KINDERLIEDER

Traum eins

Weiße Birkenfinger zum Himmel gereckt
seh ich die alte Eiche im Sumpf
schaukelt die zausige Krone
mein Bruder im Wind lacht und
lacht und weiße Finger zum Himmel gereckt
als hinge seine Haut in Fetzen
als wolle auch ich ein Stück
und lacht als wisse er
auch ich bin
Himmel.

Mutter

Du hast mich durch Zeiten getragen im
Schrittmaß deines Blutes mich
Ausgestoßen mit verkniffenem Mund mir
Die Schnur um den Hals gelegt meinen
Nabel getrennt.

Lernte sprechen bei dir.
Fand meine Sprache nicht.
ßffnete die Augen
Zu spät
Erkannte ich den Geruch
Deines Fleisches.

Vater

Deine Hände am Hals
Lerne ich laufen.

ach wie gut das niemand weiß
Dreck unter meinen Nägeln.
Einszweidreivier Eckstein
Immer muß ich versteckt sein.

Und Du findest mich doch.

Mutter laß die Augen auf
Einmal war ich
Keine Jungfrau.

Schweigen

Des Vaters Fru die buntgescheckte Kuh
Lebte in einem Dorfe wie diesem.
Stand nicht auf der Weide
Sang nicht mit im Chor
Ward blind
Als sie beim Fressen die Farbe verlor.

Mit ihrer Farbe verlor sie ein Kind.
Das nahm der Himmlische zu sich
Es tobte der Wind.
Sie merkt es nicht in ihrer Scham
Das der Vater ihr das Kostbarste nahm.

Seither schreit eine Taube auf dem Dach:
Ruckedigu ruckedigu
Töchterchens Blut klebt nicht nur am Schuh.
Wird keiner von wach.

Traum zwei

Als meine Himmel sterben
Hirschkäfer kriechen auf meiner Haut und Führen mich zum Tanz.
In meinem Blut stirbt das Lächeln des Winters
ßber dem Axtschlag meines Dreifachherzens.
Als meine Himmel stürzen
Stech ich mir die Augen
Verlern ich das Schreien
Und gebär mich
Allmorgendlich auf-s neue.

Tanzlied

Töchterchen komm tanz mit mir
Deine Unschuld hol ich mir
Läufts du weg hol ich dich her
Komm mein Kind
Das ist nicht schwer.

Und noch einmal das schöne Spiel
Weil es mir so gut gefiel
Immer rein und wieder raus
Kind wir sind allein zu haus.

Der Clown

Verlor mein Gesicht unter hellen
Laternen war der Tod mein
Begleiter legte mich auf die Bühne
Grub mir die Nägel ins Fleisch und
Küß mir die blutige Scham.

Das Lachen der Zuschauer auf Parkbänken
In Mietskasernen hinter verschlossenen
Türen machen sie ernst.

Vater ade

Vater ade. Scheiden tut weh.

Am Strand lagen Perlen
Versteckt meine Hände sonnen
Gebrannt warf ich den Körper ins Wasser wie
Auf den Geliebten.
Bin Fleisch geworden als ich noch
Flügel hatte verloren Perlen Glanz.
Am Ufer hat mich der Vater geliebt
Sein Märchen mein Schoß.
Sein Samen riß mir die Flügel am Strand
Liegen Perlen versteckt.

Vater ade. Scheiden tut weh.
Aber dein Scheiden macht das mir das Herze lacht.
Vater ade. Mein Scheiden tut weh.

Traum drei

Bröckelnde Wände rasen auf mich
ßbergroß zerschellen sie Stein
An Stein im Gesicht mir
Röcheln lachende Neonleuchten.
ßbern Weg zahl ich Falte für
Falte trag ich ab
Und an überkommt mich das Lachen
Der Kriegerin.


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Der Beitrag wurde am 20. November 2007 um 22:58 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Lyrik gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.