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Von Schloss Kölzow nach Sanitz – Streckenlänge 16 km

Nach dem Frühstück wollten wir die Übernachtung bezahlen und uns die Pilgerhefte abstempeln lassen. Sagt die Schlossherrin: „Ach, Sie wollen zahlen, oder lieber nichts zahlen und Stempel, Datum und Unterschrift wollen Sie auch noch gratis dazu!“
Prinzipiell hätte das ja ein Scherz sein können, aber die Frau meinte das sehr ernst. Und, das war nicht die einzige Spitze, die sie in Bezug auf unsere – zugegebenermaßen eingeschränkten – Finanzen losgelassen hat. Schade eigentlich, denn das Schloss ist schön gelegen, der Park ist eine kleine Idylle, der Schlosshund ist ein verfressener alter Trottel und die Zimmer, in die wir heimlich reingesehen haben, sind auch ganz nett. Nach der Nummer von der Schlossherrin würde ich allerdings sagen: nur hinfahren, wer entweder ein dickes Fell in den Ohren oder ein dickes Konto hat.
Aber egal, entspannt, wie wir von der ganzen Lauferei sind, haben wir freundlich einen guten Tag gewünscht, unsere Rucksäcke aufgesetzt und losmarschiert.
Sonnig war es heute und windig. Wir haben festgestellt, dass Pappeln im Wind wie die aufgewühlte See klingen, während der Wind die Tannen eher wie eine ruhige Brandung rauschen lässt.
Rapsfelder waren heute nur wenige zu sehen, dafür unendlich viele und große Roggenfelder. Der Wind strich in sanften Wellen über das Getreide. Unter seiner Berührung sah das ganz sanft und weich aus. Streicht man aber mit der Hand darüber, fühlt es sich einfach nur stachelig und kratzig an. Also erzeugen Wind und Feld eine optische Täuschung.
Ina hatte heute wieder ihren Makrofototag. An alles musste sie mit ihren Augen und mit der Kamera ganz nah ran. Ergebnis, die großen Dinge, wie eben ein Loch am Feldrand, werden übersehen. Plötzlich lag sie wie ein Käfer auf dem Rücken und strampelte mit den Beinen :-).
Unterwegs begegnet sind uns Strauße, Grünfinken, Mehlschwalben und Ina war ganz fasziniert von zwei Raupen: einer nackten und einer mit Fell. Naja, beim miteinander wandern entwickelt jede so ihre Eigenheiten. Meine sind nicht ganz so blumig duftende Bleifüße und ein sehr nach innen gerichteter Blick. Auch in Bezug darauf sind wir sehr unterschiedlich: zu Beginn der Wanderung lag meine Aufmerksamkeit mehr im Außen, während Ina mehr mit sich beschäftigt war. Jetzt ist es umgekehrt. Gleich ist bei uns beiden aber dies: wir sind in uns ruhiger und ausgeglichener geworden.
Heute übernachten wir im Gruppenraum der evangelischen Gemeinde. Aber alles ist schick, das Gebäude ist neu, Dusche und Toilette sauber, der Pfarrer freundlich. Als er vorhin den Raum für die heutige Männergruppe vorbereitete, trällerte er ein Lied. Die Gruppe tagt übrigens immer noch, aber jetzt wird nicht gesungen, dafür meldet sich unser Wegbegleiter, der Kuckuck, wieder.
Fazit des Tages: (Ina) Natur, Ruhe und Einsamkeit sind sehr schön, trotzdem freue ich mich wahnsinnig auf morgen – das lebendige Großstadtgewimmel von Rostock. (Sylvia) Den ganzen Tag mit heftigen Seitenwind und in der Sonne unterwegs, dass macht mir gute Laune und einen leichten Sonnenkasper.