Vortrag

Mit diesem Vortrag will ich einen kurzen Einblick geben in die Vielfalt der Literatur und der Möglichkeiten, sich mit dem Thema inneres Kind zu beschäftigen.

Parabel (entnommen: Bradshaw, J.; 2000; S. 19/20)
Auch wenn wir von den Fehlern wissen, wiederholen wir die Fehler, solange wir nicht daran glauben, selbst irgendetwas Wirksames dagegen unternehmen zu können und auf Erlösung / bessere Umstände von außen warten

Wie habe ich mich dem Thema genähert

  • ursprüngliche Ablehnung, wenn Freundinnen von ihren inneren Kindern erzählten
  • Konfrontation in Therapie mit dem eigenen traurigen Selbst, das sich sehr alt bzw. ganz jung anfühlte
  • Zugang zum Thema gefunden über das Buch -Ich liebe mich – ich hasse mich- von George R. Bach und Laura Torbet und über die Gespräche mit dem Leipziger Schauspieler Thomas Dehler während der Theaterproben zu dem Stück -Gier- von Sarah Kane
  • Im Rahmen der Beschäftigung mit dem Thema, habe ich herausgefunden, dass es mir schwer fällt, mich auf die Bezeichnung -inneres Kind- einzulassen, weil -Kind- in Bezug auf die eigene Person von mir als – schwach, dumm, hilflos, abhängig – interpretiert wird, alles Zustände / Gefühle, die ich, weil sie in meiner Kindheit so übermächtig waren, für mich abgelehnt habe.

-Wenn der Ausdruck -Inneres Kind- zu befremdlich erscheint: es ist nur ein symbolhafter Name. Es geht um das freie Fließen der seelischen Energie zwischen allen psychischen Instanzen – um -Kontakt- zu allen seinen inneren Teilen.- (Bartning, P.; Arbeitspapier)

  • Leichter fällt es mir, mich mit dem -bösen Ich-, dem -inneren Richter-, den -inneren Blockaden- auseinanderzusetzen. Die sind eher intellektuell erfassbar für mich und nicht gleich mit negativen Gefühlen behaftet.
  • Internetrecherche, Literatursuche und das -Aha-Erlebnis-, dass egal wie ich es benenne, all diesen Büchern ein gemeinsames Thema zugrunde liegt.

Was ist das Verbindende, zugrundeliegende Thema?
Wir alle kennen das Gefühl, welches Goethe seinen Faust benennen lässt: -Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust- (Goethe, J.W.)

Die Psyche besteht aus verschiedenen -Teilen-. Viele Menschen kennen dies anhand verschiedener Stimmen in sich, wenn sie sich mit einem Thema, einem Menschen auseinandersetzen.

-Mein Verstand sagt mir,… aber mein Gefühl sagt etwas anderes.- (Bartning, P.; Arbeitspapier)

Es gibt Blockierungen / Konditionierungen / Mangelerscheinungen / Verletzungen in der Seele, die alle in irgendeiner Weise mit Erlebnissen in der Kindheit zu tun haben und die verhindern, dass wir uns -Ganz-, -Anwesend- -Angenommen- und -Geliebt- fühlen und in der Lage sind unsere Bedürfnisse wahrzunehmen, und dafür zu sorgen, dass sie erfüllt werden.

die Probleme:

  • Einsamkeit / Isolation
  • innere Leere
  • Beziehungsstörungen bis hin zu Beziehungsunfähigkeit
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • aus den Problemen resultierende psychosomatische Störungen
  • das Gefühl nichts rechtes zustande zu bringen

individuelle Problemlösungsversuche (Bsp.):

  • Vermeidung von negativen Gefühlen, z.B. durch -Abschneiden- der Gefühle und damit Verlust von Selbstbezug (ich kann nicht fühlen, was du mir antust und nehme dafür in Kauf, mich nicht mehr fühlen zu können, also nicht mehr spüren zu können, wer ich bin, was ich will, was ich empfinde)
  • Betäubung negativer Gefühle durch Süchte (Alkohol, Essen, Drogen, Zigaretten, Macht, Sex, Medien, Arbeit etc.)

Warum kann es notwendig und für die Persönlichkeitsentwicklung wichtig sein, sich mit dem Inneren Kind zu beschäftigen? Anders gefragt: Was kann die Beschäftigung mit dem inneren Kind bringen?

-Wir können andere nicht mehr lieben als uns selbst, und wir können die Liebe anderer nicht annehmen, wenn wir uns selbst nicht lieben können.- (Chopich, E.; Paul, M.; 2004; S. 10)

Im Wesentlichen geht es

  • darum, sich der Verletzung und den schmerzhaften Gefühlen zu stellen, sich selbst gegenüber die -Elternrolle- zu übernehmen und aufzuhören, darauf zu hoffen, dass andere z.B. PartnerIn, ChefIn, FreundIn, TherapeutIn diese Rolle übernehmen.
  • darum, jetzt und heute damit zu beginnen, die Verantwortung für die Befriedigung der (Ego)Bedürfnisse selbst zu übernehmen.
  • um Trauerarbeit
  • darum das Selbst zu entdecken / stärken / freilassen
  • um Veränderung verinnerlichter Muster und Strukturen – was mich früher schützte, kann heute lebensverhindernd sein

Eins fühlen wir uns dann, wenn diese inneren Anteile in uns sich einig sind, in eine Richtung streben, wir uns mit uns selbst als -harmonisch- beschreiben würden.

