„ZwischenLand“ ein Roman von Kathrin Wildenberger

14. Juli 2018 um 20:08 Uhr

In ZwischenLand erzählt Kathrin Wildenberger von einer Zeit in der Träume entstehen und sterben, Hoffnungen ebenso schnell wachsen wie Ängste vor all dem was die Zukunft mit sich bringen wird. Sie erzählt von einer Zeit, in der eben noch gefeierte Revolutionäre plötzlich mit leeren Händen dastanden. Sie erzählt von Liebe und Enttäuschung, von Vertrauen und Verrat. Lässt uns teilhaben am politischen Geschehen einer Zeit, die längst vergangen ist und doch Leben prägte. Auch in dieser Zeit wurden Haare gefärbt, Partys gefeiert. Es wurde im Privaten ebenso gestritten, wie im Politischen. Aus einstigen Mitschülern wurden fast über Nacht Nazis. Schwestern veränderten sich, Freundschaften auch. Die eigene Zukunft war trotz allem Beteiligt-sein ein klein wenig wichtiger, als das politische Geschehen. In ihrem neuen Roman lässt uns die Autorin teilhaben am Leben junger Menschen in einer bewegten Zeit. Genauer gesagt handelt der Roman in dem kurzen Zeitfenster von März 1990 bis zum 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Vereinigung

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Schon wieder eine Begegnung mit Hilde Domin…

12. Juli 2018 um 15:00 Uhr

Zeit für mich

Ich renne. Renne. Atemlos renne ich in den Supermarkt, Brot, Butter, Obst kaufen. Renne zurück ins Büro, um den Bericht noch rechtzeitig zum Termin abzugeben. Renne, um die Stapel an Arbeit zu verteilen, Fertiges abzuliefern, noch Benötigtes zu besorgen. Renne Informationen hinterher, renne das sich permanent erneuernde Wissen zu erhaschen. Ich renne um fit zu bleiben, Fett zu verbrennen, den Alterungsprozess hinauszuzögern. Ich renne und renne, bis ich nicht mehr weiß, warum ich renne. Renne trotzdem weiter, automatisch, weil ich nicht anders kann, weil ich mir nicht vorstellen kann nicht mehr zu rennen. Ich renne. Bis zu jenem Moment, an dem ich jeglichen Bezug zum eigenen Handeln, zu den Aufgaben die ich erledigen wollte, zu den Menschen um mich herum verloren habe. Alles um mich scheint stillzustehen, obwohl ich doch sehe, höre, dass da nichts still steht. Um mich herum flirrt, rennt, kreist es in permanenter Bewegung. Ich stehe im still Inneren all dieser Bewegungen, all des Flirrens. Sehe die Schatten der Anderen an mir vorbeirauschen. Es wirbelt, kreist. Ich stehe still im Auge dieses Hurrikans, der Leben heißt. Aus all dem Wirbeln um mich herum löst sich ein Schatten. Steuert auf mich zu, nimmt Gestalt an, zeigt sich mir als ein fünfjähriges Mädchen.
„Willst du mit mir spielen?“ fragt sie und sieht aus weitgeöffneten Augen hoffnungsfroh zu mir auf.

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Kategorie Prosa | Kommentare (0)

