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Heute 16 km von Lassan nach Hohendorf gelaufen. Der dritte Tag entpuppte sich als ein Tag der Herausforderungen: Ina mit heftigem Muskelkater, Sylvia mit Schmerzen in beiden Knien. Ohne die gestern gekauften Bandagen hätte ich mich heute nach vier Kilometern heulend an den Rand des Waldweges gesetzt und hätte mich geweigert noch einen Schritt zu gehen. Zum Glück habe ich ja das Organisationswunder Ina an meiner Seite: Miniapotheke geöffnet, Pille geschluckt, Schmerz betäubt.
Heute liefen wir bei 13 Grad vor allem durch Wald und über Feldwege. Raps, wohin wir auch schauten. Sattes gelb, sattes grün und hin und wieder leuchtend roter Mohn. Nur drei idyllische Ortschaften durchschlurften wir – ok, ich schlurfte, Ina marschierte, sie hatte heute morgen wohl Zielwasser statt Kaffee.
Auf einem Feldweg kurz vor Hohedorf, wir machten gerade Rauchpause, hielt ein verbeultes Auto neben uns an und die Frau vom Imbiss Gräte fragte: „Mädels was macht ihr denn hier?“ ein kurzer Schwatz, bei dem sie uns informierte, dass heute an ihrem Imbiss schon wieder zwei Pilgerer aufkreuzten. Ein Paar aus der Schweiz.
Der kleine Reitstall ist ein ziemlich großer Pferdehof mit allem was dazu gehört: 16 Pferde, Hasen, Meerschweine, eine Ziege und Hühner. Morgen gibt es zum Frühstück frische Hühnereier. Ein Traum. Frische Hühnereier gehören zu meinen schönen Kindheitserinnerungen. Aber das beste hier: wir schlafen auf Matratzen in richtigen Betten. Endlich mal kein Schlafsack. Und: es gibt einen Fernseher. Also gleich: Muskeln einreiben und dann vor dem Fernseher einschlafen.
Fazit des Tages: (Ina) Mit Vivaldi und dem großen Kater namens Muskel besiegte ich meinen inneren Schweinehund, nahm ihn an die Leine und ließ den Blick über Gräser und Blüten zum Horizont schweifen. (Sylvia) Mit Ibuprofen im Blut, Mozart auf den Ohren, Regen im Gesicht und Landschaft im Blick, wird Schmerz ertragbar, die Seele weitet sich und wird von ganz tief drinnen froh.