Boente – O Mempalme – Villa Maior

Die letzten Tage der großen Wanderung. Gestern 25 km, heute 18 km, bleiben für morgen noch mickrige 9 km. Obwohl sich heute bei mir so etwas wie Bedauern einschlich, dass die Pilgerei nun bald endet, bin ich doch auch froh, wenn die Lauferei zu Ende ist. Es ist eben trotz aller Abenteuerlichkeit auch eine anhaltende körperliche Anstrengung und kein langer Spaziergang durch bezaubernde Landschaften und erwachende galizischen Ortschaften Der Frühling bricht hervor und viele der fast verlassen wirkenden, in weiten Teilen zerfallenen Ortschaften, werden durch die Landwirtschaft und die Pilgerunterkünfte neu belebt. Der alte galizische Baustil erinnert mich sehr an England und Schottland.

Während meiner Wanderung gab es sehr berührende Begegnungen mit Einheimischen. Ein alter Mann lud Sabine und mich zur Besichtigung seiner 1000jährigen Kirche ein, die er extra für uns aufschloss. Ein blinder, ebenfalls sehr alter Mann, von dem ich in einer der zahlreichen romanischen Kirchen mein Pilgerheft abstempeln ließ, suchte meine Hand, drückte sie fest und sagte etwas, was ich nicht verstand, aber alle umstehenden Spanier dazu brachte, meine Schulter zu berühren, als ich die Kirche verließ. Eine ganz in schwarz gekleidete runzelige Frau rief mich zu sich, machte mit der Hand eine segnende Geste und umarmte mich.

Ansonsten begegneten mir die SpanierInnen freundlich reserviert, was aber sicher dem geschuldet ist, das ich nicht Spanisch spreche und nur wenig Englisch. Sabine und Heleen, meine Pelegrinas, hatten da viel mehr Berührung und Gespräch. Allerdings bin ich, wie wir alle drei, während der Lauferei in mir versunken, folge dem Rhythmus meines Körpers und lasse mich durchfluten von allem was meine Sinne berührt: Licht und Schatten, Geruch – besonders eingeprägt haben sich mir Kuhdung und Eukalyptus, Farbenspiele und und und. Allerdings bin ich auch abends nicht besonders gesprächswillig. Ich höre Sabine, Heleen und anderen gern zu, klebe aber an meinen Bedürfnissen fest. Ich mag duschen, essen, trinken – Orujo, eine galizische Delikatesse, die auch mal aus einer Whiskyflasche ausgeschenkt wird. Wichtig bei einer Kontrolle scheint zu sein, dass die Flasche eine Banderole hat und der Inhalt nicht als Selbstgebrannter erkennbar ist. Geschmacklich nah an Trester/Grappa. Schöner Nebeneffekt: das Zeug wärmt, was sehr wichtig ist hier in Nordwestspanien. Denn trotz Sonnenschein und Sonnenbrand ist es noch immer verdammt kalt.


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Der Beitrag wurde am 1. Mai 2018 um 18:03 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Pilgern gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.