Mach mal Pause – Café Hannah lädt ein

27. März 2017 um 19:25 Uhr

Ann E. Hacker: Café Hannah Teil 1 und 2

Wie ließe sich vom Leben und den großen und kleinen Problemen Einzelner und ihrer Verwobenheit miteinander in einer modernen Großstadt besser erzählen, als in einem Episodenroman? Um es vorweg zu nehmen, der Autorin Ann E. Hacker gelingt mit dieser Form des episodischen Erzählens ein Spiegelbild des Großstadtlebens. Eine einzelne Ameise macht keinen Ameisenberg. Aber gäbe es nicht die Anstrengungen der vielen einzelnen Ameisen und das Zusammenspiel ihrer Anstrengungen, gäbe es den Berg nicht. So ist es auch mit dem Leben in unseren Städten. Die einzelne Person mit ihren ureigenen Bemühungen und Verwicklungen charakterisiert das Leben in dieser bestimmten Stadt, in diesem bestimmten Stadtteil erst durch die Interaktionen mit anderen Einzelnen. Erst diese Verwobenheit der Handlungen miteinander lässt aus der Entfernung Rückschlüsse zu über das Leben in der Gemeinschaft. Denn auch in der Gemeinschaft bleibt der Einzelne ein Einzelner, wenn auch ein mit anderen Einzelnen durch Interessen, Gefühle, Handlungen verbundener Einzelner. Ann E. Hacker lässt uns in ihren Romanen teilhaben am Leben ausgewählter Einzelner, in dem sie wie mit der Lupe in den einzelnen Episoden von deren Alltag und Leben erzählt. Ausgangspunkt der Verbindung der Einzelnen ist dabei das in der fiktiven Blumengasse in München gelegene Café Hannah und dessen Namensgeberin Hannah Jensen. Jede der in den beiden Romanen auftauchenden Personen steht in irgendeiner Weise in Verbindung mit Hannah und ihrem Café.

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Alles ändert sich in der Ideenkammer

7. Februar 2016 um 23:06 Uhr

Nikola Huppertz: Die unglaubliche Geschichte von Wenzel, dem Räuber Kaminsik, Strupp und dem Suseldrusel

Gleich vorab, dieses Kinderbuch hat alles, was von einem guten Kinderbuch zu erwarten ist. Spannung, hohen Unterhaltungswert, Witz, Liebe und ein sehr eigenwilliges Fantasieleben. Die Warnung der Autorin auf der ersten Seite ist sehr sehr ernst zu nehmen: „Achtung! In diesem Buch geht es manchmal ziemlich verrückt zu. Das liegt nun mal in der Natur der Dinge, wenn ein Schriftsteller und ein Kind unter einer Decke stecken.“

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Von den anderen Seiten des Lebens

um 23:00 Uhr

Monika Walther: Abrisse im Viertel. Gedichte 2010-2015
Fotografien: Henning Berkefeld

„Die Seelen im Ganzen geteilt
fallen die Sonnenflecken schwarz
auf Gesichter Wände es geht
um Welt und die Wirklichkeit.“ (Drei Seiten der Medaille, S.31)

Ich verstehe nicht alles, was die Autorin mir mit ihren Texten sagt, aber immer, wenn ich mich einlasse auf ihre Worte, ihre Sprachbilder, öffne ich mich dem Schmerz von Sehnsucht und Trauer. Ich werde berührt in meiner Seele und es strömt eine Lebendigkeit jenseits von Funktionieren und Abarbeiten in mich ein. Brachial bahnt sich da mittels Waltherscher Worte Lebenszartheit mit schneidender Kälte den Weg in nicht wahrgenommene, vom Alltag überlagerte Regionen meines Seins. Lasse ich mich ein, lasse ich die Berührung zu, dann durchdringen diese wortgewebten Geschichtensplitter dieser Gedichte und sie wärmen. In all der entstehenden Einsamkeit schafft es die Autorin Verbindung herzustellen, von Seele zu Seele. Sie konfrontiert die Leserin mit kleinsten gemeinsamen Nenner des Seins: Wir alle sind im Grunde einsam und das verbindet uns.

