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	<title>tatmoor.de &#187; Zettelkasten</title>
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		<title>Zeit</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Jun 2011 14:21:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Zettelkasten]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Zeit ist wie eine Feder: Unter Spannung schnellt sie an uns vorbei und wir hetzen atemlos hinterher. Ohne Spannung verharrt sie reglos und beschert uns endlose Momente.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Zeit ist wie eine Feder:<br />
Unter Spannung schnellt sie an uns vorbei und wir hetzen atemlos hinterher.<br />
Ohne Spannung verharrt sie reglos<br />
und beschert uns endlose Momente.  </p>
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		<title>Die Tagung</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 20:20:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>

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		<description><![CDATA[Guten Abend! Mein Name ist Maria Storer. Als Diplom Kriminolgin habe ich den Auftrag, Ihnen, den praktizierenden  Kriminalisten, heute etwas über das Phänomen Rache zu erzählen. Die Definition von Rache folgt auch in unserer modernen, westlichen Gesellschaft den alten Prämissen von Zerstörung und Primitivität. Sie erlauben, dass ich meine geschätzten Psychologen-Kollegen Böhm und Kaplan zitiere, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Guten Abend!<br />
Mein Name ist Maria Storer. Als Diplom Kriminolgin habe ich den Auftrag, Ihnen, den praktizierenden  Kriminalisten, heute etwas über das Phänomen Rache zu erzählen. Die Definition von Rache folgt auch in unserer modernen, westlichen Gesellschaft den alten Prämissen von Zerstörung und Primitivität. Sie erlauben, dass ich meine geschätzten Psychologen-Kollegen Böhm und Kaplan zitiere, deren erst kürzlich erschienener Band „Rache &#8211; Zur Psychodynamik einer unheimlichen Lust und ihrer Zähmung“ im Ankündigungstext Rache „als primitive, destruktive Kraft“ beschreiben, „die allen Individuen, Gruppen und Gesellschaften innewohnt &#8211; ein zerstörerisches Potenzial, das sich unter bestimmten Umständen mit Macht den Weg an die Oberfläche bahnt.“ Böhm und Kaplan identifizieren die dem Phänomen innewohnenden Motive als psychologische „Verknüpfung von Vorurteilen, Verfolgung, Rassismus und Gewalt.“ So weit, so gut.<span id="more-237"></span>Rache ist in unserer Kultur also noch immer Etwas Verpöntes. Ich erzähle Ihnen gewiss nichts Neues und gehe in diesem Punkt auch mit meinen geschätzten Kollegen konform, wenn ich behaupte, dass allein der Gedanke an Rache eine große Macht hat. Allerdings gehe ich, entgegen der allgemeinen Betrachtungsweise, davon aus, dass Rache die Seele nicht vergiftet, sondern Rache reinigt. Keiner darf es, aber jeder will es.</p>
<p>Um Ihnen meine Haltung nahe zu bringen und zu verdeutlichen, werde ich Ihnen jetzt die Geschichte einer Frau vorlesen, deren psychisch verstörtes Leben einzig durch den Rachegedanken ein für sie sinnvolles Leben wurde:</p>
<p>„Wann immer die Vergangenheit mich durchflutet wie ein vergifteter Fluss, spüre ich diesen Sog ins Nichts. Diese Stimme im Kopf, die mir flüstert „Du hässliches, nutzloses Ding“. Ich lebe schon so viele Jahre mit dieser Stimme, konnte sie nicht aus meinem Kopf vertreiben, aber inzwischen weiß ich, dass ich ihr keinen Raum mehr geben darf, sich in mir auszubreiten. Deswegen ziehe ich mir heute, sobald ich diese Stimme höre, meine Waldjacke über und pfeife nach den Hunden.</p>
<p>Als Erster steht Elias, der Retriever, neben mir. Tänzelt auf weichgoldenen Pfoten. Müde, die Vorderläufe eingeknickt, streckt sich Toni, der Labrador, auf seinem Schlafplatz im Flur. Wie Geschwister kommen sie mir vor, müssen ständig miteinander rangeln. Wenn nicht um meine Aufmerksamkeit oder den Futternapf, dann darum wer wen als nächstes Bespringen darf.</p>
