Tag 15 – entlang der Küstenstraße

19. Mai 2014 um 14:53 Uhr

18.05.2014

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Der letzte Tag auf Lesbos. Einerseits freue ich mich auf zu Hause, auf Leipzig, auf mein Kind, meine Freunde und ja, sogar auf meine Arbeit. Andererseits ist da natürlich auch ein wenig Wehmut. Urlaub vorbei. Aber diesen einen letzten Tag hatten wir ja noch und einen Mietwagen. Heißt, wir waren endlich wieder mobil und wollten die Möglichkeit nutzen, uns noch ein paar Inselhighlights anzusehen, z.B. den versteinerten Wald. Nun ja, den Wald haben wir nicht gesehen, aber zwei von den Bäumen. Warum? Nun ja, Lesbos eben. Der Tank des Mietwagens war fast leer, als wir das Auto übernahmen. Nach ca. 20 km leuchtete die Tankanzeige. Nirgendwo in der Mondlandschaft in der wir uns befanden, war eine Tankstelle. Noch 17 km bis Sigri. Auch dort, keine Tankstelle. Insgesamt sind wir mit leerem Tank fast 40 km gefahren. 2 Tankstellen hatten geschlossen, es war ja Sonntag. Dann endlich eine geöffnet. Kommt die Tankfrau raus und sagt: „Gas yes, Elektrizität no.“ Mit uns an der Tankstelle ein verzweifelter Türke mit Mietwagen. 5 km entfernt sei eine geöffnete Tankstelle, aber die wollten von ihm Bargeld, keine Kreditkarte. Wir gaben ihm 10 € und fuhren in Kolonne zur Tankstelle. „Gas yes, Elektrizität no.“ Der Tankwart blieb gelassen, schickte uns in den Ort Kaffee trinken. Wir sollten es in einer Stunde noch mal probieren.
Hat dann auch geklappt. Der Adrenalinpegel senkte sich im Verlauf des Nachmittags auf Normalmaß.
Über unseren Lieblingsort Molivos, übers Gebirge fuhren wir dann am Meer nach Mytilene. Das war noch einmal eine wunderbare Fahrt, auf der wir die verschiedenen Landstriche der Insel sahen, jeder mit einer ganz eigenen Vegetation. Von karg bis üppig. Eigentlich genau so, wie unser Urlaub auf dieser Insel war. Von karg bis üppig.

Tag 14 – Sappho-Spring-Festival

um 14:47 Uhr

17.05. 2014

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Das Ende unseres Urlaubs naht und damit mussten wir eine Entscheidung treffen. Abreise am Samstag mit dem Bus 6.15 Uhr und in Mytilene noch ein Hotel suchen oder am Sonntag mit Taxi – kostet von Skala Eressos nach Mytilene ca. 100 € oder Mietwagen. Manchmal treffen wir die richtigen Entscheidungen. Mietwagen für 75 €, den wir am Flughafen stehen lassen können, den Autoschlüssel auf dem Reifen abgelegt ????. Somit konnten wir wenigstens noch einen Teil des Sappho-Spring-Festival miterleben. Samstag morgen ab 11 Uhr Brunch mit Musik in einer Strandbar. Das Festival ist sehr klein und bis auf wenige Deutsche nehmen vor allem Holländerinnen teil. Abends dann Party. Nach einem Tag in der Sonne hatte ich erst einmal keine Lust, aber die war sofort da, als Micky Kieboom anfing zu singen. Sie stand barfuß da, die Gitarre in der Hand, in eine Ecke der Flamingo-Bar gequetscht und mein erster Eindruck war ‚gähn‘. Nach den ersten Tönen war ich hellwach. Eine wunderbar rauchige und raumgreifende Stimme. Die Frau musste nichts weiter machen, nur singen und ich hatte Gänsehaut. Nach dem Konzert legte DJane Jasmin auf und wir haben getanzt, bis die Füße nicht mehr wollten und uns in diesem Raum voller wunderbar ausgelassener Frauen haben wir uns einfach nur wohlgefühlt. Danke an dieser Stelle von uns an die Organisatorinnen.