Der Meckerer

25. Februar 2018 um 20:04 Uhr

Heute Morgen nach dem Aufwachen meldete er sich wieder. „Na hast du mal wieder deinen Samstag vertrödelt? So wird das nie was mit dir!“ Das ist kurz nach dem Aufwachen genau das was ich brauche, um meinen Tag gut zu beginnen. Einen der mir im Schädel hockt und mir permanent erzählt, was ich alles falsch mache. Was ich sollte, müsste. Mehr Schreiben, mehr Sport, mit dem Rauchen aufhören, früher zu Bett gehen, nicht so lange schlafen, meine Aufgaben pünktlicher, schneller, besser erledigen. Die Steuererklärung nicht immer ein Jahr zu spät abgeben, sparen, schlanker werden und überhaupt soll ich ein viel netterer, besserer Mensch werden.
Das nervt. Das macht mich wütend. Das will ich nicht. Ich weiß selber, dass Rauchen ungesund ist. Ich weiß selber, dass ich nur dann etwas zum Abschluss bringe, wenn ich damit überhaupt erst einmal anfange und mir dann die Zeit nehme, daran kontinuierlich zu arbeiten. Mache ich alles, nur eben nicht so, wie es diese Stimme in mir fordert. Wie bitte soll ich diesem Motzkopf gegenüber netter werden, wenn er mich gleich nach dem Aufwachen derart nervt. Der soll abhauen, sein Spiegelbild anmeckern, seine Weisheiten dem Kuckuck sagen. Blöd nur, dass es ja mein Meckerer ist, der mir da heiße Luft ins Hirn bläst. Es ist eben kein Außenstehender der mich mit seinen Nörgeleien, seinem Jammern zur Weißglut bringt. Das wäre ja aushaltbar, einfach weil ich gelernt habe, mit diesen Menschen meinen Umgang zu finden.

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Autorin sein oder nicht sein

9. Februar 2018 um 12:27 Uhr

Nicht erst seit ich Mitglied in der Autorinnenvereinigung e.V. bin, beschäftigen mich folgende Fragen. Ab wann bin ich eine Autorin? Was macht mich zu einer Autorin?
Mein Schreib-leben lang wollte ich so gern eine Autorin sein. Dabei war mir immer klar, eine Frau die vom Schreiben nur träumt, ist vielleicht eine Träumerin, aber keine Autorin. Heißt, Schreiben als Handlung ist die Grundvoraussetzung. Dachte ich immer und so wird die AutorInnenschaft im gängigen Sprachgebrauch auch verstanden. Laut Wikipedia hat sich der Begriff Autor und das Verständnis davon im Lauf der Geschichte immer wieder gewandelt. Im Mittelalter war nur Autor, wer gleichzeitig Autorität besaß. Seit der Sturm-und-Drang-Zeit galt nur als Autor, wer als Genie anerkannt war. Seit den 60er Jahren, mit Roland Barthes: „Der Tod des Autors“ und Michel Foucalts „Was ist ein Autor“ wird dieses Verständnis infrage gestellt.

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Stille Nacht

22. Dezember 2017 um 00:48 Uhr

Im Licht der Laterne

Kalte Flocken tanzen

Von fern die Glocken seufzen

Vom unbefleckten Kind

Die Alten beten

Die Kinder schweigen.

Im jubilierenden Licht

Ein Engel fällt

Weich legt sich Weiß auf Weiß

In heißen Öfen brät nacktes Getier

Die Alten lachen

Die Kinder streiten.

Im Licht der Laterne

Pinkelt ein Hund

Gelbe Sterne ins makellose Weich

Das letzte Wort bleibt ungesprochen

Die Kinder singen

Die Alten schweigen.

Kategorie Lyrik | Kommentare (0)

Mach mal Pause – Café Hannah lädt ein

27. März 2017 um 19:25 Uhr

Ann E. Hacker: Café Hannah Teil 1 und 2

Wie ließe sich vom Leben und den großen und kleinen Problemen Einzelner und ihrer Verwobenheit miteinander in einer modernen Großstadt besser erzählen, als in einem Episodenroman? Um es vorweg zu nehmen, der Autorin Ann E. Hacker gelingt mit dieser Form des episodischen Erzählens ein Spiegelbild des Großstadtlebens. Eine einzelne Ameise macht keinen Ameisenberg. Aber gäbe es nicht die Anstrengungen der vielen einzelnen Ameisen und das Zusammenspiel ihrer Anstrengungen, gäbe es den Berg nicht. So ist es auch mit dem Leben in unseren Städten. Die einzelne Person mit ihren ureigenen Bemühungen und Verwicklungen charakterisiert das Leben in dieser bestimmten Stadt, in diesem bestimmten Stadtteil erst durch die Interaktionen mit anderen Einzelnen. Erst diese Verwobenheit der Handlungen miteinander lässt aus der Entfernung Rückschlüsse zu über das Leben in der Gemeinschaft. Denn auch in der Gemeinschaft bleibt der Einzelne ein Einzelner, wenn auch ein mit anderen Einzelnen durch Interessen, Gefühle, Handlungen verbundener Einzelner. Ann E. Hacker lässt uns in ihren Romanen teilhaben am Leben ausgewählter Einzelner, in dem sie wie mit der Lupe in den einzelnen Episoden von deren Alltag und Leben erzählt. Ausgangspunkt der Verbindung der Einzelnen ist dabei das in der fiktiven Blumengasse in München gelegene Café Hannah und dessen Namensgeberin Hannah Jensen. Jede der in den beiden Romanen auftauchenden Personen steht in irgendeiner Weise in Verbindung mit Hannah und ihrem Café.