<p>Im Spiegelbild hängt mir eine Strähne grauen Haares ins Gesicht. 45 musste ich werden, um dieses Gesicht zu mögen. Trotz der Lachfalten an den Augen, der Gramfalten in den Mundwinkeln, trotz schlaffer werdender Haut am Hals. Bernhardinerwangen werd ich mal bekommen, wissen Sie, so wie die Merkel. Meine Therapeutin sagt, es sei viel besser, mich mit der mächtigsten Frau im Land zu vergleichen, als mich mit den verletzenden Meinungen der Hochglanzmagazine zu identifizieren. Aber egal. Elias ist jedenfalls immer der Erste der mich hört. Er springt an mir hoch. Ein zugeneigter Hundekuss gepaart mit egoistischer und ziemlich feuchter Hundeungeduld. Soll wohl heißen „Quatsch nicht, komm lieber!“. Ich wische den Hundesabber ab, packe die Leinen, die Dummies, ziehe das Basecap ins Gesicht.</p>
<p>Die Erde dampft und glänzt vom Regen der Nacht, während die Morgensonne die Nässe gierig aufsaugt. Nebelschwaden in der Straße. Ein seltener Anblick, selbst zu dieser frühen Stunde. Drei Straßenzüge weiter endet die Stadt. Beginnt der Wald mit seinem Duft nach Pilz und Moos und Nässe. Die Jungs jagen sich gegenseitig ein Stück morsches Holz ab.  Ich atme Erde, Wasser, Licht und Luft.</p>
<p>Drei Kilometer von der Wohnung entfernt, auf einer Lichtung im Hauserwald, apportieren Toni und Elias die Dummies, die ich wieder und wieder in das Dickicht des Unterholzes werfe. Wer ihn mir bringt, bekommt ein Leckerli. Das motiviert sie weiterzusuchen, auch wenn die empfindlichen Nasen abgelenkt werden, von der aufsteigenden Fäulnis verwesender Kleintiere.<br />
Eineinhalb Stunden dauert dieses tägliche Ritual. Im Anschluss machen wir Picknick. Es gibt Kekse für die Jungs, Kaffee aus der Thermoskanne und eine Zigarette für mich.<br />
Toni und Elias dösen. Ich liege mit dem Kopf auf Tonis Flanke und stelle mir vor wie es wäre, könnte ich mich wie ein normaler Mensch verhalten. Normal.<br />
Gaus`che Kurve, kennen Sie doch. Normal ist alles im Mittelbereich der Kurve. Ich stelle mir vor, da wäre einer, von dem könnte ich mich berühren lassen, könnte lachen mit ihm, könnte vielleicht vertrauen. Manchmal sehne ich mich so sehr nach Berührung und Nähe, dass mir die Haut davon schmerzt.  Aber in meinem Leben gab es bisher nur flüchtige Begegnungen. Mir fehlt der Mut, über etwas anderes zu sprechen, als über die Jungs. Er würde sowieso wieder alles zerstören. Seit zwanzig Jahren habe ich ihn nicht gesehen und trotzdem höre ich seine Stimme.<br />
Egal wie oft ich dieses therapeutische Mantra aufsage „Du bist erwachsen, er kann dir nichts mehr tun, hat keine Macht mehr über Dich!“ es gibt keine Sicherheit, kein Selbstvertrauen. Das gibt mir nur die andere Stimme, die Starke. Sie sagt: ‚Erst wenn Einer von Euch von dieser Erde verschwindet, wenn ihr nicht mehr die gleiche Luft atmet, erst dann wirst Du wirklich Frieden haben’.<br />
Wissen Sie, diese Stimme ist der Grund dafür, dass wir jeden Tag auf diese Lichtung gehen.</p>
<p>Denken Sie nicht auch manchmal, dass das Böse vernichtet gehört. Und dass Sie, wenn niemand außer Ihnen das Böse sehen will, die Dinge eben selbst in die Hand nehmen müssen?<br />
Ich weiß nicht, ob ich meinen Plan jemals umsetzen werde, aber allein die Vorbereitung gibt mir eine Energie, wie ich sie vorher nie gespürt habe. Ich gebe zu, Toni und Elias sind dabei meine unfreiwilligen Helfer.  Und das ist mein Traum:<br />
Er wird schon noch erfahren, was aus seiner Maria geworden ist, aus seinem Gottesgeschenk. Ich werde das Böse aus seiner Höhle locken. Auch wenn ich mich dafür noch einmal  seinen giftigen Worten und seinen fleischigen Händen aussetzen muss. Ich werde ihn letztes, ein hoffentlich tödliches Mal umarmen. Die reuevolle Tochter werde ich spielen, die in den Schoß der Familie heimkehrt. Die Tochter, die endlich zugibt, dass sie sich nur wichtig machen wollte mit ihren erfundenen Geschichten, ihren Lügen über ihn. Die heimkehrende Tochter, die scheinbar willig seine verborgenen Träume wahr werden lässt.</p>
<p>Toni und Elias haben schon genug Material gesammelt. Wussten Sie, dass eine Zecke ohne Futter 7 Jahre überleben kann? Ich habe schon zwanzig Tupperbüchsen voll davon. Stehen alle im Keller. Den Tieren geht es gut da. Ich habe Zweige und Gras in die Büchsen getan, damit sie sich nicht so fremd fühlen. Wenn ich alle Tiere auf ihn loslasse, liegt sein Risiko zu sterben bei zwei bis fünf Prozent. Obwohl, sterben muss er gar nicht. Er muss nur unschädlich gemacht werden. Bewegungsunfähig, vom Leben abgeschnitten. Leiden soll er, so wie ich leiden musste.</p>
