„Eine unlösbare Aufgabe“ dachte ich, als ich im Rahmen der Rapid Blog Flow Workshopwoche die Aufgabe erhielt, Fun Facts über mich zusammen zu tragen. An mir gibt es doch nichts Komisches und besonders lustig finde ich mich auch nicht.  Und es macht plopp. Ich schreibe diesen Satz und mir fällt auf: DAS ist ja schon der erste Fun fact. Es geht gar nicht um spaßig, sondern um Besonderheiten, Marotten, Auffälligkeiten, Eigenheiten, was macht mich aus. 

Manchmal stehe ich auf dünnen Beinchen, manchmal falle ich um und trotzdem stehe ich immer wieder auf.

  1. Ich lache über Dinge, wo andere Menschen mein Lachen nicht nachvollziehen können, während ich die meisten Witze, die mir erzählt werden nicht verstehe. Manchmal sind die Witzeerzähler:innen etwas fassungslos, wenn ich sie um Erklärung oder Übersetzung bitte. Mir passiert es oft, dass ich das Gesagte wörtlich nehme und die Zwichentöne nicht bemerke. Tröstlich ist daher die Idee, dass wir alle über unterschiedliche Dinge lachen.
  2. Ich wurde geboren in Leipzig, in der DDR, einem Land, welches wie Atlantis in der Zeit verschwunden ist. Manchmal taucht auf dem Fluss der Erinnerung ein Floß auf und trägt mich für einen Moment noch einmal dorthin.
  3. Ich habe das Verschwinden eines Landes von der Landkarte und zwei Währungsreformen erlebt und ich war zum Glück jung und besitzlos genug, um beides unbeschadet zu überstehen.
  4. Obwohl ich einen Ausreiseantrag gestellt hatte, bin ich nie aus Leipzig weggezogen. Meine Eltern waren schneller im Westen und damals fand ich eine Mauer zwischen uns gut, also zog ich meinen Antrag zurück. Inzwischen ist die Mauer weg, aber das ist eine andere Geschichte.
  5. Als Kind wurde ich gefragt: was willst du werden, wenn du groß bist? Meine Antwort (ich war gerade sehr sauer auf alle): Ärztin, weil ich euch dann alle vergiften kann.
  6. Mit 12 hatte ich alle Bücher der Kinderbibliothek gelesen und erhielt die Erlaubnis, mir Bücher aus der Erwachsenenbibliothek auszuleihen. Das erste was ich mir auslieh waren 3 Bände von Victor Hugo „Die Elenden“.
  7. Ich liebe es Mutter sein, jetzt die Mutter einer erwachsenen Tochter und zu sehen, welche Haken und Finten sie schlägt, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen. Es fällt mir manchmal auch bei ihr sehr schwer, nicht alles besser zu wissen.
  8. Ich halte mich nie an das, was auf der Speisekarte steht. Immer habe ich Sonderwünsche, will etwas verändert haben. Das ist meine Art damit umzugehen, dass ich eigentlich am Liebsten von allem auf der Karte eine Miniportion haben möchte und es mir schwer fällt, mich zu entscheiden.
  9. Im Sommer, wenn die Tage morgens noch etwas kühler sind und der Wind warm über die Haut streicht, bekomme ich Fernweh. Dann hätte ich gern Flügel und möchte mich vom Wind in die Ferne tragen lassen.
  10. Obwohl ich einen stabilen Freund:innenkreis habe, bin ich ein Sozialmuffel. Meine Freizeit verbringe ich meistens mit mir allein.
  11. Im Eifer einer Diskussion kann ich sehr rechthaberisch sein. Zum Glück fällt es mir nicht schwer, dies später einzugestehen und andere Meinungen gelten zu lassen.
  12. Ich bin im Grunde eine treue Seele, auch wenn ich mich monatelang bei Freund:innen nicht melde, ein Anruf, dass ich gebraucht werde und ich bin da.
  13. Bürokram, wie Anträge und Berichte schreiben, erledige ich am liebsten zu Hause. Da bin ich nicht abgelenkt und arbeite viel schneller.
  14. Der erholsamste Schlaf ist für mich der Schlaf unter freiem Himmel. Ob in der Hängematte oder auf einer Matratze auf dem Balkon, im Schlafsack am Meer.
