Tag 4 – Nachtrag

8. Mai 2014 um 19:59 Uhr

07.05.2014

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Gestern saßen wir auf den Sonnenuntergang wartend, bei einem Glas Wein auf der Terrasse, als sich Dietmar aus Berlin zu uns setzte. Auch er mit dem Wunsch nach Wein und Naturereignis. Es dauerte nicht lange, da waren wir in ein intensives Gespräch vertieft. Dietmar und seinem Freund Osman aus Izmir sind wir vorgestern schon begegnet und haben uns kurz über unsere Inselerlebnisse ausgetauscht. Faszinierend, mit welcher Offenheit sich Menschen auf dieser Insel begegnen. Die beiden sind seit 2 Jahren ein Paar und treffen sich einmal im Monat in Izmir, Berlin oder eben auf einer der griechischen Inseln. Spannend die Diskussion, die zwischen uns entstand. Drei unterschiedliche Meinungen prallten aufeinander: „So könnte ich nicht Beziehung leben“ und „Es ist anstrengend, manchmal traurig, hat aber auch Vorteile“ oder „Bis auf die mit den Reisen verbundenen Kosten, wäre das derzeit die für mich perfekte Beziehungsform“. Ein wunderbarer Abend mit schönen Menschen vor farbenfroher Kulisse.

Tag 4 – Strandspaziergang nach Petra

7. Mai 2014 um 18:21 Uhr

07.05.2014

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Heute war ein Tag der Stille. Kein Stress, keine Vorhaben, kein Müssen oder Wollen. Einfach nur sein. Ha, einfach nur sein… Vor lauter Nichts wurde die eigene Unruhe ganz laut. Still in der Sonne liegen schien fast unmöglich. Etwas krabbelte immer: Ameisen oder Käfer, Sonne oder Wind. Da wendeten und drehten sich zwei auf ihren Decken. lasen, machten die Augen zu, sprangen auf um da einen Kaffee zu kochen, dort einen Schluck Wasser zu trinken. Plötzlich musste das schmutzige Geschirr sofort abgewaschen werden, das duldeet keinen Aufschub.
Zurück auf der Decke den Vögeln zuhören, dem Wind lauschen. Treiben lassen in der Zeit. Den lauter werdenden Gedankenfluss von Sollte, Könnte, Will, Muss und Wollen stoppen. Mich selbst immer wieder daran erinnern: ich bin jetzt hier. Mehr nicht und das ist gut so. Trotzdem, war ich froh, als Ina die mich erlösende Frage stellte: „Wollen wir uns dann vielleicht doch mal bewegen?“
5 km Strandspaziergang nach Petra. Der Strand besteht hier zu weiten Strecken aus Steinen und einem nicht enden wollenden Teppich aus getrockneten Algen. Inas Lust barfuß zu laufen, konnte ich zum Glück damit ausbremsen, dass ich ihr herumliegende Seeigel zeigte. Abgebrochene Seeigelstacheln aus dem Fuß entfernen zu lassen ist äußerst schmerzhaft, daran kann Ina sich gut erinnern :-).
In Petra das Dorf erkundet. Kleine enge Gassen, ein Meer aus Farben: Dächer, Türen, Fensterrahmen und überall prächtige oder zarte Blüten, die sich selbst in der düstersten Ecke ihren Weg bahnen. Ein Fest für Augen und Nase.
Überall im Ort streuende Katzen und Hunde. Was auffällt, die Hunde sehen wesentlich besser aus, meint gesünder, als die Katzen. Wer stehenbleibt wird umschnurrt oder angebellt, auf jeden Fall aber mit bettelnden Augen angesehen. Oder ist das nur eine menschliche Zuschreibung?
Die 114 Stufen zur Felsenkirche sind wir hochgeklettert, aber das werden wir an einem anderen Tag in langen Hosen und Shirts wiederholen. Mit einem Schild wurden wir gebeten, die Tradition zu achten und nur mit bedeckter Haut einzutreten.
Auf der Kaimauer von Petra saßen wir ca. eine Stunden und hörten verzückt die Musik des Meeres: Brandungsrauschen und im Tanz klappernde Steine. Mit von der Party war ein sehr preiswerter, sehr milder und dadurch super leckerer Retzina.
Im übrigen sitzen auch wir gerade klappernd am Tisch: der erste Sonnenbrand sagt Hallo.
Quintessenz des Tages: Zur Ruhe kommen ist verdammt harte Arbeit.