<p>Wissen Sie, ich habe zehn Jahre gebraucht, ihn mir vom Leib zu halten, obwohl ich doch längst den Kontakt zu ihm abgebrochen hatte. Noch zehn Jahre danach hab ich jede Nacht seine suchende Hand auf meinen Schenkeln gespürt. Heute, also wenn er jetzt im Traum da ist, dann kommt er mir zwar nah, aber er kann mich nicht mehr berühren. Ich trickse ihn aus. Ich wache einfach auf und weg ist er!</p>
<p>Ich habe gelernt Geduld zu haben, auch wenn ich manchmal aufwache, nachts, voller Panik und nass wie ein Baby. Dann fühle ich mich wie ein Adrenalinjunkie auf der Rückreise von einem Horrortrip. Wenn ich erwache aus solchen Träumen, lausche ich dem Atem der Hunde. Atme mich mit ihnen in Gleichklang. Öffne meine Augen erst, wenn ich mich beruhigt habe.<br />
Wenn ich erwache, wachen auch Toni und Elias auf. Es ist, als würden sie spüren, dass ich ihre Nähe und ihren Schutz brauche. Niemand wagt es, sich mir zu nähern, wenn die Jungs zähnefletschend und ins Dunkel knurrend neben mir wachen. Manchmal denke ich, sie als können ihn spüren, obwohl er doch nur ein geträumter und erinnerter Schlafstörer ist. ‚Die Vertreibung des bösen Geistes’ nenne ich das.<br />
In diesen Momenten ist es sehr hilfreich, an die Büchsen im Keller zu denken. Ich stelle mir vor, wie ich, im enganliegenden Kostüm, mit roten Highheels an den Füßen, den Trenchcoat lässig über den Arm geworfen, in Ramsau aus dem Bus steige.<br />
Ramsau, das ist irgendwo im Berchtesgadener Land, da wohnt er. Den Ort stelle ich mir vor wie eine verkitschte Postkartenidylle. Von Pflanzen überwucherte Balkone, fette Kühe auf grünen Weiden und im Hintergrund, dunkel, die schneebedeckten Weltenwächter.<br />
Versunken in den Anblick der weißen Bergmützen im strengen Himmelsblau, werde ich warten auf den Augenblick, in dem sich alles entscheidet.<br />
Dann, wenn kein „würde, könnte, hätte“ mich mehr bremst, werde ich mir sein Leben holen. Auge um Auge, das sagt schon seine Bibel.</p>
<p>Vor dem Gartentor der Berningerstraße 28 werde ich mir ordnend durchs Haar streichen. Atmen. Klingeln. Lächeln.<br />
Da steht er dann. In der Tür. Graue Haare wird er haben und die merkwürdige Straffheit der Haut hält sicher noch immer seinen prallen Körper fest. Ein in die Jahre gekommener Hengst. Unverkennbar.<br />
Papa wird so tun, als hätten wir uns erst gestern gesehen. Anblaffen wird er mich „Willste Wurzeln schlagen oder kommste rein?“ und genau in dem Moment werden meine letzten Zweifel ausgeräumt.<br />
„Die verlorene Tochter kehrt zurück in den Schoß der Familie“ wird er sagen und das kleine Wörtchen Schoß mit einem schmierigen Lächeln ausspucken. Er wird mich in seine Arme nehmen. Das wird der entscheidende Augenblick. Ich darf nicht erstarren wie das Kaninchen, muss die Übelkeit ignorieren. Kotzen kann ich später.<br />
Ich werde seine Umarmung erwidern, mich sanft an ihn schmiegen, ihm übers Haar streichen. Werde die Zecken auf ihm verteilen, ihm ins Hemd, in die Hose schütten. Auf seine Handtücher, ins Bett, sie auf dem Sofa verteilen.<br />
Wenn ich sein Haus verlasse, wird es die neue Heimstatt tausender von Zecken sein. Meine Zeckenpest wird über ihn kommen.</p>
<p>So klein und hungrig wie die Tiere sein werden, wird es eine Weile dauern, bis er sie bemerkt. Jedes dieser Tiere trägt die Möglichkeit eines schnellen Todes oder langjähriger körperlicher Gebrechen in sich. Eines wird ihn brechen.<br />
Der Gedanke an sein Leiden bereitet mir körperliches Wohlbehagen. Seine langsame Erkenntnis. Ja, seine Krankheit wird mein Abschiedsgeschenk. Und weil sein Sprachzentrum so gelähmt sein wird wie der Rest seines Körpers, kann er seiner Wut nicht einmal Ausdruck geben.“</p>
<p>Meine Damen und Herren, die Quintessenz dieser mich faszinierenden Geschichte lautet: Rache ist Etwas sehr Befreiendes und genau dies macht sie so gefährlich und genau damit sorgt das Phänomen Rache dafür, dass Sie liebe Kriminalisten und Kriminalistinnen nicht arbeitslos werden.<br />
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.<br />
Begleitet vom erst verhaltenen, dann stärker werdenden Beifall, verlässt Maria Storer die Bühne. Sie strebt, umringt von einer Gruppe der anwesenden Kriminalisten, in ein angestrengtes Gespräch mit ihnen verwickelt, dem Ausgang entgegen. Einzig Martin Hitzinger, Kriminalkommissar aus Traunstein, Berchtesgadener Land, sitzt, nach Ende des Vortrages, noch lange nachdenklich auf seinem Platz.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2010</p>
