#ichtraumich – Tag 10

Aufgabe: Dein persönliches Highlight 2017

Unterwegs

Ich reise gern. Unterwegs zu Orten die mir unbekannt. Meist erreiche ich das jeweilige Ziel mit Flugzeug, Zug oder Auto, wobei Letzteres mich anstrengt, wenn ich selbst fahren muss.

Mich zieht es in die Natur, in unberührte Landschaften, gern gespickt mit alten Steinen von Burgen, Schlössern, Kirchen. Städte, laut, meist schmutzig und verschlingend, trennen mich von meinem Grund. Ein unbestelltes Feld, die modrige Finsternis eines Waldes, ein Bach, ein Fluss, ein See und über allem der Himmel, lassen mich Unendlichkeit glauben. Was zurückliegt, was geschieht, was kommt, die Tier- und Pflanzenwelt eint es. Hier spüre ich, dass ich zum Kreislauf Leben gehöre. Die Landschaft ummantelt mich. Hier fühle ich Geborgenheit.

In meinen jungen Jahren reiste ich mit Auto und Zelt. Eine Nacht auf einem Ameisenhügel hat mir das Zelten verleidet.
Vor zehn Jahren entdeckte ich das Reisen mit dem Boot. Egal ob Jolle oder Kreutfahrtdampfer, in diesen Augenblicken zählt nur: über mir der Himmel, unter mir das Wasser. Schwankend durch die Zeit schippern.
In den vergangenen fünf Jahren fand ich zum Wandern. Ich laufe gern. Erreiche mein Ziel Schritt für Schritt in Echtzeit. Versinke im Weg, in der Anstrenung, in der Berührung von Sonnenlicht, im Geruch des Waldes, in den Unterhaltungen unsichtbaren Getiers. Ausgeliefert dem Wetter, der eigenen Kondition. Frei von Zwängen.

2017 verliebte ich mich in das Reisen mit dem Wohnmobil. Fahren, bis der Körper nicht länger sitzen mag. Fahren bis eine Stimme in mir sagt: An diesem Ort will ich bleiben. Ein Wohnmobil bietet den Komfort eines magischen Zeltes. Tisch, Bett und Küche unter einem Dach. Die Ausstattung erinnert an eine Kajüte. Jedes Fleckchen genutzt für Stauraum, alles holzverkleidet. Da wir Muggel bekanntermaßen nicht apparieren können, haben wir Räder unter unser Zelt gebaut.
Ob Frankreich, Niederlande, Luxemburg oder Deutschland, mit dem Wohnmobil habe ich Landstriche entdeckt, die mir ohne verborgen geblieben wären. Wir folgten den Wegweisern am Straßenrand. Sahen Ausstellungen – Van Gogh, Chagall, Paula Moderssohn- Becker – die mir ohne diese Hinweisschilder entgangen wären. Wir fuhren verlassene Straßen und fanden alte Ortschaften, in denen außer ein paar Mönchen niemand mehr wohnt. Wir schliefen an vielen Wassern. schliefen an Berghängen zwischen duftendem Wein. Reisen mit dem Wohnmobil bedeutet: Mich von unbekannten Wegen verführen lassen. Bleiben, wo es gefällt. Nachts Sternenhimmel, Lagerfeuer und das schützende Bett so nah.

Getauft haben wir das Wohnmobil auf den Namen »Die Villa«. Für mich der Inbegriff von Luxus, Freiheit, Lebensfreude. Mit der Villa reisten wir im Juli durch Südnorwegen. Norwegen gehört zu meinen Sehnsuchtsländern. Die Schroffheit der Fjorde, das unbesiedelte Land, die Unberechenbarkeit des Wetters, das klärende Licht – all das trifft in mir auf Widerhall, wie ein Spiegel meiner Seele. Hier empfinde ich, was ich selten empfinde: Ich bin angekommen. Ich bin zu Hause.

Die Berührung eines Gletschers, eine Begegnung mit freilaufenden Elchen und das lustvolle Verspeisen selbst gefangener Bachforellen vollendeten diese Reise, machten aus ihr mein Highlight 2017.

 


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Der Beitrag wurde am 11. Januar 2018 um 20:10 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Trau dich - Challenge 2018 gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.