-Ich beschäftigte mich zuerst mit den Arbeiten von Eric Berne, dem schöpferischen Genius der Transaktionsanalyse. Die Theorien der T.A. betonen den >Zustand des kindlichen Ichs<, der sich auf das spontane, natürliche Kind bezieht, das wir alle einmal waren. Die Transaktionsanalyse beschreibt außerdem die Art und Weise, wie sich das natürliche Kind an den Druck und den Streß der ersten Jahre in der Familie angepaßt hat. Das natürliche oder göttliche Kind kommt zum Vorschein, wenn Sie einen alten Freund treffen, wenn Sie von Herzen lachen, wenn Sie kreativ und spontan sind, oder wenn Sie staunend vor etwas Wunderbarem stehen. Das angepaßte oder verletzte Kind zeigt sich, wenn Sie sich entweder weigern, eine rote Ampel zu beachten, obwohl sie offensichtlich kaputt ist, oder über eine rote Ampel fahren, weil niemand Sie sehen kann und Sie glauben, daß Sie damit durchkommen. Zu weiteren Verhaltensweisen des verletzten Kindes zählen Wutanfälle, übertriebene Höflichkeit und übermäßiger Gehorsam, die Verwendung von Kindersprache, das Manipulieren und Schmollen.- (Bradshaw, J.; 2000; S. 14)

Welche therapeutischen Methoden werden in der Arbeit mit dem -inneren Kind-, dem -inneren Richter-, den -inneren Stimmen-, den verschiedenen -inneren Persönlichkeiten- angewendet?

  • Briefe schreiben
  • Tagebuch schreiben
  • Meditationen
  • Innere Dialoge notieren
  • Listen führen
  • Träume aufschreiben und analysieren
  • Fragebögen ausfüllen
  • Rollenspiele in Gruppen oder mit FreundInnen
  • Imaginationen

Was hat mich bei der Beschäftigung mit dem Thema gestört, ist mir schwer gefallen?

  • siehe oben: die Bezeichnung -inneres Kind-
  • die einzelnen AutorInnen klingen teilweise wie die -Wunderheiler- – Gabriele und Beate nannten dies in einem Autogespräch einmal -die amerikanische Sprache-
  • zu viel Esoterikecke – hat etwas mit meiner Ablehnung gegenüber -Wundern- zu tun
  • am Ende steht bei fast allen AutorInnen das -Heilungsversprechen- – ich muss nur die ßbungen so befolgen, wie sie beschrieben sind, dann ich frei für immer
  • die Bewertungen; bei einigen muß ich -soweit sein-, denn wenn ich die ßbungen ablehne, dann bin ich eben noch nicht -so weit-…
  • philosophisch gesehen liegt für mich auch die Gefahr darin, aus gesellschaftlichen Themen – Mißhandlungen, Mißbrauch – wieder individuelle Themen zu machen… -ist ja schlimm, was dir passiert ist, aber da kann dir keiner helfen, hilf dir selbst oder geh unter- – was ja tatsächlich so ist, aber es ist trotzdem wichtig, auch die Gesellschaft nicht aus der Verantwortung zu entlassen und den Blick darauf zu richten, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Mißbrauch, Mißhandlung egal welcher Art und Weise nicht mehr alltäglich sind und wir das als gegeben hinnehmen

Literaturliste

Arminger, Margret: -Das innere Kind – Schlüsselerlebnisse, die uns befreien-; 2002; 4. Aufl.; Heyne Verlag
Bach, George R., Torbet, Laura: -Ich liebe mich – ich hasse mich. Fairness und Offenheit im Umgang mit sich selbst-; 1985; Rowohlt Taschenbuch Verlag
Bartning, Peter: -Arbeitspapier – Das Innere Kind-; www.beziehungsheilung.de
Bradshaw, John: -Das Kind in uns – Wie finde ich zu mir selbst-; 2000; Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur
Brown, Byron: -Befreiung vom inneren Richter – Die Intelligenz der Seele erkennen-; 2. Aufl. 2002; J. Kamphausen Verlag
Casriel, Dan: -Die Wiederentdeckung der Gefühle-; 1995; 12&12-Verlag
Chopich, Erika J.; Paul, Margaret: -Aussöhnung mit dem Inneren Kind-; 17. Auflage; 2004; Ullstein-Taschenbuch-Verlag
Chopich, Erika; Paul, Margaret; -Das Arbeitsbuch zur Aussöhnung mit dem Inneren Kind-; 1999, Ullstein-Taschenbuch-Verlag
Dennler, Jürg: -DAN CASRIELS – NEW IDENTITY PROCESS MIT BONDING-; 1999; Franz-Bert-Müller Verlag
Kane, Sarah: -Sämtliche Stücke-; 2003; 3. Aufl.; rowohlt paperback
Laurenz, Lisa: -Psychologische Schlüsselbegriffe: Das innere Kind-; 09.09.2003; Hessischer Rundfunk; www.hr-online.de
Wolinsky, Stephen: -Die dunkle Seite des inneren Kindes – Der nächste Schritt in der Quantenpsychologie-; 2001; 3. Aufl.; Verlag Alf Lüchow