor mir lief und ich absolut keine Chance hatte, sie einzuholen. Ich machte einen kurzen Halt, packte eine Packung Taschentücher aus, die ich während des Weiterlaufens komplett verbrauchte (wieder 200 g weniger Gepäck!!!). Ich lief und heulte und lief und lief und so plötzlich wie sie gekommen war, war die Heulerei auch wieder vorbei.
Zehn Minuten später gab es eine Zigarettenpause und meine Seele strahlte wieder so leuchtend, wie das vor mir liegende Rapsfeld.
Im „Maritimen Jugenddorf Wieck“ angekommen, traf uns der Schock: ein 6-Betten-Zimmer für uns zwei. Preis pro Nase 21 €. Das ist der Preis für Pilgerer. Ohne Pilgererausweis hätte uns so ein Bett 31 € gekostet. Also auch hier wieder „Danke, Ina!“ ohne sie hätten wir die Ausweise nicht.
Im Zimmer haben wir erst mal ganz schnell den Appelkornflachmann getötet. Während ich auf I-Tunes nach neuer Wandermusik suchte – ich habe heute schon Herbert Roth’s „Ich wander ja so gerne…“ gesungen – verschwand Ina im Bad und schminkte sich. Schließlich wollten wir ja in die „Stadt“ zum Essen. (Stadt = Wieck = kleines Dorf im Randgebiet von Greifswald)
Fazit des Tages: (Ina) Mal sehen, wie sich Greifswald uns morgen präsentiert, der Weg hierher und die Ankunft lagen eher auf der unteren Skala der Pilgererzufriedenheit. (Sylvia) Beim Laufen kommen und gehen die Gefühle, egal ob traurig oder euphorisch, ich laufe einfach weiter und irgendwann sind sie wieder weg.

P.S.: In meinem Mails hatte ich heute Post von einer Wahrsagerin namens Gabriella. Sie kündigt mir an, dass mich jemand heimlich liebt und ich von dieser Person morgen 19.15 Uhr Post bekommen werde.
Also bitte, liebe Fangemeinde: macht, dass mein Handy morgen 19.15 Uhr klingelt, oder wenn es gar nicht anders geht, dann schreibt mir!!! 🙂