Tag 6 – Golf von Kalloni

09.05.2014

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Gestern haben wir unser Vorhaben wahr gemacht und uns mit Herrn Stefanoy Stamos verabredet. Mit Kaffee trinken am Hafen und Geschichten über die penepoleische Seeschlacht vor Mytilene begann der Tag. Weiter ging es im Auto über die Berge, vorbei an Olivenhainen zur Seestraße am Golf von Kalloni. Mit Bach und Vivaldi auf den Ohren, war das ein überwältigendes Erlebnis.
Zwischendrin gab es spannende Geschichten über die Vorfahren von Herrn Stamos (der im übrigen schon 77 Jahre alt ist) und viel Wissenswertes für Griechenlandneulinge. Zum Beispiel, dass „Skala“ der kleine Hafen ist, der zu einem Bergdorf gehört also Kalloni / Skala Kalloni, Eressos /Skala Eressos. Oder, dass Olivenbäume bis 1000 Jahre alt werden können. Herr Stamos sagt: „Du kannst ihn absägen und er kommt wieder.
Der Olivenbaum ist ein gesegneter Baum. Er hat immer Holz gegeben, sein Öl hat Licht gegeben und seine Frucht gibt Gesundheit.“
Nach einem imposanten griechischem Essen, mit Calamari und Oktopus ging es weiter zu den Heilquellen von Polichnitos. Dampfende und blühende Landschaft mit der alten Ruine eines Thermalbades.
Den Abschluss fand unsere kleine Rundreise in Ajassos – dem zweitältesten Pilgerort von Lesbos. Jedes Jahr am Abend vom 14. zum 15.8. pilgern die Lesbier dorthin, das ist ein großer Feiertag in Griechenland, es ist der Sterbetag der Madonna.
Alles in allem ein wunderschöner Tag, wenn, ja, wenn die große Enttäuschung am Abend nicht gewesen wäre. Die Zeichen wurden in der letzten Stunde des Miteinanders immer eindeutiger. Der alte Mann wünschte Sex. Ich weiß immer noch nicht, was bei uns beiden gerade überwiegt: die Empörung darüber, dass ein 77jähriger uns an die Wäsche wollte, oder die Enttäuschung, dass aus einer schönen und offenen Begegnung etwas derart Widerwärtiges und Kleinliches wird.
Im Verlauf des Tages sagte Herr Stamos: „Wenn du nie spielst, kannst du hundertprozentig nie gewinnen. “ Nun ja, gestern hat er definitiv verloren. Aber ich auch, für einen kurzen Moment das Vertrauen in die Möglichkeit unbefangener Begegnungen. Schade eigentlich.


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Der Beitrag wurde am 10. Mai 2014 um 11:21 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Lesbos gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.