alltag anders

22. März 2020 um 16:17 Uhr

hüpf mein herz
und sing mit mir
hilf laut der hoffnung tönen

die kinder am fenster
sie hocken
sie bocken
und schreien und weinen
das eine sehnt sich
das andere kneift sich
das dritte zertritt sein spiel
und eines ganz still in der ecke
reißt sich die haare vom kopf

doch die Straße bleibt leer
blühende magnolien
welkende narzissen
sie neigen wie zum gruß die köpfe im wind
ein streunender fuchs streift
über den asphalt
auf dem die kreidestriche langsam verblassen
himmel und hölle sprangen wir gestern

hüpf mein herz
hör nicht auf zu singen
gib mir die kraft für das hütende tun

den kindern reich ich die hände
sie fragen
sie sagen
und sie spielen und kreischen
das eine nimmt pappe
das andere stifte und kleister
ein drittes packt glitzer darauf
und eines ganz still in der küche
backt kekse für die pause mit mir

so neigt sich der tag
wir bauten ein haus im haus
darin ruhe zu finden
und nähe
und eine ahnung von geborgenheit
die kinder ruhig atmen
wenn der Mond die kahlen stellen
ihrer köpfe bescheint

hüpf mein herz
zum mond und zurück
und trag mein lied
zu den meinen
die fern von mir schlafen
in einem bunten haus im haus

© Sylvia Tornau

Anegregt von den Autorinnen Rea Gorgon und Cornelia Becker auch von mir ein Nachtrag zum Welttag der Poesie 2020

Mein Dank gilt all meinen Kolleg*innen, die jeden Tag an der Seite der von uns betreuten Kinder stehen. Auch Ihr seit Heldinn*en


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Stille Nacht

22. Dezember 2017 um 00:48 Uhr

Im Licht der Laterne

Kalte Flocken tanzen

Von fern die Glocken seufzen

Vom unbefleckten Kind

Die Alten beten

Die Kinder schweigen.

Im jubilierenden Licht

Ein Engel fällt

Weich legt sich Weiß auf Weiß

In heißen Öfen brät nacktes Getier

Die Alten lachen

Die Kinder streiten.

Im Licht der Laterne

Pinkelt ein Hund

Gelbe Sterne ins makellose Weich

Das letzte Wort bleibt ungesprochen

Die Kinder singen

Die Alten schweigen.


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Harte Arbeit

18. November 2015 um 14:56 Uhr

Allmorgendlich
quäle ich mich
Stück für Stück
aus der Versunkenheit
im weltfreien Nachtraum.
Allmorgendlich
ziehe ich mich
aus der Umklammerung
watteschwerer Gedankenlosigkeit.
Allmorgendlich
hole ich mich
aus der Geborgenheit des Schlafes
zurück in die Wirklichkeiten
eines neuen Tages.

 

Allmorgendlich
sage ich nach vollbrachter Arbeit
Ja. Ja zu mir.
Ja zu diesem neuen Tag.
Ja zu allem, was dieser Tag mir offenbart.

 


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Erwachen

19. Juni 2014 um 02:05 Uhr

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Im Augenaufschlag zwischen
Zwei Sternen glimmt Hoffnung
Vor dem Tag
Traumgleich öffnet sich ein
Tor zum Licht
Der Blinde tanzt
Im Gesang der Tauben Flügelschlag
Der Morgen wirbelt
farbenreich ins Neue.


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Sommerregen

4. August 2013 um 21:20 Uhr

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Verstaubte Erinnerungen
Abgespült die Hitze
Die Träume vergangener Tage
Neigen sich dem Ende
Verloren im Nass
Die Hoffnung auf Vergangenes
Abgestreift die Tränen
Morgen glänzt
Sattes Grün macht Lust
Der Tag endet mit Wolkentränen
Die Erfahrung lehrt Wachstum.
Frische Triebe
Emporgespült
Unbändig
Leben.


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Zwischenzeit

5. Juni 2013 um 15:03 Uhr

20130605-145944.jpg
Am Horizont das Segel
Weiß leuchtet Erinnerung
Als die Tage noch Zukunft
Die Abende warm
Der Herzschlag schnell.

Meerblau färbt der Blick
Die ruhige See
Am Ufer ein Fischskelett
Zwischen Tang und Steinen
Sand rieselt Zeit.

Am Horizont das Boot
Holt die Segel ein
Eine Möwe kackt Träume
Über den Türmen der Strandburg
Weht die Fahne des Abschieds.


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Strömungen

3. Juni 2013 um 19:14 Uhr

20130603-191401.jpg
Vertraute Wege neu entdecken
Sonne beißt in Grün
Die Wipfel wiegen
Im Takt des Frühlings
Wolken ziehen weiter

Vertraute Wege neu beschreiten
Wind peitscht Wellen
Der Strand liegt bloß
Im Rausch des Blütenduftes
Vögel ziehen Kreise


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I. W.

30. Mai 2013 um 15:26 Uhr

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Wenn der Hahn kräht
Lässt du dich fallen
In einen letzten Traum
Am Morgen bist du dem Mond nah
Und dein Lächeln
Geht heimwärts

In deinen Augen voller Fragen
Leuchten die Sterne
Deren Flugweg du erkundest
Am Mittag sind Lösungen noch fern
Und dein Lächeln
Hängt windschief

Die Schritte verlangsamt
Dem Ruf des Kuckucks folgend
Zählst du Grashalme und Steine
Am Nachmittag ist Erntezeit
Und dein Lächeln
Leuchtet den Raps an

Das Tagwerk vollendet
Arme und Beine ermattet
Deckst du vergnügt den Tisch
Am Abend wird dein Tag lang
Und dein Lächeln
Macht mich froh


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Aus der Tiefe

21. Mai 2013 um 18:56 Uhr

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Durch die Falltür
Falscher Versprechen
Auf den Boden
Der Realität gestoßen.

Auf meiner Haut
Perlt der Tau des Morgen
Durch das Gitter
Klingt noch das Lied
Der vergangenen Sternennacht.


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wund

22. Februar 2013 um 01:28 Uhr

am Flussufer verfangen
lausche ich
auf deinen Flügelschlag
wate dass du wachsam
das Revier umkreist
mit deinem Schnabel
ordnend mir durchs Gefieder streifst
den Fisch für mich teilst.

 

 

 

am Horizont drehst du Pirouetten
dein Gefieder gespreizt für eine
die mit dir fliegen kann
anmutig liegst du im Wind
ziehst ostwärts
suchst  Ufer
ohne verfängliche Schatten
in deren Täuschungen Flügel brechen.


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