alltag anders

22. März 2020 um 16:17 Uhr

hüpf mein herz
und sing mit mir
hilf laut der hoffnung tönen

die kinder am fenster
sie hocken
sie bocken
und schreien und weinen
das eine sehnt sich
das andere kneift sich
das dritte zertritt sein spiel
und eines ganz still in der ecke
reißt sich die haare vom kopf

doch die Straße bleibt leer
blühende magnolien
welkende narzissen
sie neigen wie zum gruß die köpfe im wind
ein streunender fuchs streift
über den asphalt
auf dem die kreidestriche langsam verblassen
himmel und hölle sprangen wir gestern

hüpf mein herz
hör nicht auf zu singen
gib mir die kraft für das hütende tun

den kindern reich ich die hände
sie fragen
sie sagen
und sie spielen und kreischen
das eine nimmt pappe
das andere stifte und kleister
ein drittes packt glitzer darauf
und eines ganz still in der küche
backt kekse für die pause mit mir

so neigt sich der tag
wir bauten ein haus im haus
darin ruhe zu finden
und nähe
und eine ahnung von geborgenheit
die kinder ruhig atmen
wenn der Mond die kahlen stellen
ihrer köpfe bescheint

hüpf mein herz
zum mond und zurück
und trag mein lied
zu den meinen
die fern von mir schlafen
in einem bunten haus im haus

© Sylvia Tornau

Anegregt von den Autorinnen Rea Gorgon und Cornelia Becker auch von mir ein Nachtrag zum Welttag der Poesie 2020

Mein Dank gilt all meinen Kolleg*innen, die jeden Tag an der Seite der von uns betreuten Kinder stehen. Auch Ihr seit Heldinn*en

Plötzlich Oma

10. März 2019 um 12:28 Uhr

Nach einer Woche Pilgern auf dem Jacobsweg, Santiago de Compostela hatten wir verlassen, um am Kap Finisterre – übersetzt ‚am Ende der Erde‘, in der Realität am Ende des Pilgerweges – noch zwei erholsame Tage am Meer zu erleben. Abends wollten wir uns den Sonnenuntergang vom Kap aus ansehen und unsere Reise mit einem Sekt beenden. Der Nachmittag war jung und so war zum Kap vorgelaufen, um mich zu sonnen und ein Foto vom Kilometerstein 0 zu schießen. Das Café am Rand der Klippe lockte mit Windschatten und süßen Düften. Ich hatte mir gerade einen Kaffee bestellt, als mein Handy vibrierte. Eine Nachricht von meiner Tochter. Kein Text, nur ein Foto. Das erste Ultraschallbild meines werdenden Enkelkindes. So saß ich am Kap Finisterre, das Gesicht in der Sonne und heulte hemmungslos vor Freude. Am Ende der Erde, eröffnete sich meinem Leben einen neue Perspektive.

Weiterlesen »

Genug davon.

5. September 2018 um 02:22 Uhr

Etwas an der Dresden / Chemnitz – Debatte finde ich irritierend. Es sind die Diskussionen darüber, ob die Menschen, die in Dresden /Chemnitz in den vergangenen Wochen demonstrierten, nun Rechte und Nazis waren, oder nicht. Zu welcher Bevölkerungsgruppe die rassistisch besorgten BürgerInnen denn nun gehören? Sind sie Rechte oder Nazis oder was sind sie. Sie brüllen „absaufen“ und „Deutschland den Deutschen“, sie klatschen zu rassistischen Sprüchen, aber sie wollen keine Rechten sein. Was soll das? Sollen wir künftig von den Chemnitzer Ausländerfeinden sprechen? Klingt vielleicht niedlicher, harmloser als Nazi und Rassist. Warum steht ihr nicht einfach zu dem, was ihr tut? Oder gehört das zu den Verwirrspielen eurer intellektuellen Faktenverdreher?

Weiterlesen »

#ichtraumich – Tag 29

30. Januar 2018 um 07:55 Uhr

Aufgabe: Ebook vs. Printausgabe. Welches Format bevorzugst du und warum?

Ich lese gern in beiden Formaten. An Printausgaben mag ich das Haptische. Ein Buch im wahrsten Sinn des Wortes begreifen zu können ist mitunter pure Freude. Der Geruch, das Papier, das Rascheln beim umblättern, das möchte ich nicht missen. Allerdings ist der Platz auch in meinen Bücherregalen begrenzt, deswegen lese ich inzwischen vor allem Krimis und Fachliteratur als Ebook. Auch für Urlaubsreisen ist das Ebook mein Favorit. So kann ich viele Bücher mitnehmen und der Rucksack bleibt trotzdem leicht.

#ichtraumich – Tag 14

14. Januar 2018 um 14:41 Uhr

Aufgabe: Zeig uns Deinen SUB!

Wieder etwas gelernt. SUB heißt Stapel ungelesener Bücher 🙂

Nadia Murad: Ich bin Eure Stimme

Jenny Erpenbeck: Gehen, Ging, Gegangen

Baudelaire: Die Stimme des Bösen

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims

Maxie Wander: Tagebücher und Briefe

Marion Tauschwitz: Hilde Domin

Odile Kennel: Was Ida sagt

Ulrike Bail: sterbezettel

Claudia Breitsprecher: Hinter dem Schein die Wahrheit

Ursula Maria Wartmann: Rückkehr der Träume

Dittmar Lauer: Hexenverfolgung im Hochwald

Thomas Schöne: Tatort Himmelsscheibe

Rainer Vollkommer: Das römische Weltreich

Gerald Hüter: Biologie der Angst

Peter A. Levine: Trauma und Gedächtnis

#ichtraumich – Tag 13

13. Januar 2018 um 14:17 Uhr

Aufgabe: Welches Buch liest Du gerade? Mein Leseverhalten hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert. Früher bin ich aus der realen Welt in die Geschichten und Romane die ich las geflüchtet. Fachbücher habe ich immer dann gelesen, wenn es für Studium oder Ausbildung notwendig war. Die prozentuale Verteilung lag ungefähr bei 90/10. Heute lese weitaus mehr Fachbücher und weniger Geschichten und Romane. Bevorzugt lese ich derzeit Biografien und Briefwechsel, was jedes mal einen kurzen Moment des Bedauerns in mir auslöst, dass es diese Form der Kommunikation heute kaum noch gibt, ich sie kaum noch nutze. Meist liegen in meiner Wohnung 2-3 angefangene Bücher und ich entscheide nach den Energiereserven des Tages. Kann ich noch denken und mich auseinandersetzen, greife ich zum Fachbuch. Möchte ich der realen Welt entfliehen, lese ich fiktionale Literatur. Habe ich Sehnsucht nach Sprachkunst, lasse ich mich von Gedichten verführen. Derzeit lese ich zwei Bücher. Den Roman ‚Königin der Nacht‘ von Bille Haag und das Fachbuch ‚Verkörperter Schrecken – Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann‘ von Bessel van der Kolk. Aktuell faszinieren mich die Gedichte von Lütfiye Güzel.