Abschied 

22. Oktober 2016 um 22:30 Uhr

Manchmal verlieren wir Menschen die wir lieben, weil sie uns oder wir sie oder wir uns gegenseitig Ent-Täuschen. Beispielsweise, wenn wir uns bewusst werden, dass wir durch Liebe zwar stärker, aber nicht anders werden, nicht besser. Im Grunde sind wir wer wir sind, daran ändert auch die Liebe nichts. Sie ist nur der Motor uns zu verbessern, für den anderen und damit für uns selbst. Manchmal gehen wir, weil wir merken, dass Liebe uns verbindet, aber wir deswegen nicht weniger allein sind. Und manchmal geht einer für immer.

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Heute zum Kindertag

1. Juni 2016 um 22:13 Uhr

Die Wut und die Trauer eines Kindes ist schwer auszuhalten, vor allem dann, wenn klar ist, dass wir Erwachsenen Ursache dieses kindlichen Schmerzes sind. Manchmal bin ich ’nur‘ die Überbringerin der schlechten Nachrichten, aber die Wucht der Verzweiflung des Kindes ist dann das sprichwörtliche Schafott.
Wieder eine Schneiße in eine Kinderseele geschlagen.
Da sind dann auch Kakao und Trickfilm nicht mehr als ein Pseudopflaster auf einer tiefen Wunde. Das Kind schläft ein, für den Augenblick getröstet. Ich straffe die Schultern und denke mir das nächste Pflaster aus. Fürs Kind und für mich.

Text gelesen beim Buchmesse-Lesebrunch in der FraKu am 20.03.2016

17. Mai 2016 um 23:48 Uhr

Begegnungen
Jeden Tag stehe ich in der Mittagsschlange der Cafeteria und treffe dort Kollegen aus anderen Abteilungen. Manche davon habe ich schon eine Weile nicht gesehen. Obwohl ich sie bei solchen Begegnungen erwarten könnte, trifft mich die Frage „Wie geht es Dir?“ jedes Mal unerwartet.
Trifft diese Frage auf mein Ohr, schaltet sich sofort alles Denken und Fühlen in mir ab. Ich stehe wortlos vor dem Fragenden und wenn ich einen guten Tag habe, schaffe ich es, mit den Schultern zu zucken.
Häufiger aber befällt mich eine Agonie.
Ich bin unfähig mich zu bewegen, unfähig auch nur ein Krächzen hervorzubringen.
Meist folgt meinem Schweigen nach wenigen Sekunden ein unverbindliches Schulterklopfen und ein wohlmeinendes „Na wir sehen uns später“ oder eine Überleitung auf das zu erwartende Mittagessen, das schöne oder deprimierende Wetter. Oft huschen die Blicke des Fragenden durch die lange Reihe der Wartenden, auf der Suche nach einem anderen potentiellen Gesprächspartner.

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Eine Frage…

28. April 2016 um 23:13 Uhr

…zu folgendem Vorfall würde mich interessieren, wie Ihr reagieren würdet:
Stell Dir vor, Du stehst in einer langen Reihe Wartender neben anderen langen Reihen Wartender im Jobcenter. Du bist gleich dran und beobachtest, wie am Schalter nebenan ein Mann, der offensichtlich kaum deutsch spricht, verzweifelt versucht, sich der Schalterdame verständlich zu machen. Du hörst, wie er sie bittet langsam zu sprechen. Die Frau reagiert sehr ungehalten und blafft den Mann in gelangweilten Ton an „Deutsch“ bitte. Er nimmt mehrere Anläufe und versucht es dann noch einmal auf Englisch. Die Frau beachtet die Papiere nicht, die er ihr entgegenhält, sondern wiederholt mehrfach, inzwischen offensichtlich genervt „Deutsch“…

So will ich nicht leben müssen

11. Januar 2016 um 23:43 Uhr

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Ich bin entsetzt, traurig und wütend. Entsetzt über die Gewalt der Hooligans heute abend in Leipzig. Traurig, weil das freie Leben in meiner Stadt, in diesem Land derart von Intoleranz und Rassismus bedroht wird. Wütend, weil heute so viele Menschen, die in Gesprächen äußern, dass wir Legida und Co unsere Stadt nicht überlassen dürfen, dank der angeblich antifaschistisch motivierten Krawalle vom 12.12. zu Hause geblieben sind, aus Angst vor Ausschreitungen und Gewalt. Das haben sie so angekündigt, sie würden gern für ein weltoffenes Leipzig auf die Straße gehen, tun die aber nicht aus Angst vor Gewaltexzessen.
Das kann ich verstehen, weil ich auch Angst davor habe.

Egal ob links oder rechts motiviert, eure Gewalt ist nichts anderes als eben Gewalt. Geht bitte auf die Wiese und schlagt euch bis ihr keine Kraft mehr habt, aber verschont uns. Wenn es denn sein muss und ihr euch nicht anders beruhigen könnt, zahlen wir sogar ohne zu murren eure Arzt- und  Krankenhauskosten.

