rezensiert von Sylvia Tornau

Im Thüringer Wald, nahe am Kyffhäuser findet ein Urlauberpaar eine Frauenleiche. Im Verlauf der Geschichte gerät das Paar unter Verdacht und in Gefahr. Bei einer Leiche bleibt es nicht, es gibt in Sylke Tannhäusers Krimi gleich neun davon. Die einen sind schon länger tot, die anderen werden vor den Augen der LeserInnen ermordet. Trotz der vielen Toten gelingt der Autorin ein ruhiger Erzählstil, ganz so, als würden wir Lesenden ihr auf ein paar Wanderungen durch den geruhsamen Thüringer Wald folgen und hier und da von ihr auf ein paar für Touristen ansonsten unbekannte Aussichtsplattformen geführt. Was gibt es da nicht alles zu entdecken, außer Leichen natürlich, auch einen Einblick in das Leben der Thüringer abseits von Großstadt mit Lärm und Stress. Diese Jeder-kennt-Jeden-Mentalität die einerseits für Städter so schwer aushaltbar ist, die andererseits für das Leben auf dem Land unverzichtbar ist. Man interessiert sich eben füreinander, manchmal vielleicht ein wenig mehr als gut und notwendig ist.

Die Journalistin Carla, die mit ihrem Freund Ralph, einem Künstler, eine erste gemeinsame Urlaubsreise unternimmt – beide haben sich in einer Rehaklinik kennengelernt und wollen genesen von der Genesung – findet die erste Leiche bei einem gemeinsamen Picknick im Wald. Nach dem ersten Schock findet sie zurück zum Schreiben. Mit ihren Artikeln kommt sie dem attraktiven Kommissar Torsten Feuerbrik nicht nur einmal in die Quere. Das nervt diesen zwar, aber gleichzeitig bietet sich ihm so die Gelegenheit immer wieder Carlas Nähe zu suchen. Ein attraktiver Mann, eine intelligente Frau, es raschelt und knistert. Die Autorin spielt mit den Emotionen ihrer Protagonisten mit großer Feinfühligkeit und hintergründigem Humor. Und lässt, wie in einem guten Krimi, auch bei den Beziehungsgeschichten bis kurz vorm Ende, alles offen.

Lakritze ist die einzige Spur, die die Ermittler haben und Lakritze wird nicht wenig gelutscht in diesem Krimi von Sylke Tannhäuser. Es gelingt ihr, die LeserInnen ebenso wie die Ermittler immer wieder auf falsche Fährten zu locken. Die sympathischen Thüringer mit ihren großen und kleinen Macken sind entsetzt über das Geschehen in unmittelbarer Nachbarschaft und bei all der lesbaren Sympathie der Autorin für diesen Landstrich und seine BewohnerInnen ist es nicht verwunderlich, dass die Spur des Täters am Ende aus Thüringen hinaus führt.

Ein gelungener, spannungsreicher Krimi, der Vorfreude auf den nächsten macht. Gern auch mit weniger Morden und menschlichen Verwicklungen.

Sylke Tannhäuser: Lakritze. Thüringen Krimi.emons-verlag, 189 S., 9,90 €