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Von Tribsees nach Bad Sülze – Streckenlänge 9 km

Heute morgen sind wir nicht so richtig in die Gänge gekommen, was aber nicht verwunderlich war, da wir nach dem Laufmarathon gestern, nicht zur Ruhe kamen. Bei Pizza und Bier hockten wir noch lange zusammen und philosophierten.
Ina fragte „Wofür soll das denn nur gut sein, dass wir denken und uns erinnern können? Das muss doch einen Sinn haben. Für die Selbsterhaltung brauchen wir das nicht! Schweine, Affen und Elefanten pflanzen sich auch fort, nur wir, wir denken die ganze Zeit nach. “
Da wir uns auf den Sinn nicht einigen konnten und auch sonst mit der Diskussion nicht weiter kamen, wechselten wir das Thema. Von der Frage: „Wo will ich mal bestattet werden?“ – Ina in Leipzig im Clarapark, Sylvia in der Ostsee – kamen wir auf die Frage: „Wieso ist unser Zeitempfinden so konträr gegenüber der real verlaufenden Zeit?“ Wir wissen, wie alt wir sind und erschrecken doch mitunter vor dem eigenen Spiegelbild, welches dem gefühlten Alter nicht entspricht.
Weil solche Gespräche sowohl schön als auch anstrengend sind, verkrochen wir uns dann noch auf die Couch und ließen uns ein wenig leer machen vom sinnentleerten TV-Programm. Es war gegen drei, als wir endlich ins Bett fielen.
Heute morgen duschen, frühstücken und los ging es. Wir kamen ca. 300 m von der Unterkunft bis zum nächsten Lidl. „Die kurze Husche“ abwarten, meinte Ina. Die „Husche“ entpuppte sich als zweistündiger Wasserfall. Aber bei Lidl gibt es ja immer einen Bäcker und bei dem gibt es Kaffee und Tee.
Als der Regen sich verzogen hatte, ging es für uns auf die Piste, sprich Wanderweg durch nasses, kniehohes Gras. Die Sonne, plötzlich war sie da, und noch besser, sie blieb.
Unterwegs begegneten uns ein Wildschwein, unzählige Pferde, ein Pfauenpaar auf einem Müllberg, Damwild, eine Gans und ein Bussard. Ina allerdings begegnete heute noch vieles mehr. Ständig blieb sie stehen, um hier ein Gräslein, dort ein Käferchen und da die abgeworfene Haut einer Blindschleiche zu bewundern, zu beobachten und zu fotografieren :-).
In Bad Sülze fanden wir schnell das
Café Wunder Bar. Nach der überwiegenden Trostlosigkeit der bisherigen Unterkünfte ein Traum: eine helle, schicke Ferienwohnung für 30 € und gleich darunter das Kulturcafé. Ina ging einkaufen, sie kochte heute für mich. „DDR-Nudeln“ sehr lecker, wenn auch ein wenig sauer. (Verzeih mir Ina!)
Ich setzte mich zum Schreiben ins Café. Mit Caipi in der Sonne und von Katzen umworben, eroberte ich mir mit Schreibheft und Stift meine Ruhe zurück und ein paar Glücksmomente waren auch dabei.
Fazit des Tages: (Ina) Heute fühlte ich mich zum ersten Mal richtig frei, habe meinen Rucksack nicht gespürt, war der Natur sehr nah, habe die Langsamkeit genossen und war sehr verliebt in die Details die sich mir am Wegesrand zeigten.
(Sylvia) Mit bleiernen Füßen, von innerer Unruhe getrieben begann mein Wandertag im strömenden Regen. Dann kam die Sonne raus, die Kilometer wurden weniger, das Wildschwein hat mich nicht gefressen und der Abend, stündlich von den Glocken der Kirche nebenan beläutet, ist einfach nur ein Traum.