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		<title>Die gute Stube</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 20:16:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Haus in einer dunklen Seitengasse alt und verwittert, gänzlich unsaniert. Die Eingangstür aus dem Baumarkt, Sprelacart. Mit Kunstharz bezogene Schichtstoffplatten, Kiefer furniert, Made in GDR. Ein Schritt durch diese Tür und ich bin in einer Zeit vor 30 Jahren. Ein Schankraum. Die Holztäfelung an den Wänden, Naturholz und die vergilbte Raufasertapete sind das einzig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Haus in einer dunklen Seitengasse alt und verwittert, gänzlich unsaniert. Die Eingangstür aus dem Baumarkt, Sprelacart. Mit Kunstharz bezogene Schichtstoffplatten, Kiefer furniert, Made in GDR. Ein Schritt durch diese Tür und ich bin in einer Zeit vor 30 Jahren. Ein Schankraum. Die Holztäfelung an den Wänden, Naturholz und die vergilbte Raufasertapete sind das einzig Helle. Die dunkelbraune Decke mit dem einen halben Meter in den Raum gezogenen Rand macht aus dem mindestens fünf Meter hohen Raum eine Hutzenstube. Vor 30 Jahren war das modern und gleichzeitig Inbegriff der Gemütlichkeit eines Arbeiter- und Bauernstaates. Die gute Stube des Ostens, rauchgeschwängert und leer. <span id="more-235"></span>An vier Tischen sitzen fünf Personen, alle rauchen. Der Qualm zieht wie ein Zeitschleier durch meinen Kopf, wabert herum. Es ist, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen, als gäbe es die letzten 30 Jahre nicht, als gäbe es nur diesen Raum und mich. Ich schrumpfe auf Kindergröße.<br />
Eine Kellnerin weist mir den Weg in den Saal. Auch hier: alles braun. Holzverkleidung, Sprelacart-Möbel, praktische Kargheit. Selbst die großblumigen Malimo-Gardinen in gelbbraunlila werden von der Farbe Braun dominiert. Nur die handgedrechselte Eckbank mit dem geschnitzten Ornamentmuster erinnert an etwas Lebendiges. Das Holz dieser Bank war schließlich einmal ein Baum.</p>
<p>Der Blickfang im Saal ist eindeutig ein handgemaltes Bild vom Watzmann, im Goldrahmen. Der berggewordene König, dessen größte Freude die Qual seiner Mitmenschen war. Ich setze mich links neben ihn auf die Eckbank, an einen großen runden Tisch mit Glasplatte. Die handgeklöppelte Tischdecke unter der Glasplatte fällt mir auf, als die Kellnerin meinen Grog auf die Tischplatte stellt. Am heißen Glas wärme ich meine Hände.<br />
Den Blick auf das vergilbte Klöppelwerk gerichtet, überlagern sich in mir die Zeiten. Aus der Wirtschaft „Weißes Roß“ in Leipzig wird der „Goldene Hirsch“ in Rohrbach, Erzgebirge. In der holzvertäfelten braunen Gemütlichkeit sitze ich im Kreise der nächsten Verwandten: Vater, Mutter, Brüder und die Wirtsleute. Es ist Silvester. Jedes Jahr am selben Ort, dasselbe Spiel. Vor mir ein Teller mit Kartoffeln und einem halben Karpfen blau, schon kalt. Sein trübes Auge starrt mich an. Ich sehe die noch immer schimmernden Schuppen, den abgespreizten Kiemendeckel. Durch den Tod ausgetrocknet. Kein Sauerstoff wird hier mehr aufgenommen.<br />
„Iss endlich!“ dröhnt die Stimme meines Vaters in meine Überlegungen.<br />
Die anderen am Tisch sind mit ihrem Kaffee fertig, meinem Vater reißt der Geduldsfaden. Er nimmt meine Gabel, hackt auf dem Karpfen herum, bis ein Stück davon an der Gabel hängen bleibt. Die Gabel mit dem Fisch kommt meinem Mund bedrohlich nahe. Ich weiche mit dem Kopf zurück, seine linke Hand packt mich im Nacken, mit der Rechten zwingt er den Fisch in meinen Mund. Über Lippen und Zunge breitet sich Fischgeschmack aus. Ich schlucke, ich würge.</p>
<p>Hirschgeweihe. Das ist es. Das ist der Unterschied. Hier im „Weißen Roß“ gibt es keine Hirschgeweihe. Ich nehme einen Schluck vom inzwischen kalten Grog, zünde mir eine Zigarette an und hoffe, es möge für lange Zeit die Letzte unter einem Bild vom Watzmann sein.<br />
Ich zahle. Ich gehe. Die Tür zum Schankraum schließt sich hinter mir, ich kann wieder durchatmen.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2010</p>
