Bettina Bormann: Das Flüstern der Mördermuscheln

25. März 2013 um 18:30 Uhr

rezensiert von Sylvia Tornau

Auf der Website der Autorin und Musikerin Bettina Bormann wird dieses Buch unter dem Label „Rabenschwarze Kurzgeschichten“ angekündigt. Schwarz und glänzend wie Rabenfedern sind sie, diese Geschichten. Und schon durch die Wahl des Titels wird klar, dass es in diesem Buch auch um Mythen geht.
Mördermuscheln werden bis heute die Riesenmuscheln genannt, denen fälschlicherweise nachgesagt wird, dass sie nach Tauchern schnappen. Ein Todesfall aus den 1930ern ist allerdings dokumentiert. Ein vermisster Taucher wurde gefunden, seine Hand eingeklemmt in einer Muschel. In seiner Hand fand man nach der Bergung eine große Perle.

In den Geschichten von Bettina Bormann geht es um die Perlen des Lebens, die wir in uns tragen. Ob groß oder klein, diese Perlen gilt es zu hüten. Nicht immer will jemand sie stehlen, obwohl auch das vorkommen kann. Häufiger ist es so, dass wir sie zu wenig beachten, sie gar verschenken oder wegwerfen. Letzteres geschieht in Bormanns Geschichte „Köhlbrand“, in der zwei Einsame, zwei Gescheiterte sich das Leben nehmen, obwohl in der gemeinsamen Begegnung auf der Brücke die Chance liegt, einen Neuanfang zu wagen. Sie ergreifen diese Chance nicht. Sie springen. Nacheinander.

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Judith Faller: Wachstumsschmerzen. Gedichte

24. März 2013 um 19:24 Uhr

rezensiert von Sylvia Tornau

Der Gedichtband der Schweizer Autorin Judith Faller liest sich wie ein lyrischer Wegweiser durch die inneren Landschaften des zerfaserten Ich auf der Suche nach Wegen zum bewussten Selbst. Die Stationen, an denen das Ich zum Selbst unter Schmerzen wachsen kann, heißen Kindheit, Beziehung, Trennung, Kommunikation. Was sagen wir, wenn wir miteinander ins Gespräch kommen? Plappern wir? Reden wir? Sagen wir etwas? Trauen wir uns das zu sagen, was wir sagen wollen oder verbergen wir den tieferen Sinn hinter oberflächlichen Worten aus Angst vor Blöße, Nacktheit, Verletzbarkeit? Oder sind wir „auswärts daheim“, nur selten bereit zu Kommunikation, die anwesende Gegenüber benötigt? Wie oft verfallen wir in „bedeutungsloses gerede“ und fühlen uns unwohl dabei? Wann hören wir in einer Beziehung auf miteinander zu sprechen?

Judith Faller beobachtet und hält fest. Sie entlässt uns in die Sprachlosigkeit der beschriebenen Situation, wie z.B. im Gedicht „außergewöhnlich“:

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