Ihr wollt, dass ich Angst habe und ja, ich gebe zu, gewalttätige Menschen machen mir Angst. Trotzdem lasse ich mir von euch weder das freie Denken noch das Mit-Fühlen verbieten. Ich lasse mich auch nicht aus meiner Stadt vertreiben, obwohl es dank euch und der Gewalt die ihr verbreitet hier immer ungemütlicher wird. Nicht nur, weil hier Woche für Woche euretwegen permanente Polizeipräsenz herrscht, der Verkehr lahmgelegt wird und ständig irgendwer wegen irgendeinem angeblich politischen Motiv etwas zerstört, sondern vor allem weil miteinander reden kaum noch möglich ist. Äußert jemand außerhalb des persönlichen Freundeskreises eine unangenehme Sichtweise, wird er verbal sofort ins Feindeslager getrieben.

Leipzig ist mehr als rechts oder links. Deutschland ist ein demokratisches Land. Und ihr alle, die ihr in welcher Form auch immer gewaltätig seid, gefährdet eben diese Demokratie. Und damit gefährdet ihr den Frieden, in dieser Stadt, in diesem Land. Ihr gefährdet meinen inneren Frieden. Das ist unangenehm und hässlich und es ist verlockend, dem Hass, der Wut in mir nachzugeben. Aber das will ich nicht. Dem verweigere ich mich. Das macht mich stärker. Denn dadurch lerne ich meine eigenen Vorurteile kennen. Die Wut über das was ihr hier anrichtet, lässt mich im ersten Moment sehr aggressiv und abwertend über euch denken. Das tangiert euch nicht, aber mich, denn meine gute Lebensenergie wird von diesen Gedanken vergiftet. Und ich lerne zunehmend mich vor dieser Vergiftung zu schützen. In dem ich mich immer wieder daran erinnere, warum ich das Leben liebe. Wenn es vielen anderen Menschen auch so geht, die ihr heute mit verbaler und körperlicher Gewalt einschüchtert, dann könnt ihr nicht gewinnen, denn dann müßtet ihr die Liebe vernichten, die Liebe zum Leben, zu allem Lebendigen, zu allem was das Leben lebenswert macht und dazu gehört vor allem Unterschiedlichkeit. Auch wenn alles was fremd ist erst einmal beängstigend ist (und damit meine ich auch das Denken und Fühlen und Handeln anderer Menschen aus meinem Kulturkreis, oder das Erledigen einer Aufgabe mit der ich zum 1. Mal konfrontiert bin).

Auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen, ich oute mich an dieser Stelle. Ich bin eine Liebende.
Ich liebe. Mein Leben, mein Kind, meine Weggefährten und Freundinnen und all die unterschiedlichen Menschen in meinem Leben denen ich begegne. Ich liebe meine Arbeit, meine Stadt, die Erde die mich nährt, die Sonne die wärmt. Ich liebe jeden Tag, den ich hier verbringen darf. Und Du?

Denkmalschmiede Höfgen steht vor dem aus! Bitte helft uns, diesen Ort zu erhalten! Jede Stimme zählt!

26. Februar 2012 um 19:36 Uhr

„Seit Jahren profitieren die mitteldeutschen Autorinnen von der Denkmalschmiede Höfgen. Hier haben wir uns zu Schreibwerkstätten und Schreiburlauben getroffen, die hervorragende Ausstattung der Studios mit Arbeitsplätzen, Computer und Internetzugang nutzen können. In Seminarräumen ist es möglich, gemeinsame Projekte zu besprechen oder Texte vorzustellen. Der ausgebaute und liebevoll sanierte Vierseitenhof bietet Möglichkeiten für zahlreiche Veranstaltungen und Lesungen, die auch wir genutzt haben. Die Stiftung der Denkmalschmiede hat zudem regelmäßig Arbeitsaufenthalte für KünstlerInnen ermöglicht. Nicht nur AutorInnen, auch MalerInnen, BildhauerInnen und GrafikerInnen sowie KomponistInnen und TonkünstlerInnen haben hier optimale Arbeitsbedingungen vorgefunden. Ton- und Aufnahmestudios, Licht durchflutete Ateliers und einladende Ausstellungsräume boten alles, was für die künstlerische Arbeit gebraucht wird. Jetzt wird die Denkmalschmiede Höfgen Opfer von Sparmaßnahmen des Kulturraumes Leipziger Raum. Genaueres dazu lässt sich in der Leipziger Online Zeitung nachlesen: http://www.l-iz.de/Politik/Region/2012/02/Mittel-fuer-Denkmalschmiede-Hoefgen-gestrichen-40375.html

Wir möchten Euch bitten, die Petition gegen die Kürzung der Mittel, die zwangsläufig zur Schließung der Denkmalschmiede führt, mit zu unterschreiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns diese phantastischen Arbeitsmöglichkeiten genommen werden!

Die Petition findet Ihr unter dem Link:

http://openpetition.de/petition/online/protest-gegen-schliessung-der-denkmalschmiede-hoefgen

Marion Pelny und Sylvia Tornau im Namen der mitteldeutschen Autorinnen“