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		<title>Das Haus</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Mar 2011 20:14:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Sie griff nach ihren Zigaretten und streifte dabei mit dem Arm ihr Portemonnaie vom Tisch. Wie aus weiter Entfernung, als würde es sie nichts angehen, folgte ihr Blick dem Flug der sich öffnenden Börse. Noch bevor Franka realisiert hatte, was geschah, schob sich eine Hand in ihr Blickfeld und sammelte das am Boden Liegende zusammen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie griff nach ihren Zigaretten und streifte dabei mit dem Arm ihr Portemonnaie vom Tisch. Wie aus weiter Entfernung, als würde es sie nichts angehen, folgte ihr Blick dem Flug der sich öffnenden Börse. Noch bevor Franka realisiert hatte, was geschah, schob sich eine Hand in ihr Blickfeld und sammelte das am Boden Liegende zusammen.<br />
„Ihr Mann?“ Die Hand hielt ihr ein Foto entgegen, während die andere Hand den restlichen Inhalt des Portemonnaies auf den Tisch legte. <span id="more-233"></span>„Ja.“ antwortete Franka, während ihr Blick langsam von der Hand zum Gesicht des Fragers schwenkte. „Er ist zu Hause, in Berlin.“ Franka holte tief Luft und lächelte. „Wollen Sie sich nicht setzen?“ Mit den Worten  „Franka Simonis, nicht verwandt mit Heide.“ streckte sie dem Unbekannten ihre Hand entgegen. Fest und unerwartet warm erwiderte er ihren Händedruck.<br />
„Johannes Brinkshaw. In Vitte geboren und hier verwurzelt. Ich hab es versucht, aber ich komme hier einfach nicht weg.“ Mit diesen Worten zog er den Stuhl vom Tisch und setzte sich. „Martin, mach mal zwei Schwatten“ rief er dem Wirt des Café Kanne zu.<br />
„Für mich bitte nur Kaffee“ protestierte Franka „Wodka vertrag ich nicht“.<br />
Johannes lachte. „Ich bin der Inselfischer, der Feuerwehrmann und der Rettungssanitäter, da passiert Ihnen schon nichts.“ Ehe Franka etwas erwidern konnte, stellte der Wirt die Getränke auf den Tisch.<br />
„Und außerdem gehören ihm fünf der zwölf Hiddenseer Bootstaxen.“  Der wird grinst. Johannes ignoriert ihn und fragt Franka: „Aber was treibt Sie in diesem ungemütlichen Herbst zu uns?“<br />
Bevor Franka antwortete, zog sie eine F6 aus der zerknitterten Schachtel, zündete sie an, inhalierte. „Ich mache hier so etwas wie eine Klausur, ich muss einfach mal allein sein“ Sie rollte die Zigarette zwischen den Fingern. „Franz, mein Mann, hat ohne mich zu fragen beschlossen den Job zu wechseln. Er wird jetzt Geschäftsführer bei Mediplay. Sein Traumjob. Er hat ja Recht, dann haben wir endlich Geld für ein Kind. Aber ich will ein Kindnicht allein erziehen? Ich will nicht nur für Kind und Haushalt da sein, während er, der große Geschäftsmann, uns am Wochenende mal besuchen kommt. Dafür will ich meinen Beruf nicht aufgeben.“ Franka schüttelte den Kopf und wischte mit dem Handrücken eine Träne aus dem Augenwinkel.<br />
„Haben Sie Kinder?“ fragte Franka während sie die Zigarette ausdrückte und Johannes in die Augen sah. Von dieser plötzlichen Aufmerksamkeit überrascht, versuchte er sein Erröten hinter der hastig ergriffenen Kaffeetasse zu verbergen.<br />
Die ganze Zeit hatte er sie beobachtet. Wie sie erzählte, den Blick aufs herbstlich zerzauste Meer gerichtet. Wie die etwas zu kurz geratenen Finger nervös an der Zigarette herumdrückten. Hatte auf den blassen Mund in dem noch blasser wirkenden Gesicht geschaut.<br />
„Nein, leider, keine Kinder. Dafür braucht es eine Frau und ehrlich gesagt, mir laufen alle davon.“ Aus dem Augenwinkel registrierte Johannes das Aufblitzen von Wachsamkeit in Frankas Augen. „Nicht falsch verstehen“ rechtfertigte er sich „nicht ich bin das Problem, die Insel ist es. Ihr Städterinnen findet es hier für einen Urlaub idyllisch, aber hier leben?“ Obwohl er sich bemühte, es gelang ihm nicht ganz, den bitteren Unterton aus seiner Stimme herauszuhalten. „Und bevor Sie fragen, hier gibt es genau 7 Frauen in meinem Alter, eine Auswahl, mit der eine Städterin sich auch nicht begnügen würde!“ Frankas herzhaftes Lachen wirkte auf Johannes entspannend. „So ist das eben mit mir, ich kann mit den Frauen von der Insel nichts anfangen und die Frauen aus der Stadt laufen mir davon.“<br />
„Also ist die Bindung an die Insel stärker als die Liebe?“ fragte Franka.<br />
„Ich weiß nicht, existentieller vielleicht. In der Stadt fühle ich mich so fremd mit mir, dass ich die Liebe verliere. Ich glaube, ich kann nur hier auf der Insel lieben.“<br />