  15. Nur im Wald schlafen mag ich nicht mehr. Seit ich einen Zeckenkrimi geschrieben habe – da waren die Viecher die Mörder -habe ich Angst vor Zecken.
  16. Ich esse sehr gern, bin da auch sehr probierwillig, aber selbst kochen turnt mich total ab. Da esse ich dann lieber nichts.
  17. Bei jedem Ausflug, jeder Reise suche ich nach ihnen: die außergewöhnlich und vielfältig gestalteten Gullideckel. Sie haben es mir angetan, diese Schönheiten auf die wir achtlos treten.
  18. In den 90er Jahren habe ich in einer Woche alle Startreck Folgen angesehen. Am Wochenende darauf gab es in der Filmbühne Capitol (das Kino gibt es nicht mehr) die lange Startreck-Nacht. Von 17 Uhr bis 9 Uhr am nächsten Morgen habe ich durchgehalten, die letzten beiden Filme habe ich verschlafen.
  19. Ungeduldig bin ich mitunter und manchmal auch ungerecht und meistens sehr direkt, dafür bin ich kein bisschen nachtragend.
  20. Mir ist es wichtig, dass Konflikte angesprochen und geklärt werden, wenn es sein muss, auch mal ergebnisoffen. Schwelende Konflikte sind mir ein Graus.
  21. Meine Maxime als Führungskraft ist Hannah Arends Satz: Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen.
  22. In der Natur zu sein, auf einem Baumstamm hocken und den Vögeln oder dem Rauschen des Windes zu lauschen, wandern, pilgern, das befriedet und erdet mich und gibt mir Kraft, wenn ich mal wieder am verzweifeln bin.
  23. Als Jugendliche war ich sportlich sehr aktiv: Langstreckenlauf, Diskus, Speer und Kogelstoßen waren meine Disziplinen.
  24. Seit meiner Jugend schnarche ich. Besonders peinlich sind die Momente, in denen ich davon erwache: im Zug, im Kino, im Garten. Als ich 18 war, schlief ich bei einem Freund (ein Leipziger Künstler) auf der Couch ein. Er spielte mit Leipzigs damaligem Edelpunk Schach. Ich wurde wach als der eine zum anderen sagte: „Mensch, die sägt ja was zusammen.“ Ich habe mindestens noch eine Stunde so getan, als würde ich schlafen. 
  25. Bis ich Therapeutin und Coach wurde, habe ich einen Umweg genommen, aber immer hatte das, was ich beruflich machte, mit Menschen zu tun. Im ersten Beruf war ich Fotografin, dann Texterin und Interviewerin, habe Radio mit Kindern und Jugendlichen gemacht, ehrenamtlich das soziokulturelle Zentrum Werk II geleitet, bis ich 2001 in die Kinder- und Jugendhilfe wechselte.  
  26. In mir steckt ein Feuerteufel. Lädt jemand zum „Lagerfeuer“, lasse ich alles stehen und liegen und eile ans Feuer. Da ist es mir auch egal, ob es Sommer oder Winter ist, Hauptsache Feuer.
  27. Mein Sternzeichen ist Fische, das Sternbild: zwei Fische die in entgegengesetzte Richtungen schwimmen. Das passt.
  28. Ich liebe salzige Karamelschokolade und kaue gern Ingwer.
  29. Sport ist für mich heute eher eine Vernunftsache. Im Garten buddeln, Wände streichen macht mir viel mehr Freude. Aber täglich gehe ich mindestens eine halbe Stunde spazieren. Ist auch Bewegung und tut mir gut.
  30. Als ich zum ersten Mal „Lara Croft“ gesehen habe, wollte ich sein wie sie: cool, schön, in der Lage sich selbst zu verteidigen, reich genug um ihr Leben der Archäologie zu widmen. Eine Zeit lang habe ich überlegt, ob ich mich bei Mixed Martial Arts anmelde, aber dafür war ich dann doch zu feige.
  31. Meine Lieblingsessen: Kohlrouladen mit Kartoffelbrei und Rumpsteak mit Salat. Letzteres am liebsten in der Gaststätte Löwenhof in Nonnweiler, Saarland.
