Nur 12 Gramm machen den Unterschied

3. Juni 2010 um 18:34 Uhr

Das Gewicht der Seele von J. Monika Walther
rezensiert von Sylvia Tornau

Irgendwas ist immer: zu erkennen, zu durchdringen, zu bewältigen. Dieses Axiom zieht sich durch den 400 Seiten starken Erzählband von J. Monika Walter. Verstörend und skurril-real sind die gezeichneten Personen. In den Zwischenraum von Fiktion und Realität gestellt, wirken sie sowohl real, als auch immer einen Schritt neben dem Möglichen. So zum Beispiel Jean, Antagonist aus der Titelgebenden Erzählung „Das Gewicht der Seele“. „Jean war keiner, der ums Leben zweifelte, und keiner, der nur einen einzigen Menschen besitzen wollte. Er verlangte nach mehr und gab sich nicht zu erkennen. Das Verbergen war seine Lust.“ Jean ist ein Seelensucher. Seine Geliebte, die Tönesammlerin Alice, „die ihn nicht liebte, weil sie Angst hatte, ihn zu verlieren“ ließ er nackt auf eine Waage steigen. Er notiert das Gewicht, erwürgt sie dann und wiegt sie erneut. Am Ende der Erzählung notiert er: „Ein lebender Mensch abzüglich zwölf Gramm Seele ergibt einen toten Menschen.“

Weiterlesen »