Tag 12 & 13 – Sonne, Pflanzen, Wanderungen

17. Mai 2014 um 16:54 Uhr

15. + 16.05. 2014

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Die letzten Tage waren ruhige Tage, soll heißen viel lesen, am Strand oder auf der Dachterrasse in der Sonne unsere Häute grillen, lecker Fisch essen und ab und an eine kleine (max. 2 stündige) Bergwanderung. Viele Wanderwege gibt es hier nicht, um genau zu sein, haben wir 3 entdeckt. Je einen Wanderweg zur Talsperre, zur Kirche auf dem Berg rechts von Skala Eressos und zur Ruine über dem kleinen Hafen. Wir wären ja wirklich gern noch weiter gewandert, aber mangels Wanderwegen in der Nähe und mangels Busverbindungen zu den weiter entfernten Wanderwegen mussten wir ganz faul sein.
Heute haben wir durch Zufall den kleinen See mit den Schildkröten entdeckt, von dem Inken vor Jahren erzählt hat, dass sie jeden Morgen dort war. Ich hätte das als See gar nicht wahrgenommen, ich dachte, es sei eine große Pfütze vom letzten Sturm. Die Bedienung in der Flamingo Bar erzählte uns davon. Leider erst gestern Nacht, sonst wäre ich jeden Tag dort gewesen. Im See leben sehr viele Schildkröten und mit ihnen große Fische, u.a. Aale. Hier habe ich zum ersten Mal gesehen, dass Aale an Schildkröten knabbern, was diese aber nicht zu stören scheint. Ich könnte stundenlang auf dieser Brücke (nahe dem Café De La Luz) stehen und dem Gewimmel im Wasser zuschauen. Und genau das werden wir jetzt gleich noch einmal machen. ????

Orientierung

15. Mai 2014 um 20:11 Uhr

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… „Ja, manchmal ist das Leben richtig scheiße“, sagt sie. „Aber weißt du, woran ich mich festhalte?“
Ich ziehe die Augenbrauen hoch.
Sie macht es mir nach.
„An den Augenblicken, die nicht so sind“, sagt sie. „Man muss nur rechtzeitig merken, wenn es soweit ist.“ …
Aus: Veronica Roth: „Die Bestimmung – Letzte Entscheidung“ (Band 3)

Tag 11 – Wanderung zum Stausee

14. Mai 2014 um 21:10 Uhr

14.05.2014

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Heute Morgen wurde ich vom Sturm geweckt, der in mein Zimmer pfiff und die Stores fast von der Stange holte. Der Himmel war verhangen, der Wind unangenehm laut und kühl, es blieb uns nichts anderes übrig, als unsere Bücher weiterzulesen… Ein langer, wunderbarer Betttag also. Gegen 15 Uhr zeigte sich endlich die Sonne und bei diesem kurz zeigen blieb es heute auch. Diesen Moment der Motivation haben gebracht. Raus aus den Betten, anziehen, loswandern.
Es gibt von Skala Eressos aus zwei Wanderwege und einen davon haben wir geschafft. Menschen begegneten uns nicht, dafür aber Hunde, Katzen, Ziegen, Schafe, ein Salamander, ein quietschebunter Vogel und ein Schwein. Am Wegesrand standen Bambus, Olivenbäume, prallvolle Feigenbäume und jede Menge Pflanzen und Blüten, die wir nicht kennen. Am Stausee hatte ich kurz das Gefühl in Schottland zu sein, während Ina die grasgrün glitzernde Eidechse entdeckte. Nach 5 Stunden Laufen endlich wieder am Strand – bei Meterhohen Wellen und einem Wind, der schon ein wenig beängstigend ist. Lecker essen, mit Salat, Käse und Knoblauchbrot als Vorspeisen waren wir schon satt, als unsere Hauptgerichte kamen: Ina hatte breitgeklopftes, gegrilltes Huhn, ich hatte sehr leckeren, aber leider sehr grätigen Red Mullet. Die sieben Katzen um uns herum hat es gefreut.
Bei dem Sturm heute länger draußen sitzen ist unmöglich, also gehen wir jetzt ganz schnell in unsere Betten – weiterlesen.

