Iphigenie – Zwei

Ich bin die eine von vielen.
Ich hatte eine Kindheit,
ich hatte eine Jugend.
Ich bin erwachsen und ich werde alt.
Ich habe gelernt, gearbeitet, geliebt.
Habe ich geliebt?

Ich habe einen Namen.
So wie ein Joghurtbecher
Joghurtbecher heißt.
Ich habe einen Körper.
Auf diesem Körper wurde Geschichte geschrieben.
Geschichte schreibt aus blutigen Kriegen Poesie.

Meine Geschichte ist eine andere.
Mein vergossenes Blut gerinnt nicht zu Poesie.
Blut ist die Definition des Weiblichen.
Die Stimme meines Aufbegehrens ist verstummt.
Ich schweige und lächle mich durch die Zukunft
die längst Vergangenheit heißt.
Alles hat seinen Ort.
Die Frau ist Körper und der Körper gehört allen
die nicht Frau sind.

Der Ort des Körpers der Frau ist die Öffentlichkeit.
Nur eine nackte Frau ist eine gute Frau.
Nackt macht mich fremd.
So fällt mir das Lächeln schwer.

© Sylvia Tornau, 2007


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Der Beitrag wurde am 20. November 2007 um 23:07 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Lyrik gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.