Franka lachte: „Von der Krankheit hab ich ja noch nie gehört.“<br />
Johannes ließ sich von Frankas Lachen anstecken. „Wurzeln sind das. Mein Ururgroßvater stammt hier von der Insel. Sein Sohn war Gärtner bei Asta Nielsen.<br />
„Im Haus von Max Taut?“ rief Franka aus. „Der Rundbau?“<br />
„Sind Sie Architektin oder so? Das weiß sonst niemand.“ Johannes rückte seinen Stuhl ein wenig vom Tisch ab und musterte Franka so, als würde er sie erst jetzt wirklich wahrnehmen.<br />
„Mein Vater war Architekt und überall hingen bei uns die Bilder  von dem Haus.“ Franka klemmte sich eine Haarsträhne hinters Ohr.<br />
„Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen das Haus. Habe es vor vier Jahren von einem dieser Pleitespekulanten gekauft.“<br />
Franka und Johannes schwiegen eine Weile. Franka in der Erinnerung an ihren Vater versunken, Johannes den Blick auf Franz Foto gerichtet. Das Foto schien in dem Schweigen zwischen den beiden zu wachsen, es nahm mehr und mehr Raum ein. Franka zündete erneut eine Zigarette an. Sie inhalierte tief und blies Rauchringe in die Luft. Sie drückte die Zigarette im Aschenbecher aus, nahm einen 10€ Schein aus ihrer Börse und legte ihn auf den Tisch. Sie packte das Foto, das Portemonnaie und ihre Zigaretten in die Tasche. Johannes sah ihr stumm zu.<br />
„Nun kommen Sie schon“ forderte Franka ihn auf „denken Sie etwa ich lasse mir so ein Angebot entgehen?“</p>
<p>Zwei Tage später. Johannes erwartete Franka zum Abendessen. Die vergangenen Tage waren sie viel am Strand spazieren gegangen, oder hatten Wein getrunken und sich angeregt vor seinem Kamin unterhalten. Auch an diesem Tag wärmte das Holzfeuer den großen Raum. Beide sahen schweigend aus dem Fenster. Über dem Schilf am nahen Ufer ging die Sonne unter.<br />
„Ich kann nicht verstehen, wie eine Frau diesen Ort freiwillig verlassen kann“ sagte Franka in den Raum.<br />
„Dann bleib!“ antwortete Johannes.<br />
„Und Franz?“ fragte Franka und trat noch näher an das Fenster. Johannes legte seinen Arm um Frankas Schulter. „Du musst Dich nicht entscheiden. Nicht jetzt.“</p>
<p>Am nächsten Morgen, das Kaminfeuer war fast erloschen, das runde Haus vom kühlen Licht der frühen Stunde erleuchtet, saß Franka in einen von Johannes Pyjamas gekuschelt auf dem Teppich vor dem Kamin. In ihrer Linken eine Zigarette, in der Rechten ein Glas Cabernet. Vor ihr auf dem Boden lagen ihr Handy, ein Schlüsselbund und ein Zettel.<br />
„Bin auf dem Festland. Wenn Du gehst, zieh die Tür hinter Dir zu und wirf den Schlüssel in den Briefkasten. Wenn Du übermorgen noch hier bist, wirst Du mein Frühstück sein. Kuss. Johannes“</p>
<p>Aus diesem Plot &#8211; eine Schreibaufgabe im Rahmen der Prosawerkstatt 2009 &#8211; entstand die Geschichte:<br />
Franz und Franka lieben sich innig. Franka ist schon 39 Jahre. Beide wünschen sich ein Kind, haben aber wenig Geld zur Verfügung. Da bekommt Franz den Posten eines Geschäftsführers angeboten. Mehr Geld würde aber auch weniger Zeit bedeuten. Franka ist hin- und her gerissen und nimmt sich eine „Auszeit“ auf einer Insel. Dort lernt sie einen charmanten Mann kennen.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2010</p>
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		<title>Verlust</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 21:54:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Prosaminaturen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Puppe. Wo konnte sie sein? Warum kam sie ihr nur plötzlich in den Sinn? Die Puppe. Handarbeit. Von ihrer Mutter genäht, zu ihrem ersten Geburtstag. Weil die Mutter kein Geld hatte, aber noch Stoff übrig vom Hochzeitskleid. Die Hochzeit der Mutter mit dem Vater. Die Mutter in Pink, der Vater in Schwarz, das weiß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Puppe. Wo konnte sie sein? Warum kam sie ihr nur plötzlich in den Sinn? Die Puppe. Handarbeit. Von ihrer Mutter genäht, zu ihrem ersten Geburtstag. Weil die Mutter kein Geld hatte, aber noch Stoff übrig vom Hochzeitskleid. Die Hochzeit der Mutter mit dem Vater. Die Mutter in Pink, der Vater in Schwarz, das weiß sie, von dem Foto. Da tragen beide die Hochzeitstafel. 20 Stück rohes Fleisch vor den pinkschwarzen Körpern, Fleisch für den Grill. Hochzeitsgäste haben eben auch Hunger. Als die Mutter die Puppe nähte, da war die Hochzeit schon ein Jahr vorbei, die Scheidung zwei Monate. Schwarze Puppe mit pinkfarbenem Hosenanzug, gelben Tredlocks. Das waren bestimmt Wollreste aus der Fadenkiste. Der schlapprige Puppenbauch mit Watte gefüllt. Watte hält die Form nicht viele Jahre.<br />