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Vom Leben an anderen Orten

um 00:01 Uhr

Jutta Weber-Bock: Electronic Harem. Erzählungen

Manche der Erzählungen von Jutta Weber-Bock lesen sich wie die Beschreibungen der Suche nach einem authentischen und guten Lebensgefühl durch Neu- und Wiederentdecken mittels Landschafts- und Lebensmittelgenuss (Feigenküsse). Andere wirken wie Splitter aus dem Gesamtbild Leben, das heute geprägt vom Gestern, angenommen ohne Schuld und Scham (Italienische Verhältnisse, Schwedische Socken). Das bedeutet, wirklich etwas vom Vergangenen gelernt zu haben. Grob gefasst geht es in diesen Erzählungen um das Reisen, das Lieben, das Laufen, es geht um Lebendigkeit, darum dem Leben mehr oder etwas anderes als das Bisherige abzugewinnen, das Leben herausfordern. Das Lesen dieses Buches verführt zum Abtauchen in das (Liebes-)Leben anderer Seelen und jede dieser Geschichte hallt in der eigenen Seele nach.

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Mobbing auf dem Schulhof

6. Februar 2016 um 23:56 Uhr

Helga Gutowski: Graukatze. Kinderbuch
mit Illustrationen von Kerstin Meyer

Helga Gutowskis zweites Kinderbuch „Graukatze“ spielt in einer Plattenbausiedlung. Die Hauptfiguren: die zehnjährige Helen, ihre Oma, ihre neue Freundin Antonia, der fünfzehnjährige Ben und seine Totenkopf-Bande, ein Kanarienvogel namens Paule und, wie der Titel des Buches schon verrät, eine Katze.

Eigentlich ist Helen mit ihrem Leben ganz zufrieden. Sie lebt in einem großen Haus, mag ihre Nachbarn, vor allem den alten Herrn Petrus und dessen Kanarienvogel Paule, das Baby Kuddel, den Hausmeister Herrn Specht und dessen Hund Hasso. Vor allem aber mag Helen ihre Oma. Bei dieser lebt sie seit dem Tod ihrer Mutter, an die sie sich kaum noch erinnern kann. Bei Oma fühlt sie sich aufgehoben und behütet, auch wenn sie sich manchmal heimlich eine Mutter wünscht, auch obwohl sie weiß, dass Oma von vielen Dingen die Helen bewegen keine Ahnung hat und davon mitunter auch gar nichts wissen will. Die Oma singt sich manchmal das Leben schön, so schön wie es eben geht, wenn das einzige Lied welches ihr in den Sinn kommt Brechts Haifischsong ist. Den mag Helen nicht sonderlich, auch wenn er zum Leben in der Plattenbausiedlung durchaus passt.

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Ein Blick in das Innere des Bösen

um 23:52 Uhr

Ursula Maria Wartmann: Pension Vera. Roman

Kurz zusammengefasst last sich der Plot von Ursula Maria Wartmanns neuen Roman “Pension Vera” wie folgt beschreiben: Unzufriedenen Alte, die Mutter Vera, tyrannisiert seit über fünf Jahrzehnten ihren etwas aus der Form geratenen, nach Liebe und Zuneigung suchenden Sohn Marek. Mit seinen 59 Lebensjahren ist es diesem nicht gelingen, eine Frau, eine Liebe zu finden. Er ist ein Mörder, dessen Mörderlaufbahn eher zufällig beginn. Diese Lesart von „Pension Vera“ ist eine, die sich auf den ersten Blick, nach dem ersten lesen aufdrängt und die eindeutig zu kurz greift. 

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Wahrnehmungslyrik

um 23:46 Uhr

Eva Förster: Das Gedächtnis des Handrückens. Gedichte.

Der dritte Gedichtband von Eva Förster, Das Gedächtnis des Handrückens, geht unter die Haut, thematisch und sprachlich. Da ist eine Autorin, die scheinbar gemächlich durch die Großstadt Berlin schlendert, die Sinne weit auf für alles, was einem in so einer Stadt begegnen kann. Wie eine Fischerin zieht sie mit dem Netz ihrer Aufmerksamkeit durch die Straßen und fängt dabei Liegengebliebenes ebenso ein wie Erinnerungsfetzen, Weggeworfenes. So mancher Auswurf des Lebens landet in ihrem Netz ebenso wie kleine Samen vom Wegesrand die neue Hoffnung in sich tragen. Begleitet wird dieser Akt des Fischens von Eindrücken vom aggressiven Summen des menschlichen Miteinanders, gemischt mit dem Stöhnen alter Mauern und verbunden vom Rauschen des Möglichen und Unmöglichen, des Schmerzhaften und des Lustvollen.

