Fonfria – Pinfin – Morgade

26. April 2018 um 22:25 Uhr

 

Tag 2 und 3
Die km-Angaben unterscheiden sich, je nach Handybetriebssystem und was ich eher vermute, nach Schrittlänge. Je später der Nachmittag desto kleiner werden meine Schritte. Also nach meinem Handy bin ich gestern 24,23 km gelaufen und heute 20,33 km. Aber eigentlich spielen die km keine Rolle, meine Füße sind die Taktgeber und sie sind es am Ende des Wandertages auch, die ziemlich schmerzhaft vermelden: es reicht.

Abseits aller sportlichen Erwägungen bin ich ziemlich fasziniert von der galizischen Landschaft. Sattes Grün eingehügelt, die Wege führen uns bergauf, bergab. Alte Steine in jeder Ortschaft, alte Kirchen – wirklich alt, heute waren wir in einer aus dem 11. Jahrhundert – und ohne Ende Kühe. Selbst wenn die Tierchen nicht zu sehen sind, sind sie zu riechen und auf allen Wegen finden sich diverse Hinterlassenschaften.

Ab und an begegnen uns am Wegesrand alte Menschen. Der eine erbittet eine Spende, eine andere treibt die Kühe ins Abendlager, und noch ein anderer hütet seine Kirche und lädt zur Besichtigung ein. Keinem kann ich widerstehen. Ich gebe ein paar Euro, grüße mit einem freundlichen jhola und folge brav in die Kirche. Schließlich hat sich der alte Mann mit seinem Krückstock und Trippelschritten zum Wegrand gemüht um Vorbeiziehenden seine Kirche zu zeigen. An dieser wären wir wirklich vorbei gegangen und das wäre sehr schade gewesen. Der Altar war beeindruckend, selbst für so eine Atheistin wie mich. Mindestens 800 Jahre alte Holzschnitzereien. Früher hätte ich dazu gesagt, Kunst im naiven Stil. Heute denke ich, was ist naiv?

Fazit der beiden Wandertage: meine Füße wollen nicht so, wie ich wohl will und alten Menschen kann ich nicht widerstehen. Sie rühren etwas an in mir, bringen mich dazu Dinge zu tun, die ich vielleicht so gar nicht will und trotzdem fühle ich mich dann irgendwie besser.

Piedrafita – O Cebreiro – Fonfria

24. April 2018 um 20:47 Uhr

Eines ist schon am 1. Tag klar, auf dem Camino herrscht die Diktatur der Frühaufsteher. Gegen 7 Uhr durch eine fremde Stadt hetzen, auf der Suche nach dem richtigen Busbahnhof. 3 mal verlaufen und mich dann von einem freundlichen Taxifahrer retten lassen. Nach 3,5 Stunden Busfahrt durch Nebelgebirge Ankunft in Piedrafita. Erste Hürde, 350 Höhenmeter nach O Cebreiro. Dort wartete Sabine auf mich. Schneller Kaffee, Sonnen Hut gekauft, Beginner-Stempel abgeholt und losgelaufen. Viel habe ich vom Weg heute noch nicht mitbekommen, ein paar Blumen, Panoramablick und die Kontraste: Blütenbracht neben Schneeresten. Nach 17 km war heute Schluss, ich muss mich erst einmal einlaufen. Vor der Nacht gruselt mir noch ein wenig, Doppelstockbetten, viele davon belegt, es riecht nach vielen Menschen, aber richtig heftig riecht es im Vorraum, wo die Stinkeschuhe stehen. Was mich richtig freute, das erste Pilgermenü gab es in einem Palloza, einem traditionellen galizischen Rundbau. Mit einem leichten Sonnenkasper und 3 Umdrehungen vom galizischen Grappa verabschiede ich mich 21.33 Uhr ins Bett. Mal sehen, wie die Nacht wird.

Ankunft in Santiago de Compostela

um 00:41 Uhr

Endlich angekommen. Das Flugzeug startete mit Verspätung, der Bus vom Flughafen nach Santiago war gut gefüllt mit PilgerInnen und Rucksäcken, das Hotelzimmer geht als Vorbereitung auf die Kargheit der Pilgerunterkünfte durch. Aber die Stadt, dieses Santiago de Compostela, das ist ein Paradies für alle die alte Steine lieben und Gossendeckel. Ich liebe alte Steine und schöne Gossendeckel, deswegen freue ich mich schon jetzt auf die Zeit in dieser Stadt. Morgen früh geht es 8 Uhr erst einmal mit dem Bus nach Pedrafita do Cebreiro.

