Wenn das Leben kräht ist es der Tod oder die Veränderung

2. Februar 2010 um 18:53 Uhr

„Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht“ – Eine KriminalGeschichte
von J. Monica Walther – rezensiert von Sylvia Tornau

Vorab gesagt, wer – angelockt vom schmackhaften Titel – das letzte große Broilerfressen vor dem Ausverkauf der DDR-Goldbroilerstuben erwartet, der wird enttäuscht sein und vielleicht dann, wenn er lange genug in der Geschichte bleibt, doch auch nicht.
Das goldige Vögelchen ist in diesem Buch nicht viel mehr als ein Synonym.

Nur wenig an der DDR war so schmackhaft wie dies und vielleicht gerade deswegen musste es Anfang der 90er erst einmal verschwinden. Und ums Verschwinden des Alten, Abgewirtschafteten geht es in diesem Buch (unter anderem!). Das teilt uns die Autorin J. M. Walther schon auf der ersten Seite ihrer KriminaGgeschichte mit:
„Die Schonzeit im Ex-Land DDR ist vorbei.“

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Es adventelt jedes Jahr!

um 18:42 Uhr

“Adventsgeschichte von A bis Z – Hörspiel für Ü-Zehner“ von Regina Schleheck gehört und besprochen von Sylvia Tornau

Der dreizehjährige Julius verunglückt am 01.12. und bevor darüber entschieden wird, wie es mit ihm weitergeht muss er 24 Tage an der Pforte warten, die sich im Kopf der Hörenden schnell in die Himmelspforte wandelt. Damit ihm die Zeit nicht so langweilig wird – schließlich gibt es an diesem Ort im Nirgendwo weder Fernsehen noch Playstation “ besucht ihn täglich sein ganz persönlicher Schutzengel “Jungel” und verwickelt Julias in einen 24 Tage währenden Dialog. Jedes dieser Gespräche ist einem Buchstaben gewidmet. Das Erste dem A, das Dritte dem C, das 19. dem S, wie Stall.
Mit diesem Hörspiel werden Heranwachsende an Themen wie z.B. Was ist Chaos?, Woraus besteht Dunkelheit, wer spricht denn von Liebe, jedes Jetzt ist ein Moment, ist dort, wo nichts ist Nichts? oder wonach riecht der Tod?.

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Kurzgeschichten für alle die nichts langes mehr lesen wollen, können, mögen

um 18:39 Uhr

“Klappe zu – Balg tot, Bitterböse Geschichten“ von Regina Schleheck – rezensiert von Sylvia Tornau

“Die alte Zieten hatte in weiser Voraussicht vor dem Tisch eine kleine Wanne aufgestellt, in die Fruchtwasser, Blut und die übrigen Ausscheidungen, die bei einer Geburt dazugehören, abfließen konnten, während mein Körper durch den engen Ausgang gequetscht wurde. Als ich meinem Vater schließlich in die Hände glitt, zitterte er vor Angst und Aufregung dermaßen am ganzen Leibe, dass es ihm nicht gelang, meinen kleinen mit Käseschmier überzogenen Körper festzuhalten. Ich flutschte ihm durch die Finger und landete mit einem gro?en Platsch in dem Kübel.
Als die Hebamme mich daraus barg und hochhielt, war das Erste, was meine Mutter ausrief: “Himmel, ist der hä?lich!” Mein halber Kopf war von einem Fruchtblasenrest bedeckt, der sich über Augen und Nase gelegt hatte und mir das Aussehen eines Mutanten verlieh. Die Rückstände aus der Wanne taten ihr Übriges. “Papperlapapp, Frau Gebker” sagte die Hebamme, “das ist eine Glückshaube! Dieses Kind ist gesegnet!”

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