  32. Schon als Kind habe ich gern Geschichten und Gedichte geschrieben. Mein erster „Roman“ war ein Schulbank-SiFi-Roman. Heißt im Unterricht auf einen A5 Block geschrieben, wanderten die Zettel durch die Bankreihen. Meine Mitschüler:innen wollten immer mehr davon. Angeregt wurde ich von den Bildern des Leipziger Malers Peter Sylvester, die ich als Poster in meinem Kinderzimmer hängen hatte. Bisher übrigens mein einziger Roman, den ich zu Ende geschrieben habe.
  33. Am 20.11.2007 habe ich den ersten Beitrag – KINDERLIEDER – auf diesem Blog gepostet. Ursprünglich war er dafür gedacht, meine Texte zu veröffentlichen. Geschrieben habe ich immer, zu wenig für einen Verlag, zu viel, um es in der Schublade verstauben zu lassen. 
  34. Meine Kindheit war geprägt von vielen Herausforderungen. Verlust von geliebten Menschen, physischer, sexueller und psychischer Gewalt und was mich für viele Jahre hoffnungslos machte, ließ mich gleichzeitig zu der Frau werden, die ich heute bin. Eine Kämpfernatur, die das Leben in allen Facetten liebt, mit einem reichen Erfahrungsschatz und viel Freude an kleinen und großen Momenten. Und wenn mal wieder alles grau ist, weiß ich: jeder Sturm zieht vorbei. Manchmal muss ich danach eben aufräumen und neu beginnen. 
  35. Ich liebe es Neues zu entdecken und erkunden. Ich baue gern auf, aber wenn es dann läuft, langweile ich mich schnell. Eine Freundin sagte mal zu mir „Die Mühen der Ebene sind nicht so deins!“ Dem kann ich nur zustimmen und richte mein Leben danach aus.
  36. Ich bin seit 2008 in der Autorinnenvereinigung aktives Mitglied. Erst war ich für den Newsletter zuständig, seit 2018 betreue ich mit meiner Kollegin Rea Gorgon die inhaltliche Bestückung der Webseite.
  37. Bücher schreiben wollte ich schon immer, geworden sind es bisher Gedichte, Kurzgeschichten, Zeitungsartikel, Essays. Aktuell arbeite ich an einem Fantasieroman für Kinder zwischen 10 und 14 und an einem Sachbuch über das gute Leben trotz Herausforderungen.
  38. Vor ein paar Jahren fragte mich eine Therapeutin, ob ich schon mal etwas von Hochsensibilität gehört habe. Hatte ich, aber ich fand es irgendwie so ätherisch abgehoben. Inzwischen weiß ich, dass ich eine Scannerpersönlichkeit vom Typ zyklischer Scanner bin. Das heißt, ich weiß, was ich am liebsten mache, aber nach einer Weile lasse ich es wieder. Ich kann mich aber darauf verlassen, dass ich immer wieder zu den Dingen zurückkehre und weiter daran arbeite. Meine mir wichtigen Projekte dauern so manchmal Jahre, bis sie abgeschlossen sind, aber ich kann darauf vertrauen, dass ich sie abschließe.
  39. Meine Werte, woran orientiere ich mich im Leben? Authentizität, Achtsamkeit, Liebe, Wachstum, Entwicklung, Geborgenheit, Freiheit, Leichtigkeit und Freude.
  40. Ich liebe Fantasie in jeglicher Form – als Film, Comic, Buch oder als Idee. Ich liebe Happy Ends und stehe dazu. Früher habe ich mich dafür geschämt, heute weiß ich, dass ein Happy End gut für mein Seelenheil ist, es befriedet ein wenig von dem, was ich als Kind vermisste. Im Therapiesprech heißt das übrigens „Nachnähren“.
  41. Egal wohin die Reise geht, alte Steine sind für mich eine Art Reiseführer. Ob Steinkreis, Wall oder verfallende Burgen und Schlösser in ihrem Schatten atme ich Vergangenheit und bin immer auf der Suche nach dem Tor in die Anderwelt
  42. Meine erste Schallplatte kaufte ich Anfang der 80er Jahre vom Taschengeld. Es war eine Eternascheibe (VEB Deutsche Schallplatten Berlin) mit Orgelkonzerten von Bach. Damit habe ich meine Familie in den Wahnsinn getrieben.
  43. In jungen Jahren war ich sehr umzugswütig. Wobei das zugegebener Maßen nicht immer freiwillig war. Mit 18 Jahren, unverheiratet und ohne Kind stand mir kein Wohnraum zu. Zu Hause wohnen wollte ich nicht mehr, also wurde ich Hausbesetzerin. In den letzten Jahren bin ich seßhaft geworden. Seit 18 Jahren wohne ich in meiner derzeitigen Wohnung. Trotzdem: einmal umziehen und es wird mein 40. Umzug sein. 