Fazit des Tages: Warten auf Flüge, Busse, Ankommen kann zwar nervig sein, ändert aber nichts an der Freude einen neuen Ort zu finden und mich dort wohl zu fühlen.

Vorbereitung auf den Jacobsweg

16. April 2018 um 23:16 Uhr

Der erste Urlaub des Jahres steht an und ich bin müde. Die Nachwehen einer Viruserkrankung und eines Sturzes lassen mich fremd sein. Ich lese Nachrichten und es ermüdet mich. Das Alltägliche überfordert mich. Ich stehe neben mir, bin nicht zu Hause. Anfangs war ich irritiert von diesem Zustand, dann genervt, jetzt akzeptiere ich, dass es ist, wie es ist. Allerdings fällt es mir in diesem Zustand schwer, mich auf die Reise vorzubereiten und auszuwählen, was ich für die Reise benötige und was ich besser zu Hause lasse. Meine letzte 14-tägige Pilgerreise begann ich mit einem 13 kg Rucksack. Diesen Fehler werde ich nicht wiederholen. 7 kg sind das Zielgewicht, 5 kg wären noch besser. Den Rucksack für eine solche Tour zu packen setzt Vertrauen voraus.

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Der Meckerer

25. Februar 2018 um 20:04 Uhr

Heute Morgen nach dem Aufwachen meldete er sich wieder. „Na hast du mal wieder deinen Samstag vertrödelt? So wird das nie was mit dir!“ Das ist kurz nach dem Aufwachen genau das was ich brauche, um meinen Tag gut zu beginnen. Einen der mir im Schädel hockt und mir permanent erzählt, was ich alles falsch mache. Was ich sollte, müsste. Mehr Schreiben, mehr Sport, mit dem Rauchen aufhören, früher zu Bett gehen, nicht so lange schlafen, meine Aufgaben pünktlicher, schneller, besser erledigen. Die Steuererklärung nicht immer ein Jahr zu spät abgeben, sparen, schlanker werden und überhaupt soll ich ein viel netterer, besserer Mensch werden.
Das nervt. Das macht mich wütend. Das will ich nicht. Ich weiß selber, dass Rauchen ungesund ist. Ich weiß selber, dass ich nur dann etwas zum Abschluss bringe, wenn ich damit überhaupt erst einmal anfange und mir dann die Zeit nehme, daran kontinuierlich zu arbeiten. Mache ich alles, nur eben nicht so, wie es diese Stimme in mir fordert. Wie bitte soll ich diesem Motzkopf gegenüber netter werden, wenn er mich gleich nach dem Aufwachen derart nervt. Der soll abhauen, sein Spiegelbild anmeckern, seine Weisheiten dem Kuckuck sagen. Blöd nur, dass es ja mein Meckerer ist, der mir da heiße Luft ins Hirn bläst. Es ist eben kein Außenstehender der mich mit seinen Nörgeleien, seinem Jammern zur Weißglut bringt. Das wäre ja aushaltbar, einfach weil ich gelernt habe, mit diesen Menschen meinen Umgang zu finden.

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Autorin sein oder nicht sein

9. Februar 2018 um 12:27 Uhr

Nicht erst seit ich Mitglied in der Autorinnenvereinigung e.V. bin, beschäftigen mich folgende Fragen. Ab wann bin ich eine Autorin? Was macht mich zu einer Autorin?
Mein Schreib-leben lang wollte ich so gern eine Autorin sein. Dabei war mir immer klar, eine Frau die vom Schreiben nur träumt, ist vielleicht eine Träumerin, aber keine Autorin. Heißt, Schreiben als Handlung ist die Grundvoraussetzung. Dachte ich immer und so wird die AutorInnenschaft im gängigen Sprachgebrauch auch verstanden. Laut Wikipedia hat sich der Begriff Autor und das Verständnis davon im Lauf der Geschichte immer wieder gewandelt. Im Mittelalter war nur Autor, wer gleichzeitig Autorität besaß. Seit der Sturm-und-Drang-Zeit galt nur als Autor, wer als Genie anerkannt war. Seit den 60er Jahren, mit Roland Barthes: „Der Tod des Autors“ und Michel Foucalts „Was ist ein Autor“ wird dieses Verständnis infrage gestellt.

