Den letzten Abend im Monat nutzen für eine kleine Rückbesinnung. Im von Arbeit bestimmten Alltag vergesse ich oft was vorgestern

los war, erst recht fällt mir die Erinnerung an den Monatsanfang schwer. Da ist so ein Monatsrückblick eine echt feine Sache. Im Gedächtnis und in den Fotos gekramt, kommt dann doch so einiges wieder ins Gedächtnis und das Verrückte daran: mit der Erinnerung kommt auch die geballte Freude über jeden einzelnen Augenblick zurück. Auch in diesem Monat wieder ein Dankeschön an Judith von Sympatexter für die Anregung und den großartigen Rapid Blog Flow. Gern hätte ich mich bei dem weiterführenden Kurs beteiligt, aber aktuell sind noch so viele andere Kurse offen, die will ich erst einmal abarbeiten. Zu viele Kurse parallel machen mir Druck und genau das will ich ja nicht mehr. Unter Judiths Monatsrückblick findet ihr übrigens auch noch andere spannende Rückschauen auf den Monat Juli 2021.
Mal abgesehen davon, dass der Juli für mich DER Sommermonat ist, war es auch der Monat in dem ich zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie wieder so richtig sozial aktiv war. Offline. Wie sich das anfühlt hatte ich schon fast vergessen. Meint, ich habe mich mit Freund:innen getroffen, war essen, habe die lauen Nächte mit Caipi und Kaffee auf diversen Freisitzen genossen. Ich war im Restaurant essen und Kultur gab es auch.

Die Höhepunkte dieses Monats

Ein Tag Urlaub

Die Treffen mit meiner Freundin beschränkten sich in den vergangenen Monaten auf gemeinsame Fahrten zur Haarfee, gemeinsames Kaffee trinken und miteinander lernen. All das macht Freude, kann sehr intensiv und bereichernd sein, aber ein gemeinsamer Ausflug, so ein spontanes Abenteuer verbindet doch noch einmal viel mehr. Auch diesmal waren wir zum Lernen verabredet und stellten beide fest: wir sind müde. Es ist Sommer, wie arbeiten zu viel und genießen zu wenig. Zeit, für einen Tag die Zeit anzuhalten. Wir setzten uns planlos ins Auto und und fuhren los. In Neukieritzsch wagten wir einen Spaziergang ins Unbekannte und entdeckten einen Park mit zwei Seen. So viel Frischluft macht hungrig, doch die Grillhütte der angesteuerten Buffalo Ranch war geschlossen. Das hielt uns nicht davon ab, im Hofladen eine leckere Büffelsalami zu kaufen. Fünf Minuten Autofahrt zum Hainer See und direkt am Wasser einen Platz gefunden. Diese wenigen Stunden waren wie ein Kurzurlaub.

Beflügelnde Energie

Ein Jahr gemeinsame Greator Coach Ausbildung liegt hinter uns und wir sind uns teilweise sehr nah gekommen, allerdings – bis auf meine Buddy – nur online. Das änderte sich am 17.07.2021. Ein Teil meiner Ausbildungsgruppe mit dem Namen Joy – der Name war Programm, denn Freude machten die gemeinsamen Onlinetreffen jedes Mal – traf sich zu einem gemeinsamen Frühstück im Café Luise in Leipzig. Für mich mit Heimvorteil, ich musste nicht allzu früh aus dem Bett. Es war schön, all die Frauen in ihrer Lebendigkeit zu erleben, zu sehen, denn leider ist es bei solchen Treffen ja so, dass man nicht mit allen gemeinsam ins Gespräch kommen kann, dass immer noch Fragen offen bleiben. Dafür wird es demnächst noch das ein oder andere Treffen mit einer Coach-Kollegin geben. Dieses Treffen war dafür da uns alle einmal zusammen zu bringen und die Atmosphäre der Gruppe war eine gute, eine Tragende. Das macht Hoffnung und Vorfreude auf weitere Begegnungen in hoffentlich anderem Rahmen. So ein Café ist einfach zu laut. Insgeheim hoffe ich ja auf ein nächstes Treffen irgendwo am Lagerfeuer. Für dieses erste Treffen jedenfalls bin ich sehr dankbar und es hat mich sehr berührt, die Frauen leibhaftig zu sehen, zu berühren, zu riechen, zu hören und die wabernde kraftvolle Energie zu spüren.