Tag 3 – Ankunft in Anaxos

6. Mai 2014 um 19:00 Uhr

06.05.2014

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Heute morgen gegen fünf saß ich frierend an Deck. Wasser glotzen und Inseln vorüberziehen lassen. Auf so langen Fährtouren kann sogar ich meditieren und jedesmal aufs Neue entsteht der Wunsch: irgendwann mal eine längere Schiffsreise… Träum… Eine Stunde vor Lesbos wachte Ina auf und stellte entsetzt fest, dass wir mit einem türkischen Netz verbunden waren. Wir dachten, das Land welches an uns vorüber zog, sei schon Lesbos, aber es war die Türkei. Eigentlich ist uns erst in diesem Moment bewusst geworden, dass wir uns für unsere erste Griechenlandreise die von Griechenland entfernteste Insel ausgesucht haben. (Inzwischen haben uns verschiedene Levosianer erklärt, dies sei auch die schönste aller griechischen Inseln :-)).
Ankunft gegen 8.00 in Mytilene
der ältesten Hafenstadt in dieser Mittelmeerregion (seit 3000 vor Chr. bekannt). Vollkommen übernächtigt erst einmal Busbahnhof gesucht, Tickets gekauft, Rücksäcke abgelegt und im bezaubernden Fischerhafen ein Frühstück gesucht und gefunden… Traumhaft, beim Frühstücken zwei alten Fischern beim Netze flicken und Boot putzen zugeschaut und den bezaubernden Herrn Stamos Stefanoy kennengelernt. Er sprach sehr gut deutsch – hat in Deutschland Bauingenieur studiert und seine Kinder und Enkel leben in Paderborn. Sein Hobby war / ist Archäologie und seine Tochter ist Archäologin geworden. Er erzählte über die griechische Geschichte, empfahl uns die Lektüre des Historikers Thukydides zum Thema. Herr Stamos gab uns seine Telefonnummer und will uns seine Stadt zeigen. Unbedingt nehmen wir diese Einladung an.
Wir waren nach dem Gespräch ganz euphorisch, in diesen wenigen ersten Stunden begegneten uns so viele freundliche Menschen. Nach ca. 1,5 Stunden abenteuerlicher Busfahrt über sehr sehr schmale Straßen, Kreuzungen an denen nur gehupt wird, um die Fahrt zu erzwingen, kamen wir an der Tankstelle in Petra an. Daneben ein Supermarkt, erster Einkauf und dann die Frage an einen älteren Herren, wo wir denn ein Taxi finden. Er bedeutete uns zu warten (es ist krass, hier sprechen selbst die ganz alten Menschen Englisch – ich erröte kurz und quassel weiter drauf los). Er hatte gerade seinen Kumpel bestellt und sein Ziel war ebenfalls Anaxos in der Nähe von Mithymna (Molyvos). Der Taxifahrer kam, diskutierte nicht, sondern schnallte unsere Rucksäcke aufs Dach und plötzlich teilte der alte Herr mit uns sein Taxi. So etwas haben wir beide in Deutschland noch nicht erlebt.
Außer einem kurzen Spaziergang und ganz verliebt in die Insel sein, passierte heut nichts weiter, oder doch: der Taxifahrer erteilte uns griechisch Unterricht, Ina zauberte lecker Salat und jetzt gerade geht die Sonne unter 🙂

