Mascha Kaleko: Sozusagen grundlos vergnügt

23. Juli 2013 um 23:26 Uhr

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Ich freu mich, dass am Himmel Wolken ziehen und dass es regnet, hagelt, stürmt und schneit.
Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit wenn Heckenrosen und Holunder blühen.
Dass Amseln flöten und Bienen summen, dass Mücken stechen und Brummer brummen.
Dass rote Luftballons ins Blaue steigen, dass Spatzen schwatzen und dass Fische schweigen.
Ich freu mich, dass der Mond am Himmel steht und dass die Sonne täglich neu aufgeht.
Dass Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter gefällt mir wohl, da steht ein Sinn dahinter, auch wenn die Neunmalklugen ihn nicht sehn, man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn.
Ich freu mich, das ist des Lebens Sinn, ich freu mich vor allem, dass ich bin.
In mir ist alles aufgeräumt und heiter, die Deele blitzt, das Feuer ist geschürt, an solchen Tagen erklettert man die Leiter, die von der Erde in den Himmel führt.
Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben, weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.
Ich freu mich, dass ich mich an das Schöne und an das Wunder niemals ganz gewöhne.
Dass alles so erstaunlich bleibt und neu.
Ich freu mich, dass ich,
dass ich mich freu.

Taoistische Weisheit

15. Juli 2013 um 22:29 Uhr

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„Wenn man die Dinge versteht, sind sie, wie sie sind, wenn man sie nicht versteht, sind sie, wie sie sind.“
Aus: Luise Reddemann „Eine Reise von 1.000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt. Seelische Kräfte entwickeln und fördern“

Neues aus dem Pausenraum

9. Juli 2013 um 22:08 Uhr

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Ein Kollege zu einem anderen Kollegen:
„Ein Arbeitsvertrag ist kein Therapievertrag!“

Filmzitat: Anleitung zum Unglücklichsein

8. Juli 2013 um 01:20 Uhr

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Er: „Es ist nicht verboten zu lachen“
Sie: „Ich hab mich immer schlecht gefühlt, wenn ich glücklich war. Ich dachte, wenn ich jetzt glücklich bin, dann kommt gleich eine Katastrophe und schlägt alles kaputt. Also versuche ich mich nie zu sehr zu freuen, dann kann ich nicht enttäuscht werden.“
Er: „Und das klappt?
Sie: „Schon. Irgendwie.“
Er: „Versteh ich nicht. Erst mal freu ich mich und wenn es dann schlimm wird, hab ich mich wenigstens schon mal gefreut.“
Sie: „Sie meinen das ist so einfach?“
Er: „Ja.“

Erzähler: „Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb, das ist alles. Alles. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass man das Leben nur rückwärts verstehen kann. Leben muss man es vorwärts.“

wer lacht, auch wenn es zum heulen ist, gewinnt…

2. Juli 2013 um 23:55 Uhr

Hanna Scotti: www.schicksal.komm – Lyrikdebüt
rezensiert von Sylvia Tornau

Mit www.schicksal.komm legt die Bremer Autorin und Clownin Hanna Scotti ein Lyrikdebüt vor, in dem sie dem Leben tief in den Rachen schaut und sich vor Nichts und keinem Thema zu fürchten scheint. Da schreibt eine, die sich hineinwagt ins pralle Leben, welches nicht nur Sonne und Jugend und Liebe bereithält, sondern auch seine Schattenseiten ganz selbstverständlich über uns ausbreitet. Da schreibt eine, die furchtlos und mit schnellem Griffel die Themen Alter und Tod skizziert, mal skuril, mal nachdenklich, mal lachend, immer aber mit Würde und dem Leben genau ins Antlitz geschaut. Mal schreibt die Autorin ganz poetisch wie in „Neugeboren“ und „Altern“, mal überraschend wahr wie in „Grossmutter Geburt“, mal humorvoll frech wie in „Boxenstopp“. Allen Gedichten zugrunde liegt die Wahrhaftigkeit gelebten Lebens und der Mut zur leichtfüßigen Auseinandersetzung, auch mit schweren Themen. So z.B. in „Der Brief“.
Dieses Gedicht beschreibt in drei Strophen zu jeweils vier Zeilen einen sechsundfünfzig Jahre währenden Mutter-Tochter-Konflikt, der tabuisiert wird mit „Zärtlichkeit und Schweigen“. Es gelingt der  Autorin in wenigen Zeilen, diese gemeinsamen und doch trennenden 56 Jahre zu umreißen und die Schwere des Trennenden in der Versöhnlichkeit gelebten Miteinanders berührend nachvollziehbar zu machen. Dabei verzichtet das Gedicht gänzlich auf einseitiges Verständnisheischen. Das Ergebnis ist ein Text der hoffen lässt, dass sowohl Mutter als auch Tochter das Kämpfen nun endlich sein lassen können und wir Lesenden die eigenen Konflikte vielleicht noch einmal aus anderer Warte betrachten.
Ganz anders in Form und Sprache ist das Gedicht „Georg Kreisler zu Ehren“. In diesem ist die Rede von zwei „alten Tanten“ die offensichtlich mit viel Vergnügen
„tanzen Tango
mitten in der Nacht“.
Bei diesem Gedicht weckt die Autorin den Eindruck, als könne die Leserin das späte Erwachen in der Selbstermächtigung zweier Frauen, hautnah miterleben. Das mephistolische oder wohl eher das kreislerische Vergnügen, welches die Akteurinnen empfinden, dieses tiefe, knurrende Lachen der Lebenslust, welches den Schmerz und die Trauer des angepassten Selbstverzichts in das Dunkel der Nacht verabschiedet, überträgt sich auf die Leserin. Diese hängt während des Lesens grinsend über dem Gedicht und in ihrem Hinterkopf steigt, von weit her, die Melodie der vergifteten Tauben auf. Und ganz plötzlich verliert sich die Angst der Leserin vor dem Altern auf den Seiten eines kleinen Lyrikbändchens.
Danke auch dafür, Hanna Scotti.

Hanna Scotti: www.schicksal.komm; Anton G. Leitner Verlag; 66 Seiten, 12,80 €