Ganz platt war die Puppe, vom Knuddeln und Küssen und Kindertränen. Hat sie oft getröstet, wenn sie mal wieder nicht durfte, was sie wollte. Da konnte die Mutter auch stur sein.<br />
Sah nicht mehr schön aus, die Puppe, erinnerte peinlich an die vergangene Armut. Lag lange in der Ecke hinterm Bett. Jetzt ist sie weg. Weg, wie die Mutter.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2009</p>
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		<title>Verbissen ins Leben</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Jan 2010 21:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Veröffentlichungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wortsalat von Sylvia Tornau Klappentext: Das tatmoor ist der selbstgewählte Lebensraum der Leipziger Autorin Sylvia Tornau. Im tatmoor sammelt sie Eindrücke, Worte und Lebensbilder. Diese richtet sie an zu einer großen Tafel mit Wortsalaten, bestehend aus kleinen literarischen Formen und Lyrik. Thematisch unterteilt ist die vorliegende Sammlung in die Bereiche Alltägliches, Leben mit Kind, Liebe [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wortsalat von Sylvia Tornau</strong></p>
<p><a href="http://www.tatmoor.de/wp-content/uploads/verbisseninsleben.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-170" title="verbisseninsleben" src="http://www.tatmoor.de/wp-content/uploads/verbisseninsleben.gif" alt="verbisseninsleben" width="268" height="245" /></a></p>
<p>Klappentext:<br />
Das tatmoor ist der selbstgewählte Lebensraum der Leipziger Autorin Sylvia Tornau. Im tatmoor sammelt sie Eindrücke, Worte und Lebensbilder. Diese richtet sie an zu einer großen Tafel mit Wortsalaten, bestehend aus kleinen literarischen Formen und Lyrik.<br />
Thematisch unterteilt ist die vorliegende Sammlung in die Bereiche Alltägliches, Leben mit Kind, Liebe und Beziehung. Die &#8220;Kinderlieder&#8221; bilden den Abschluss dieses Bandes und sind gleichzeitig der Abschluss unter das Kapitel einer Kindheit in der Lebenslandschaft individueller Zerstörung.<br />
Der Salat schmeckt, die Worte nicht immer. Kosten Sie.</p>
<p><strong>Books on Demand<br />
ISBN 978-3-8391-4699-6, Paperback, 72 Seiten, 5,50 €</strong></p>
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		<title>„Plus Minus Null &#8211; Was von der Arbeit übrig bleibt“ von Sonja Ruf (Hg.)</title>
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		<pubDate>Sat, 03 Oct 2009 21:17:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Veröffentlichungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das dieser Anthologie zugrunde liegende Thema ist, wie der Untertitel schon impliziert, das Thema Arbeit. 23 AutorInnen präsentieren erlebte und zu Kurzgeschichten komprimierte Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten. Sie berichten von Mobbing und Qualitätsmanagement, von Kaffeepausen und der Angst vor dem Zuviel, aber auch von den wiederkehrenden Freuden und Kümmernissen des Berufsalltages. „Wie es sich in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.tatmoor.de/wp-content/uploads/plus-minus-null_180.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-162" title="plus-minus-null_180" src="http://www.tatmoor.de/wp-content/uploads/plus-minus-null_180.jpg" alt="plus-minus-null_180" width="180" height="295" /></a></p>
<p>Das dieser Anthologie zugrunde liegende Thema ist, wie der Untertitel schon impliziert, das Thema Arbeit. 23 AutorInnen präsentieren erlebte und zu Kurzgeschichten komprimierte Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten. Sie berichten von Mobbing und Qualitätsmanagement, von Kaffeepausen und der Angst vor dem Zuviel, aber auch von den wiederkehrenden Freuden und Kümmernissen des Berufsalltages.</p>
<p>„Wie es sich in einem Hospiz arbeitet, wie risikoreich ein Antiquitätenhändler zu seiner Ware gelangt, was einen Klempner mit einem Seelenklempner verbindet oder wie gefährlich für das Gemüt es sein kann, mit einer Bankangestellten verheiratet zu sein. (…) Wer kann sich schon auf seinem Arbeitsplatz noch sicher fühlen? Flexibilität ist gefragt. “ (Klappentext)</p>