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Vom Reisen, vom Lesen und von der Hoffnung

um 23:26 Uhr


Anja Liedtke: Stern über Europa

Ein wenig Anlauf braucht die politisch uninformierte Leserin, wenn sie sich auf diesen Roman einlässt, aber es braucht nicht lange und dann steckt sie mitten drin in der Geschichte von Hanna und will unbedingt wissen, wie diese Geschichte weitergeht.

Hanna ist eine Journalistin die rund um den Globus reist und noch immer, auch wenn sie dies nach außen schon lange nicht mehr äußert, von der Motivation getrieben wird, aus der heraus sie den Beruf einmal erlernt hatte: „…weil das Leid anderer Lebewesen sie in ihrem Wohlbefinden störte und gegen ihr Rechtsempfinden verstieß. Insbesondere, wenn Menschen gedemütigt und in ihrer Gesundheit gefährdet wurden, und wenn ihnen ihre Lebensgrundlage, die Erde genommen wurde.“

Neben Hanna gibt es noch den Fotografen Jens. Die Beziehung der beiden geht weit über eine Arbeitsbeziehung hinaus und hangelt sich irgendwo zwischen Freundschaft und Liebe entlang. Auf den vielen gemeinsamen Reisen haben sie einander besser kennengelernt, als sich die meisten Paare kennen. Sie akzeptieren die jeweiligen Macken des Anderen und können sich in Ruhe lassen, wenn einer Ruhe benötigt. Jens ist ein Ästhet, dessen Augen das Licht messen und den jeweils passenden Bildausschnitt finden. Hanna ist getrieben von Neugier. Sie will wissen, wie die Welt beschaffen ist und wie sie sich verändern, verbessern lässt. Beide haben in Deutschland, Essen nicht nur eine Redaktion für die sie unterwegs sind, sondern auch ihre Lieben.

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Von Eitelkeiten, Schmerz und dem wilden Leben

28. Februar 2015 um 02:34 Uhr


Cornelia Becker: Die Unsterblichkeit der Signora Vero

Vielen Romanen werden von Autoren Zitate anderer Autoren vorangestellt. Meist wohlklingend und inhaltsschwer erschließt sich der Leserin nicht immer der Zusammenhang. Warum steht dieses Zitat an dieser Stelle? Anders ist dies beim vorliegenden Roman von Cornelia Becker. „Die meisten Menschen leben in den Ruinen ihrer Vergangenheit.“ Dieses Zitat von Jean Cocteau ist Programm. In einem Satz fasst es zusammen, worum es in diesem Roman geht: unterschiedlichen Formen von Verhaftet-Sein im Vergangenen. 

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Spannung die hungrig macht.

um 02:27 Uhr


J. Monika Walther: Himmel und Erde. Kriminalroman.
Ein KSB-Genuss-Krimi.

In Himmel und Erde spinnen sich alle Storyfäden um die Wirtin Ida Waschinsky und ihr Lokal „Zur alten Schleuse“. Hier fängt die Geschichte an und, im weitesten Sinne, endet sie auch hier. Ida und ihr alter Hof am Rande der Münsteraner Schleusen bilden den nicht nur kulinarischen Rahmen dieses Genuss-Krimis. Und ein Genuss ist dieser Kriminalroman, so viel sei vorab verraten. Nicht nur wegen der Gerichte, die Ida ihren Gästen vorsetzt – wäre ich eine Köchin, ich wäre versucht, dass eine oder andere Gericht nach zu kochen, so aber muss ich wohl warten, bis mir eine Ida begegnet. Nein, vor allem die genaue Figurenzeichnung und das Geschick der Autorin, verschiedene Handlungsstränge miteinander zu verweben und zu einem nachvollziehbaren und glaubwürdigen Ende zu führen machen den eigentlichen Lesegenuss dieses Kriminalromans aus.

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