Tag 10 – schon wieder Strand

um 09:12 Uhr

13.05.2014

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Heute habe ich mir unfreiwillig einen lange gehegten Wunsch erfüllt. Ich habe mich gelangweilt. Langeweile ist, wenn ich in Erwartung bin, dass etwas Großartiges passieren muss – schließlich bin ich in Griechenland – und es passiert einfach nichts Großartiges. Mangels (finanziellen) Mitteln (Taxi ist zu teuer, Busse fahren nicht), bleibt uns nur aus dem was ist Etwas zu machen. Am brütend heißen Strand liegen und Hörbuch hören. Von einer Seite auf die andere drehen, einschlafen, aufwachen und immer noch am Strand liegen. Vor lauter Unruhe und Hitze ins Wasser hopsen. Lesen geht nicht, zu unkonzentriert, also Wellen, Wind und Vögeln lauschen. Die Augen zusammen kneifen und das Flirren der Luft bewundern. So stelle ich mir das Licht der Wüste vor. Steine sammeln, noch mal im Wasser abkühlen. Irgendwann wurde auch ich ruhiger und konnte annehmen was ist: ein heißer Tag am Strand. Da kam mir plötzlich die Idee. Ich könnte mich ja in eines der vielen Cafés setzen und schreiben. Dieser Gedanke hat mich mit Skala Eressos versöhnt. Kein Abenteuerurlaub mehr, sondern Ruhe und Zeit zum Schreiben. Warum nur fällt mir das Naheliegende manchmal so spät ein? Vermutlich, weil ich mich erst einmal von meiner Erwartungshaltung in Bezug auf das Großartige verabschieden musste. Auch die Stille kann großartig sein. Nur eben anders.
Abends 2,5 Stunden Wanderung auf einem Feld-, Wald- und Wiesenweg. Meine Sinne sind bei der Vielfalt der Farben, Gerüche und Geräusche fast kollabiert. Viele mir unbekannte Pflanzen und Blüten, riesige rauschende Gräser neben Feldern voller berauschender Ginsterbüsche. Feigenbäumen deren viele viele Feigen leider zu grün zum verkosten sind. Vögel, die offensichtlich dazu neigen, vor der Nachtruhe noch einmal richtig Rabatz zu machen, Froschkonzerte und Hundegebell. Das Alles wurde vom Farbspiel des Sonnenuntergangs auf der rechten Seite meines Weges verzaubert, während der Aufstieg des Vollmondes auf der linken Seite die klärende Ruhe der Nacht ankündigte.

Tag 9 – Sonne, Strand und nichts weiter

12. Mai 2014 um 22:01 Uhr

12.05.2014

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Die nächsten Tage könnte es hier ein wenig ruhiger werden. Wir sind am Ende der Griechenwelt angekommen, Busse fahren nur 6 Uhr morgens, Taxi können wir uns nicht allzuoft leisten, der Strand ist höchstens 2 km lang und in den Hügeln lauern giftige Vipern… Also zumindest heute lagen wir faul am Strand. Lesend oder schlafend. Hin und wieder ein Strandspaziergang. Die Ausbeute an Muscheln ist mager, der Erholungseffekt hoch. Am kleinen Fischerhafen gab es Kunst zu sehen und auf der Hälfte des Berges hatte ich plötzlich große Angst vor den Schlangen. Die Vorstellung gebissen zu werden und ganz allein am Ende dieses Landes zu sterben und meine Überreste verrotten in der Hitze… Also bin ich ganz schnell wieder runtergeklettert und habe mich am Strand neben Ina von der Sonne braten lassen. Morgen müssen wir herausfinden, ob der Schulbus (8 Uhr) eine Möglichkeit ist, diesen Ort zu verlassen ????

Tag 8 – Umzug nach Skala Eressos

11. Mai 2014 um 21:00 Uhr

11.05.2014

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Heute war ein Tag des Wartens. Warten, dass die Zeit vergeht. Vom Frühstück 9 Uhr bis zum frühen Nachmittag. Denn wir hatten ein Problem. Wir sind auf Lesbos und die Tourisaison hat noch nicht begonnen, ergo, es fahren Sonntags keine Busse. Konnten wir schließlich nicht ahnen, dass die Busfahrpläne im Internet aus dem Jahr 2006 stammen. Da fuhren die Busse Sonntags noch. Heißt, wir wären heute beinahe obdachlos geworden. Denn heute stand der Umzug an, von Anaxos nach Skala Eressos. Aber der albanische Barmann unserer Hill Village Bar hat sich erbarmt und uns seinen arbeitsfreien Sonntagnachmittag geopfert. Hat uns die ca. 70 km mit seinem Auto gefahren, für 50 €. Taxi hätte 80 gekostet… Nun sind wir hier, in Skala Eressos, dem Inselparadies für Lesben (ist sicher noch zu kalt hier, denn es sind nur wenige Touristinnen hier ????).
Während Mykonos die Insel der Schwulen ist, ist Lesbos die Insel der Lesben. Weil die einzig bekannte Lyrikerin der Antike, Sappho, in Mytilene geboren und in Skala Eressos gestorben ist. Angeblich hat sie sich hier von einem Felsen gestürzt. Keine Angst, machen wir nicht, wir glotzen nur Felsen an. Haben wir zumindest heute gemacht, während wir in einer Bar Prosecco tranken. Und viel mehr haben wir heute auch nicht gemacht: Haut in Sonne gebraten, gelesen, geschlafen, Umzug, Einkauf, Essen, Trinken, Landschaft gucken, Grillenkonzert gehört. Und jetzt: Gute Nacht!