<p>Die Leipziger Autorin Sylvia Tornau ist in dieser Anthologie mit der Kurzgeschichte „Auf der Kippe“ vertreten, eine Geschichte zum Thema Burnout in der Sozialarbeit.</p>
<p><strong>„Plus Minus Null“ von Sonja Ruf (Hg.), FHL-Verlag Leipzig Erschienen Mai 2009, Euro: 12,95</strong></p>
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		<title>DAS</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 20:12:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[ist Landschaft ist Nebel ist Finsternis. Finsternis macht blind. Blind stolpert hörend durch Landschaft. DAS dunkelt stumm schreit wortlos. Blinder Angstnebelgeruch macht taub. Blind stolpert gegen Taub fällt gegen DAS und bricht. Die blinde Taube schmeckt Tau und fliegt davon. © Sylvia Tornau, 2010]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>ist Landschaft<br />
ist Nebel<br />
ist Finsternis.<br />
Finsternis macht blind.<br />
Blind stolpert hörend durch Landschaft.</p>
<p><span id="more-47"></span></p>
<p>DAS<br />
dunkelt stumm<br />
schreit wortlos.<br />
Blinder Angstnebelgeruch<br />
macht taub.</p>
<p>Blind stolpert gegen Taub<br />
fällt gegen<br />
DAS<br />
und bricht.</p>
<p>Die blinde Taube schmeckt Tau<br />
und fliegt<br />
davon.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2010</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>tick tack</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/zettelkasten/lyrik/tick-tack-46.html</link>
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		<pubDate>Wed, 06 Feb 2008 20:03:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zeitschleife schmückt Sternenkopf. Sternzeit Mädchenzeit Nach zehn tickt die Zeitbombe. Zeitlauf ist Wettlauf um die Laufzeit. Zeitleiden Leidenszeit Zeitloses Leiden. Eiszeit macht Frostkleid. Still. Stand Wartezeit Lange Zeit Zeitbombe. Kopf ohne Schleife Sternenhaar fällt Kurze Zeit. Lebenszeit Zeitverkürzung Endzeit. Auszeit Zeitlebens Bedenkzeit. Zeit tickt. Zeit zwickt. Zeitbombe sprengt Frostkleid. Tick Tack Neuzeit Meine Zeit. © [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zeitschleife schmückt Sternenkopf.<br />
Sternzeit Mädchenzeit<br />
Nach zehn tickt die Zeitbombe.<br />
Zeitlauf ist Wettlauf um die Laufzeit.</p>
<p><span id="more-46"></span></p>
<p>Zeitleiden<br />
Leidenszeit<br />
Zeitloses Leiden.<br />
Eiszeit macht Frostkleid.</p>
<p>Still. Stand<br />
Wartezeit<br />
Lange Zeit<br />
Zeitbombe.</p>
<p>Kopf ohne Schleife<br />
Sternenhaar fällt<br />
Kurze Zeit.<br />
Lebenszeit Zeitverkürzung<br />
Endzeit.</p>
<p>Auszeit<br />
Zeitlebens<br />
Bedenkzeit.</p>
<p>Zeit tickt.<br />
Zeit zwickt.<br />
Zeitbombe sprengt Frostkleid.<br />
Tick Tack Neuzeit<br />
Meine Zeit.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2008</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>du</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/zettelkasten/lyrik/du-44.html</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Jan 2008 23:27:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>

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		<description><![CDATA[wenn wunschverzerrt mein himmel dunkelt dein strahlen mich streift wie möwenfeder im windigen spiel. kurz vor dem fall dein schweben über groben sandmeerweinen. nadelspitze felsen bröseln zeit ein schrei stummt zwischen uns lebenswürgen erbricht versuchten gleichklang. du wundest mich nicht. das zittern deines atems mich wärmt im schweben möwengleich. © Sylvia Tornau, 2008]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>wenn wunschverzerrt mein himmel dunkelt<br />
dein strahlen mich streift<br />
wie möwenfeder im windigen spiel.</p>
<p>kurz vor dem fall<br />
dein schweben über groben sand<span id="more-44"></span>meerweinen.<br />
nadelspitze felsen bröseln zeit<br />
ein schrei stummt zwischen uns<br />
lebenswürgen erbricht versuchten gleichklang.<br />
du wundest mich nicht.</p>
<p>das zittern deines atems mich wärmt<br />
im schweben möwengleich.</p>
<p><em>©</em> Sylvia Tornau, 2008</p>
]]></content:encoded>
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