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blogger sessions 17

26. März 2017 um 19:03 Uhr

Buchmesse 2017

Mein ganz persönliches Ergebnis der blogger session 17: zu Hause ankommen, Rechner hochfahren, Impressum -Generator suchen und auf meinem Blog das Impressum und die Datenschutzrichtlinien erneuern. 

Die Vorträge waren insgesamt spannend und anregend, die Bandbreite für mich interessant: neben Presserecht und Datenschutz ging es um Reichweite und Suchmaschinenoptimierung und um die Frage, auf welchen Wegen sich mit dem bloggen Geld verdienen lässt). 

Schöner Nebeneffekt: spannende Pausengespräche und eine Fotoaktion mit der Fotografin Birgit-Cathrin Duval.

Abschied 

22. Oktober 2016 um 22:30 Uhr

Manchmal verlieren wir Menschen die wir lieben, weil sie uns oder wir sie oder wir uns gegenseitig Ent-Täuschen. Beispielsweise, wenn wir uns bewusst werden, dass wir durch Liebe zwar stärker, aber nicht anders werden, nicht besser. Im Grunde sind wir wer wir sind, daran ändert auch die Liebe nichts. Sie ist nur der Motor uns zu verbessern, für den anderen und damit für uns selbst. Manchmal gehen wir, weil wir merken, dass Liebe uns verbindet, aber wir deswegen nicht weniger allein sind. Und manchmal geht einer für immer.

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Heute zum Kindertag

1. Juni 2016 um 22:13 Uhr

Die Wut und die Trauer eines Kindes ist schwer auszuhalten, vor allem dann, wenn klar ist, dass wir Erwachsenen Ursache dieses kindlichen Schmerzes sind. Manchmal bin ich ’nur‘ die Überbringerin der schlechten Nachrichten, aber die Wucht der Verzweiflung des Kindes ist dann das sprichwörtliche Schafott.
Wieder eine Schneiße in eine Kinderseele geschlagen.
Da sind dann auch Kakao und Trickfilm nicht mehr als ein Pseudopflaster auf einer tiefen Wunde. Das Kind schläft ein, für den Augenblick getröstet. Ich straffe die Schultern und denke mir das nächste Pflaster aus. Fürs Kind und für mich.

Text gelesen beim Buchmesse-Lesebrunch in der FraKu am 20.03.2016

17. Mai 2016 um 23:48 Uhr

Begegnungen
Jeden Tag stehe ich in der Mittagsschlange der Cafeteria und treffe dort Kollegen aus anderen Abteilungen. Manche davon habe ich schon eine Weile nicht gesehen. Obwohl ich sie bei solchen Begegnungen erwarten könnte, trifft mich die Frage „Wie geht es Dir?“ jedes Mal unerwartet.
Trifft diese Frage auf mein Ohr, schaltet sich sofort alles Denken und Fühlen in mir ab. Ich stehe wortlos vor dem Fragenden und wenn ich einen guten Tag habe, schaffe ich es, mit den Schultern zu zucken.
Häufiger aber befällt mich eine Agonie.
Ich bin unfähig mich zu bewegen, unfähig auch nur ein Krächzen hervorzubringen.
Meist folgt meinem Schweigen nach wenigen Sekunden ein unverbindliches Schulterklopfen und ein wohlmeinendes „Na wir sehen uns später“ oder eine Überleitung auf das zu erwartende Mittagessen, das schöne oder deprimierende Wetter. Oft huschen die Blicke des Fragenden durch die lange Reihe der Wartenden, auf der Suche nach einem anderen potentiellen Gesprächspartner.

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