Tag 7 – Begegnung mit den Turtles

10. Mai 2014 um 20:19 Uhr

10.05.2014

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Heute war ein langer Autotag. Ina war die Heldin des Tages: Serpentinen ohne Ende und vor allem ohne Befestigung. Ich wäre vermutlich irgendwann heulend aus dem Auto ausgestiegen und hätte es einfach stehen gelassen. Laufen ist so viel sicherer und langsamer. ????
Viel Landschaft zog an uns vorüber, Ina erinnerte sie an Irland, mich an Schottland. Inklusive karge Berge und Schafe. Das kleine Plus oben auf: Esel.
Das Highlight des Tages war ein kleiner Tümpel. Auf Felsen sonnten sich Schildkröten. Aber wir waren zu laut oder bewegten uns zu schnell, jedenfalls flohen sie alle vor uns ins Wasser. Wie Raubtiere warteten wir gefühlt Stunden, bis sich die Tiere wieder auf die Felsen trauten.

Tag 6 – Golf von Kalloni

um 11:21 Uhr

09.05.2014

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Gestern haben wir unser Vorhaben wahr gemacht und uns mit Herrn Stefanoy Stamos verabredet. Mit Kaffee trinken am Hafen und Geschichten über die penepoleische Seeschlacht vor Mytilene begann der Tag. Weiter ging es im Auto über die Berge, vorbei an Olivenhainen zur Seestraße am Golf von Kalloni. Mit Bach und Vivaldi auf den Ohren, war das ein überwältigendes Erlebnis.
Zwischendrin gab es spannende Geschichten über die Vorfahren von Herrn Stamos (der im übrigen schon 77 Jahre alt ist) und viel Wissenswertes für Griechenlandneulinge. Zum Beispiel, dass „Skala“ der kleine Hafen ist, der zu einem Bergdorf gehört also Kalloni / Skala Kalloni, Eressos /Skala Eressos. Oder, dass Olivenbäume bis 1000 Jahre alt werden können. Herr Stamos sagt: „Du kannst ihn absägen und er kommt wieder.
Der Olivenbaum ist ein gesegneter Baum. Er hat immer Holz gegeben, sein Öl hat Licht gegeben und seine Frucht gibt Gesundheit.“
Nach einem imposanten griechischem Essen, mit Calamari und Oktopus ging es weiter zu den Heilquellen von Polichnitos. Dampfende und blühende Landschaft mit der alten Ruine eines Thermalbades.
Den Abschluss fand unsere kleine Rundreise in Ajassos – dem zweitältesten Pilgerort von Lesbos. Jedes Jahr am Abend vom 14. zum 15.8. pilgern die Lesbier dorthin, das ist ein großer Feiertag in Griechenland, es ist der Sterbetag der Madonna.
Alles in allem ein wunderschöner Tag, wenn, ja, wenn die große Enttäuschung am Abend nicht gewesen wäre. Die Zeichen wurden in der letzten Stunde des Miteinanders immer eindeutiger. Der alte Mann wünschte Sex. Ich weiß immer noch nicht, was bei uns beiden gerade überwiegt: die Empörung darüber, dass ein 77jähriger uns an die Wäsche wollte, oder die Enttäuschung, dass aus einer schönen und offenen Begegnung etwas derart Widerwärtiges und Kleinliches wird.
Im Verlauf des Tages sagte Herr Stamos: „Wenn du nie spielst, kannst du hundertprozentig nie gewinnen. “ Nun ja, gestern hat er definitiv verloren. Aber ich auch, für einen kurzen Moment das Vertrauen in die Möglichkeit unbefangener Begegnungen. Schade eigentlich.