Station 14: Rostock

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Von Sanitz nach Rostock – Streckenlänge 23 km, davon zu Fuß 16 km und 7 km mit dem Bus

Heute waren wir wieder einmal ziemlich kraftlos, so wie jedes Mal, wenn wir wenig und schlecht geschlafen haben. Auf dünnen Matratzen zu schlafen, kaum spürbar, dass eine Matratze zwischen Fußboden und Körper lag, ist hart. Noch härter und schlafraubender war allerdings die nicht ausstellbare Notausgangsbeleuchtung, und davon hatten wir zwei im Zimmer.
Eigentlich wollten wir heute stumpfsinnig vor uns hin schlurfen. Ging aber nicht, der Pilgerweg war ein Hindernisparcour. Riesige Schlaglöcher und Pfützen zwangen uns zum Ausweichen, Füße heben, Umwege nehmen.
So langsam tritt das ein, was wir uns für diese Tour gewünscht haben: der Kopf ist leer. Um uns, um was auch immer, Gedanken zu machen, dazu waren wir viel zu erschöpft. Alle Energie aus dem Kopf floss in Rücken, Beine und Füße. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob wir diese Art des Funktionierens wirklich mögen. Aber egal, weiter gehts!
So kurz vor Rostock wird die Landschaft öde. Nur Stoppelfelder und Windräder. Irgendwie der Tiefpunkt unserer Wanderschaft. Die Ortschaften werden austauschbar: lauter neugebaute Eigenheime, die nur noch so tun, als wären sie Klinkerbauten. Alles Imitate.
Die Sonne meinte es heute auch besonders gut mit uns. Sie brannte einfach nur von oben nach unten. Warum nur tun wir uns das an? Diese Frage konnte heute keine von uns beantworten. Klar ist: ohne Musik „The Frames“ (Ina) und „Rastaknast“ (Sylvia) hätten wir uns in die Wüste gesetzt und wären verdurstet. Aber Rastaknast machte mir Hoffnung auf heute Abend „Einmal noch hoch das Glas, auf das was kommt, auf das was war…“.
Jedenfalls haben wir uns bis zur Bushaltestelle in Pastow an der Feuerwehr geschleppt und sind die restlichen 7 km mit dem Bus gefahren. Dort kreiste ein Storch über uns – was für eine Freude für die trüben Augen.
Im Bus Schlafstimmung, aber kaum waren wir ausgestiegen, war Ina hellwach. Menschen!!!
Am Rosengarten, welch Wunder, saßen junge Menschen in Grüppchen, was für ein Motiv für unsere Bilddokumentarin.
Ina, heiß auf Szenekneipen, Sylvia grad in der falschen Stadt, aber Aperol Sprizz hat uns wieder versöhnt. Wir gehen ins Hotel Fernsehen glotzen.
Fazit des Tages: (Ina) Mein Akku war leer, ich kam mir vor wie ein Kriegsheimkehrer, in sengender Sonne schlurfend und fast am Boden kriechend, rettete mich nur meine Lieblingsmusik. (Sylvia) Was soll ich sagen, andere Mütter haben auch schöne Söhne und morgen ist ein neuer Tag.

2 Kommentare

  1. Wahnsinn was ihr macht. 16 km zu Fuß. Oje die armen Füße! Sonne habt ihr gehabt? Wo gibt es denn so was! Hier in Leipzig regnet es wie verrückt! Viel Spass weiterhin.

  2. ihr seid grossartig….respekt…bin stolz..knutsch


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Der Beitrag wurde am 1. Juni 2013 um 19:25 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Pilgern gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.