Tag 2 – von Berlin nach Athen

um 17:51 Uhr

05.05.2014

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3.40 Uhr vom Gesang der Amsel geweckt – eine von uns nennt es zu dieser Tageszeit Gebrüll, begannen wir den Tag mit Katzenwäsche, schnellem Kaffee und Frost von der Frontscheibe kratzen. Zum Fliegen mit Easyjet muss ich ja nix sagen, alles wie gehabt souverän und unfreundlich (also einige Mitarbeiter).
Schon beim Anflug auf Athen war ich froh, dass wir in dieser Betonwüste nur ein paar Stunden verbringen, trotz (erstmal) herrlichstem Sonnenschein und 23 Grad…
Athen ist ein Moloch, wir haben mit dem Bus vom Flughafen bis zum Fährhafen Piräus 1,5 Stunden gebraucht und hatten zwei gräuliche deutsche Frauen an der Seite, die sich lautstark darüber freuten, dass die Straßen so sauber und die Häuser so neu sind, was ja auch kein Wunder sei, bei dem vielen deutschen Geld… Ich war genervt, ganz kurz und konnte mir den Kommentar nicht verkneifen, dass die Griechen den Deutschen schließlich nach dem Krieg ebenfalls die Entschuldung ermöglicht haben…
Am Hafen Tickets holen, Gepäck abgeben bei einem jungen Mann im Internetcafé, der sich auf sehr freundliche aber entschiedene Weise über unsere Versuche englisch zu kommunizieren schlapp lachte. U-Bahn suchen und mit Hilfe eines MP bewaffneten Soldaten finden – das war Inas Idee, sie wollte unbedingt einen ansprechen :-).
Was tun, wenn 7 Stunden Zeit in Athen? Greek-Coffee und Tauben ärgern, räudige Katzen und Hunde bedauern, die allesamt diesen Nimm-Mich-Mit-Blick draufhaben. Müssen wir hart bleiben, was schwer ist, weil die Tiere laufen uns hinterher und Ina gibt ihnen Namen. Schick du doch mal eine Gina weg…
Jedenfalls sind wir die komplette Tourimeile abgelaufen, inklusive uralte Göttersteine glotzen… Ein sehr erhebendes Gefühl.
Der Himmel dunkelte und während eines kurzen aber heftigen Regengusses gab es den ersten kleinen Ouzo. Ich fürchte, diesem folgen noch Diverse, schließlich wurde das Zeug auf Lesbos erfunden oder wenigstens stammen die besten Ouzo von dort und es gibt 30 verschiedene Marken :-)…
Gegen 19.30 Uhr fanden wir im Hafen von Piräus unsere Fähre, bezogen unsere Sparsessel – dank Ina, die sich auch in diesem Urlaub wieder als Top-Reiseorganisatorin erweist – mit super Fensterblick. Jedenfalls weiß ich nicht, wie Ina das macht, sie kann in jeder Reiseposition schlafen, egal ob Flieger, Sessel oder Bus. Ich trank die gesamten Kaffeevorräte der Schiffsbar weg und ließ mich durch die Nacht schaukeln.

Tag 1 – von Leipzig nach Berlin

um 17:16 Uhr

04.05.2014

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Gestern Abend 17 Uhr begann unser zweiter gemeinsamer Urlaub. Ziel in diesem Jahr ist Griechenland, die Insel Lesbos.
Inas Berliner Bruder Karsten und seine Frau Kerstin stellten uns freundlicherweise ihre Gästezimmer zur Verfügung, damit wir am Montag morgen etwas länger schlafen konnten. Die beiden Söhne (12 und 18) unserer Gastgeber ließen die Fragen der beiden Tanten nach Schule, Hobbys und Zukunftsideen über sich ergehen – was hatten sie auch für eine Chance – wir saßen gemeinsam beim Abendessen und die beiden hatten Hunger. Gesättigt verkrümelten sie sich schnell in ihre Zimmer. Für uns gab es vor dem Schlafengehen lecker Whisky und ein wenig Fachsimpelei über eine Grafikmappe. Danke für Essen, Bett und den angenehmen Abend.