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#ichtraumich – Tag 31

31. Januar 2018 um 21:50 Uhr

Aufgabe: Dein (Schreib) Ziel für 2018

Der letzte Beitrag zu dieser Challenge. Einen Monat lang täglich ein paar Zeilen posten zu den Themen Schreiben, Lesen, Leben. An manchen Tagen war ich genervt von sich wiederholenden Aufgaben, an anderen Tagen habe ich mich schon am Morgen auf das Schreiben gefreut. Das Wichtigste Ergebnis dieser Challenge ist für mich das Durchhalten. Es ist mir gelungen, täglich mal mehr mal weniger zu schreiben. Auch wenn ich keine Lust auf die Frage hatte, auch wenn ich erschöpft von meinem Arbeitsalltag war, ein paar Zeilen waren immer noch möglich. Das nennt sich dann wohl Integration des Schreibens in den Alltag. Das zu halten und nach und nach weiter auszubauen ist eines meiner Schreibziele für das Jahr 2018. Weitere konkrete Schreibziele sind das Schreiben eines Sachbuches, die Ideenentwicklung eines Romans und das Vorhaben, zweimal monatlich einen Beitrag auf meinen Blog zu stellen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen meinen MitstreiterInnen, bei allen LeserInnen und bei allen, die mich mit Likes und Kommentaren unterstützt haben. Lasst es euch gut gehen.

Bis bald! 🙂

#ichtraumich – Tag 30

30. Januar 2018 um 15:46 Uhr


Aufgabe: Dein Lieblingszitat

„Dass ich nur von mir spreche, geschieht aus übergroßer Gerechtigkeit, aus Gewissenhaftigkeit, nicht nur aus Selbstschätzung. Nämlich, weil ich mich nur kenne und von mir Auskunft geben kann.“
Else Lasker Schüler

Das ist ein Zitat aus einem Brief von Else Lasker-Schüler an Martin Buber – Werke-und-Briefe, Bd. 7. . Kritische-Ausgabe. Suhrkamp Verlag. Dieses Buch durfte ich mir von einer Freundin ausborgen, inzwischen ist es wieder bei ihr. Seitdem steht die Gesamtausgabe ganz oben auf meiner Bücher-Wunschliste. Allerdings muss ich da noch sparen, denn die 11 Bände kosten 1180 €. Da aber die Bücher von Else Lasker-Schüler seit meiner Jugend für mich stete Wegbegleiter und Trostgeber sind, bin ich geduldig und zuversichtlich. Eines Tages werde ich sie alle lesen. 🙂

#ichtraumich – Tag 29

um 07:55 Uhr

Aufgabe: Ebook vs. Printausgabe. Welches Format bevorzugst du und warum?

Ich lese gern in beiden Formaten. An Printausgaben mag ich das Haptische. Ein Buch im wahrsten Sinn des Wortes begreifen zu können ist mitunter pure Freude. Der Geruch, das Papier, das Rascheln beim umblättern, das möchte ich nicht missen. Allerdings ist der Platz auch in meinen Bücherregalen begrenzt, deswegen lese ich inzwischen vor allem Krimis und Fachliteratur als Ebook. Auch für Urlaubsreisen ist das Ebook mein Favorit. So kann ich viele Bücher mitnehmen und der Rucksack bleibt trotzdem leicht.

#ichtraumich – Tag 28

29. Januar 2018 um 19:08 Uhr

Aufgabe: Relax! Erzähl uns, wie du relaxt und was du dazu brauchst!

Es gibt für mich verschiedene Varianten zu entspannen.

Nach einem normalen Arbeitstag hilft ein Entspannungsbad mit Düftöl (Lavenel, Sandelholz, Meerbad) und dabei Hörbuch hören oder eine Serie glotzen.

Bin ich krank, trinke ich mit Vorliebe Thymian-Salbei Tee, liege auf der Couch, schlafe, schaue Märchenfilme, schlafe. Das entspannt mich und das hilft, schnell wieder zu Kräften zu kommen.

Ist mein Kopf voll, bin ich emotional negativ aufgeladen, dann hilft nur eines: frische Luft und laufen. Nicht grübeln sondern die Sinne öffnen für Farben, Gerüche und Geräusche.

Habe ich mich längere Zeit zu sehr auf etwas konzentriert und dadurch ein wenig den Kontakt zu mir verloren, dann hilft eine längere Wanderung, gern auch ein paar Tage. In der Natur sein, mich in Echtzeit bewegen hilft mich wieder zu verankern. Das ist dann Tiefenentspannung.

Mitunter, zum Beispiel wenn ich abends noch schreiben will oder vor einem erwartet anstrengenden Gespräch hilft mir ein 20-Minuten- Schlaf oder eine kurze Meditation.

Was mich immer entspannt, egal ob Entspannung notwendig ist: Lagerfeuer. Egal ob allein, mit FreundInnen oder mit Fremden, am Feuer ist meine Welt schwer in Ordnung.