Gonzade – San Xulian – Boente

Vor lauter Anstrengung habe ich die Zeit vergessen. Die momentan einzig geltende Zeit ist die Zeit der Ankunft, weil sie mit der Frage verbunden ist: kann ich vor dem Abendessen noch ein wenig ruhen, lesen, duschen, faul sein. Einfach rumhängen, gammeln, nichts wollen, nichts müssen, nur liegen.

Beim Laufen beschäftigte mich in den vergangenen Tagen die Frage, warum Menschen alles in Kategorien einteilen müssen. Nehmen wir das Pilgern. Sind die „richtigen“ PilgerInnen die, die in Frankreich starten und den gesamten Weg durchlaufen? Oder sind es die, die jedes Jahr ein Stück des Weges gehen? Ist ein Tourist, wer den gesamten Weg geht, aber sein Gepäck transportieren lässt? Spielt das alles überhaupt eine Rolle? Wenn ja, für wen spielt das eine Rolle? Ist das überhaupt wichtig? Da werden Diskussionsrunden geführt und Argumente getauscht, aber am Ende zählt doch, was jedeR für sich selbst akzeptiert. Für die Menschen, die am Camino ihre Existenz aufbauen, dürfte es egal sein, ob die vorbei Eilenden, Humpelnden richtige oder falsche Pilger sind. Hauptsache, sie sind hungrig, durstig oder benötigen ein Nachtlager, ein Souvenir, ein Taxi.

So, ich muss jetzt das Licht löschen. Es wird zur Ruhe geläutet.

Ein Kommentar

  1. Schöne Fotos, schöner Weg und manchmal muss man für die Schönheit im Leben etwas leiden. Du und deine Füße schaffen das und es wird am Ende gut. Ich freue mich, mit dir gemeinsam in Santiago anzukommen.


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Der Beitrag wurde am 29. April 2018 um 17:33 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Pilgern gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.