Ab dem 20.5. erfülle ich mir einen lang gehegten Traum: Einmal einfach so loslaufen wie Forrest Gump. Na gut, nicht joggen, sondern pilgern. Einfach so durch Landschaften laufen, egal ob es regnet oder die Sonne brennt. Meinen Gedanken nachhängen und vielleicht ein wenig Schmerz von meiner Seele laufen. Abends in Sonnenuntergänge starren, die wunden Füße pflegen oder den Rücken, Sekt trinken und mit meiner Begleiterin reden oder schweigen. Zusammen allein sein, miteinander den Schweinehund überreden, der da flüstert: nimm doch den Bus.

In 5 Tagen geht es los: 214 km laufen von Anklam nach Kühlungsborn – das ist ein kleines Stück auf der Via Baltica, dem baltisch-westfälischen Jacobsweg. Im Vorfeld wurden Karten gewälzt, Pilgerausweise bestellt und eine Route ausgewählt – natürlich die mit den meisten Pilgerunterkünften am Wegesrand. Schließlich wollen wir uns, ungeübt wie wir sind, nicht totlaufen. Es soll trotz aller Anstrenung ein Urlaub werden.
Die Wäsche ist gewaschen, in den nächsten Tagen werden die Kraxen gepackt – Ziel: nicht mehr als 10 kg auf dem Rücken pro Frau. Heißt für mich: Verzicht auf jeglichen Luxus, selbst der Fön wird wohl zu Hause bleiben müssen; und im Gepäck nichts als schnell trocknende Funktionskleidung. Ich bin gespannt, ob mir dieser Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten schwer fällt. Vielleicht aber gefalle ich mir ja auch in der Rolle des Feldschrates – was ist eigentlich die weibliche Form von Feldschrat? Nur einen Bart wachsen lasse ich mir nicht. Das verspreche ich mir. Alles andere lasse ich auf mich zu kommen…