„Ohne (m)ein Eis sage ich nix!“ – Ein Roman von Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki
rezensiert von Sylvia Tornau

Während eines gemeinsamen Essen kamen die befreundeten Autorinnen Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki auf das Thema ‚Deutsche Waschmaschine frisst schwarze Wollsocken’. Das Frustlachen darüber wurde zur Initialzündung für den ersten gemeinsamen Roman (Quelle: NGZ), dem hoffentlich andere folgen werden.

Die Autorinnen Filz und Konopatzki beschreiben die Ver- und Entwicklungen der zwei Protagonistinnen, beide Anfang vierzig.
Die eine, Claudia, hadert mit ihrem Leben, vor allem mit ihrer Ehe. Zu viel Alltag hat sich eingeschlichen, zu viele Gewohnheiten und die Waschmaschine frisst zu viele Männersocken, von denen es in Claudias Hauhalt reichlich gibt. Sie und ihr Mann Harald arbeiten als Lehrer an verschiedenen Schulen und leben mit ihren fast erwachsenen Söhnen in einem kleinen Haus. Nachdem Claudia Harald eröffnet hat, dass sie sich von ihm trennen will, ist dieser mit den Söhnen ans Meer gefahren.
Die andere, Felicitas, Tochter aus reichem Elternhaus hat einen noch reicheren Mann geheiratet. Für ihn war sie viele Jahre die immer attraktive und intelligente Frau an seiner Seite. Sie begleitete ihn auf Dienstreisen, organisierte Arbeitstreffen mit wichtigen Geschäftspartnern im heimischen Palast. Eines Tages bemerkt sie, dass er sie mit einer fast zwanzig Jahre jüngeren Blumenverkäuferin betrügt. Felicitas ergreift die Flucht nach vorn und lädt ihre Freundin Claudia über das Wochenende in ein Wellness-Hotel ein.
Kennen gelernt haben sich die beiden während ihrer Studienzeit. Sie teilten sich eine WG mit Birgit, Stefan und Nele. Während des Wochenendes beschließen die Freundinnen nach fast zwanzig Jahren ein WG-Treffen zu organisieren. Ungeahnt von allen Beteiligten wird dieses Treffen die Leben aller verändern.

Spannung erhält dieser mitunter märchenhaft und dann doch wieder realistisch anmutende, 175 Seiten umfassende Roman vor allem durch die sehr lebendig geschilderten Rückblenden in das WG-Leben und durch das Treffen der Fünf in Felicitas Haus. Die Wahrheiten die hier einander erzählt und teilweise zum ersten Mal sich selbst eingestanden und die Irrtümer die aufgeklärt werden, sind lebendiges Beispiel für die möglichen Wirren von Menschen in den Vierzigern. Hier geht es um Rückschau, um eine erste Bewertung dessen, was erreicht wurde, aber auch um das Eingeständnis, welche Werte man aus den Augen verloren, vielleicht gar verraten hat. Es geht um das, was nicht mehr möglich ist, aber auch um das Entdecken von Optionen, die das Leben jenseits der Vierzig bereithält.

Etwas bedauerlich finde ich, dass die Schilderung des Wellnes-Wochenendes so viel Raum einnimmt und das die Autorinnen mitunter wenig Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer LeserInnen haben. Da werden eindeutige Zusammenhänge erklärt und wiederholt, werden Stimmungen mit Adjektiven untermauert. Auch verfallen die Autorinnen aus meiner Sicht zu häufig in Alltagssprache, was den Roman nicht leicht, sondern streckenweise unglaubwürdig und langatmig macht.
Trotz dieser Mängel ist das Buch aufgrund der Realitätsnähe zu Lebensthemen von Menschen rund um die Vierzig und ob der Lebendigkeit der Rückblenden sowie der, dem Treffen der ehemaligen WG-BewohnerInnen innewohnenden, Wahrhaftigkeit lesenswert. Vor allem an warmen Sommertagen macht es angesichts der Genussfähigkeit von Felicitas und ihren MitstreiterInnen – jenseits vom grassierenden Diätwahn – Appetit auf ein großes Eis.

Sylvia Filz, Sigrid Konopatzki: „Ohne (m)ein Eis sage ich nix!“. BOD-Verlag 2010, 12,90 €