  44. Ich bin gern mit Menschen zusammen die ich mag und deshalb bin ich auch gern mit mir zusammen.
  45. Vor meinem 40. Geburtstag konnte ich mir nicht vorstellen Oma zu sein. Jetzt liebe ich es Zeit mit meiner Enkeline Momo zu verbringen. Ich lasse mich in den Stunden mit ihr von ihr führen: in den Sandkasten, aufs Trampolin, vor den Fernseher (Der kleine Maulwurf ist gerade angesagt), vors Bücherregal. Sie ist die Bestimmerin und ich halte den Rahmen.
  46. Den Rahmen halte ich auch in den Therapien und Coachings. Das war ein langer Weg dahin, weil ich zu Beginn meiner Laufbahn dachte, ich müsse die Probleme der anderen lösen. Bis ich irgendwann verstand: das kann ich nicht und wenn ich das glaube, leide ich an massiver Selbstüberschätzung und unterschätze meine Klient:innen.
  47. Ich mag Blumen und Zweige in meiner Wohnung, aber noch lieber mag ich sie in der Natur, wo sie im eigenen Rhythmus blühen und welken. Deshalb trifft man mich im Sommer häufig in Gartenanlagen beim Spaziergang.
  48.  Meine Lieblingswörter: trotzdem, zauberhaft, wunderbar, dennoch und bemerkenswert.
  49. Ich habe keine Angst vor dem Altwerden, weil es noch so vieles zu entdecken, erkunden und lernen gibt. Wenn ich etwas am Leben wirklich blöd finde, dann die Tatsache, dass ich mich immer entscheiden muss. Ein Leben reicht nicht aus, um alles kennenzulernen und auszuprobieren, was mich interessiert. 
  50. Schon sehr früh wollte ich Künstlerin werden, alles hat mich fasziniert: Malerei, Literatur, Fotografie, Bildhauerei. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich dafür zu feige war. Ich habe es lange darauf geschoben, zu Hause nicht gefördert worden zu sein, aber es war letztendlich mein Sicherheitsbedürfnis. Von Kunst leben zu können, habe ich mir nicht zugetraut.
  51. Das Schreibhaus von Virginia Woolf zu besuchen, war einer der beeindruckendsten Momente meines Lebens. So ein verzauberter und friedlicher Ort. Seitdem träume ich von einem eigenen Schreibhaus.
  52. In Krisensituationen und wenn mir Ungerechtigkeiten begegnen, laufe ich zu Höchstform auf.
  53. Meine Stärken sind unaufgeregtes Analysieren, Reflektieren, Zuhören und Spiegeln.
  54. Meine Schwächen sind Ungeduld, ich kann (noch) nicht mit Geld umgehen, alles vom Leben zu wollen.
  55. In den Jahren 1987-1991 habe ich vom Nähen (Lederröcke und Jacken aus Bettlaken) und vom Modellstehen für Leipziger Maler gelebt.
  56. Zu meiner ersten offiziellen Lyrik-Lesung wurde ich 1985 zur Leipziger Bereitschaftspolizei eingeladen. Mein damaliger Freund leistete dort seinen Armeedienst als Kulturorganisator. Im Anschluss zeigten mir die Soldaten ihre Spinde und erzählten von ihren Freundinnen.
  57. Meine Tochter war schon als Kind so Tierlieb, dass sie sogar Flurfliegen retten wollte. Wir lebten viele Jahre mit einem Kleintierzoo im Kinderzimmer: Hasen, Meerschweinchen, Vögel, Mäuse.
  58. Nach dem Meyers Brigg Persönlichkeitstest bin ich eine Aktivistin. Nach dem DISG-Modell überwiegen bei mir Dominanz und Initiative.

Alte Steine sind für mich die Verbindung zwischen dem Hier und der Anderwelt.

Eine alte Chinesin sagte mir einmal ich hätte zuviel Feuer in mir. Als Feuerpferd nicht verwunderlich.

Gullideckel. In den Boden eingelassen, laufen wir oft achtlos darüber. Dabei sind es manchmal echte Schönheiten.