Ganz und gar im Augenblick sein

Obwohl seit Monaten jede Woche, ganz oben auf meiner (wöchentlichen) Highlight-Liste stehen die Dienstage. Jeden Dienstag Nachmittag beginnt für mich eine Auszeit von allem Gerenne, Gehetze, von allem Müssen. Dienstag ab 16 Uhr bis Mittwoch 9 Uhr ist Enkeline Zeit. Meine Zeit, unsere Zeit. Ich biete den Rahmen und achte auf die Sicherheit, sie bestimmt die Inhalte. Was wir tun, wie wir es tun und ein wenig dehnt sie den Rahmen wann wir etwas tun (spielen, essen, baden, schlafen). Ich liebe es Oma zu sein und zu erleben, wie dieses kleine Wesen sich entwickelt, wie sie die Welt entdeckt, wie sie sich in der Welt entdeckt. Was ihr Freude macht – Quatsch jeder Art: mit Wasser matschen, in Pfützen oder auf dem Trampolin springen (und ich befolge fast immer die Aufforderung „Oma auch!“) – oder was ihr Angst macht – Lautstärke: Hundegebell, Motorräder, laute Musik. Für mich sind diese Momente voll von echtem Glück. Zu erleben, wie sie sich in Beziehung setzt. In einem Gespräch mit ihr darüber, warum ein Vogel ein Vogel ist: „Ich bin doch kein Vogel, ich bin wie du!“ Das Wort Mensch kennt sie noch nicht. Oder sie sieht in einem Trickfilm ein Bild von der Erde und ruft: Da wohne ich!

Befreites Lachen

Ganz ehrlich, ich weiß nicht, wann sich da etwas in mir verändert hat, aber früher wäre ich bei solch einem Theaterstück empört gegangen. Diesmal, dass erste Mal seit Corona, Theater unter freiem Himmel. Die Cammerspiele Leipzig zeigten das Stück ‚Mendy-das Wusical und ich saß da und lachte und lachte und lachte. Der mir sonst als DJ bekannte Donis in der Rolle der lustgetriebenen Mutter, Mendy, das Pferdemädchen mit eigenem Kopf, der Vater im Rollstuhl, der sich nur vordergründig andienernde Knecht, ein singfreudiges Pferd, eine großartige Saxophonistin und am Ende gab es Mord und Totschlag und keine Moral von der Geschicht. Oder vielleicht doch? Meine wäre: nehmt euch alle nicht so ernst, das Leben ist ernst genug.
Ein gelungener Freundinnen-Abend. Zwischendrin regnete es, doch das Team der Cammerspiele hatte auch hier vorgesorgt und verteilte Regencaps. Sehr schön war auch: einen Spielort zu entdecken, den ich bisher nicht kannte – den TV-Club Leipzig. Eine ganz neue Perspektive auf die Stadt.

Synagogendenkmal in Zentralstraße 2, Leipzig. Die Synagoge wurde 1855 eingeweiht und1938 von den Nazis zerstört.

Was mich bewegt hat und mich ängstigt

  • Das Hochwasser war ein Schock. Oft schon bin ich in der Gegend gewesen und die Bilder der Kraft des Wassers waren erschreckend. Kleine Bäche, die so eine vernichtende Gewalt in sich bergen. Tröstlich für mich und hoffentlich auch für die Menschen vor Ort – die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen. Wieder einmal Ohnmacht gespürt und ich war weit entfernt, ich kann mir nicht annähernd vorstellen, wie es den Menschen in den betroffenen Regionen geht. Ob sich mit einer solchen Katastrophe etwas ändert? Ich bin da eher pessimistisch.
  • Ein anderer Schock. Die rechtsextreme Partei ‚Der dritte Weg‘ wurde zur Wahl zugelassen. Immer häufiger frage ich mich, ob unser Land schon derart unterwandert ist – oder es schon immer war – dass es inzwischen gesellschaftlich legitimiert ist, offen rassistisch, antisemtisch, frauen- und diverstyfeindlich und rechtsextrem zu agieren, den deutschen Staat in Frage zu stellen, die Demokratie in Frage zu stellen und trotzdem als wählbare Partei kandidieren zu dürfen. Hat die Demokratie, haben die Demokraten nichts gelernt? Schon einmal wurde mittels Ausnutzung demokratischer Mittel die Demokratie abgeschafft.

Was sonst noch im Juli los war

  • der Liebste hat meinen Balkonfußboden erneuert
  • ich habe eine Weiterbildung zum Thema Borderline gemacht
  • ich habe mich mit dem Thema Marketing und Sichtbarkeit beschäftigt – und mehr offene Fragen dazu als Antworten gefunden
  • in meiner Wohnung gibt es endlich stabiles WLAN
  • mein neuer Laptop ist gerade mein bester Freund
  • ich habe die Katze der SchwiMu gefüttert und ihren Garten gegossen
  • die Polyvagal-Theorie beschäftigt mich gerade sehr
  • Juhu: die Anthologie der Autorinnenvereinigung ist erschienen, kann bei BOD bestellt werden und meine Exemplare sind angekommen
  • tägliche Meditationen gehören für mich inzwischen zu meinem Lebensalltag und
    auch die täglichen Spaziergänge und Pausen werden allmählich zur Routine
  • neben meiner Leitungstätigkeit für die WG habe ich 29 Therapiesitzungen und 3 Coachings gegeben

Mein Dank gilt all meinen Begleiter:innen, Freund:innen, Kolleg:innen, meiner Familie und mir. Ohne uns alle wäre dieser Monat nicht so großartig geworden, wie er war. So wunderbar, mich so eingebettet ins Leben zu fühlen, in Freundschaft und Liebe und Verbundenheit. Und natürlich danke ich auch Dir fürs Lesen meines Blogs.