Zeit
4. Juni 2011 um 16:21 UhrDie Zeit ist wie eine Feder:
Unter Spannung schnellt sie an uns vorbei und wir hetzen atemlos hinterher.
Ohne Spannung verharrt sie reglos
und beschert uns endlose Momente.
Die Zeit ist wie eine Feder:
Unter Spannung schnellt sie an uns vorbei und wir hetzen atemlos hinterher.
Ohne Spannung verharrt sie reglos
und beschert uns endlose Momente.
Guten Abend! Weiterlesen »
Mein Name ist Maria Storer. Als Diplom Kriminolgin habe ich den Auftrag, Ihnen, den praktizierenden Kriminalisten, heute etwas über das Phänomen Rache zu erzählen. Die Definition von Rache folgt auch in unserer modernen, westlichen Gesellschaft den alten Prämissen von Zerstörung und Primitivität. Sie erlauben, dass ich meine geschätzten Psychologen-Kollegen Böhm und Kaplan zitiere, deren erst kürzlich erschienener Band „Rache – Zur Psychodynamik einer unheimlichen Lust und ihrer Zähmung“ im Ankündigungstext Rache „als primitive, destruktive Kraft“ beschreiben, „die allen Individuen, Gruppen und Gesellschaften innewohnt – ein zerstörerisches Potenzial, das sich unter bestimmten Umständen mit Macht den Weg an die Oberfläche bahnt.“ Böhm und Kaplan identifizieren die dem Phänomen innewohnenden Motive als psychologische „Verknüpfung von Vorurteilen, Verfolgung, Rassismus und Gewalt.“ So weit, so gut.
Das Haus in einer dunklen Seitengasse alt und verwittert, gänzlich unsaniert. Die Eingangstür aus dem Baumarkt, Sprelacart. Mit Kunstharz bezogene Schichtstoffplatten, Kiefer furniert, Made in GDR. Ein Schritt durch diese Tür und ich bin in einer Zeit vor 30 Jahren. Ein Schankraum. Die Holztäfelung an den Wänden, Naturholz und die vergilbte Raufasertapete sind das einzig Helle. Die dunkelbraune Decke mit dem einen halben Meter in den Raum gezogenen Rand macht aus dem mindestens fünf Meter hohen Raum eine Hutzenstube. Vor 30 Jahren war das modern und gleichzeitig Inbegriff der Gemütlichkeit eines Arbeiter- und Bauernstaates. Die gute Stube des Ostens, rauchgeschwängert und leer.
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Sie griff nach ihren Zigaretten und streifte dabei mit dem Arm ihr Portemonnaie vom Tisch. Wie aus weiter Entfernung, als würde es sie nichts angehen, folgte ihr Blick dem Flug der sich öffnenden Börse. Noch bevor Franka realisiert hatte, was geschah, schob sich eine Hand in ihr Blickfeld und sammelte das am Boden Liegende zusammen. Weiterlesen »
„Ihr Mann?“ Die Hand hielt ihr ein Foto entgegen, während die andere Hand den restlichen Inhalt des Portemonnaies auf den Tisch legte.
Die Puppe. Wo konnte sie sein? Warum kam sie ihr nur plötzlich in den Sinn? Die Puppe. Handarbeit. Von ihrer Mutter genäht, zu ihrem ersten Geburtstag. Weil die Mutter kein Geld hatte, aber noch Stoff übrig vom Hochzeitskleid. Die Hochzeit der Mutter mit dem Vater. Die Mutter in Pink, der Vater in Schwarz, das weiß sie, von dem Foto. Da tragen beide die Hochzeitstafel. 20 Stück rohes Fleisch vor den pinkschwarzen Körpern, Fleisch für den Grill. Hochzeitsgäste haben eben auch Hunger. Als die Mutter die Puppe nähte, da war die Hochzeit schon ein Jahr vorbei, die Scheidung zwei Monate. Schwarze Puppe mit pinkfarbenem Hosenanzug, gelben Tredlocks. Das waren bestimmt Wollreste aus der Fadenkiste. Der schlapprige Puppenbauch mit Watte gefüllt. Watte hält die Form nicht viele Jahre.
Ganz platt war die Puppe, vom Knuddeln und Küssen und Kindertränen. Hat sie oft getröstet, wenn sie mal wieder nicht durfte, was sie wollte. Da konnte die Mutter auch stur sein.
Sah nicht mehr schön aus, die Puppe, erinnerte peinlich an die vergangene Armut. Lag lange in der Ecke hinterm Bett. Jetzt ist sie weg. Weg, wie die Mutter.
© Sylvia Tornau, 2009
Wortsalat von Sylvia Tornau
Klappentext:
Das tatmoor ist der selbstgewählte Lebensraum der Leipziger Autorin Sylvia Tornau. Im tatmoor sammelt sie Eindrücke, Worte und Lebensbilder. Diese richtet sie an zu einer großen Tafel mit Wortsalaten, bestehend aus kleinen literarischen Formen und Lyrik.
Thematisch unterteilt ist die vorliegende Sammlung in die Bereiche Alltägliches, Leben mit Kind, Liebe und Beziehung. Die “Kinderlieder” bilden den Abschluss dieses Bandes und sind gleichzeitig der Abschluss unter das Kapitel einer Kindheit in der Lebenslandschaft individueller Zerstörung.
Der Salat schmeckt, die Worte nicht immer. Kosten Sie.
Books on Demand
ISBN 978-3-8391-4699-6, Paperback, 72 Seiten, 5,50 €
Das dieser Anthologie zugrunde liegende Thema ist, wie der Untertitel schon impliziert, das Thema Arbeit. 23 AutorInnen präsentieren erlebte und zu Kurzgeschichten komprimierte Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten. Sie berichten von Mobbing und Qualitätsmanagement, von Kaffeepausen und der Angst vor dem Zuviel, aber auch von den wiederkehrenden Freuden und Kümmernissen des Berufsalltages.
„Wie es sich in einem Hospiz arbeitet, wie risikoreich ein Antiquitätenhändler zu seiner Ware gelangt, was einen Klempner mit einem Seelenklempner verbindet oder wie gefährlich für das Gemüt es sein kann, mit einer Bankangestellten verheiratet zu sein. (…) Wer kann sich schon auf seinem Arbeitsplatz noch sicher fühlen? Flexibilität ist gefragt. “ (Klappentext)
Die Leipziger Autorin Sylvia Tornau ist in dieser Anthologie mit der Kurzgeschichte „Auf der Kippe“ vertreten, eine Geschichte zum Thema Burnout in der Sozialarbeit.
„Plus Minus Null“ von Sonja Ruf (Hg.), FHL-Verlag Leipzig Erschienen Mai 2009, Euro: 12,95
ist Landschaft
ist Nebel
ist Finsternis.
Finsternis macht blind.
Blind stolpert hörend durch Landschaft.
Zeitschleife schmückt Sternenkopf.
Sternzeit Mädchenzeit
Nach zehn tickt die Zeitbombe.
Zeitlauf ist Wettlauf um die Laufzeit.
wenn wunschverzerrt mein himmel dunkelt
dein strahlen mich streift
wie möwenfeder im windigen spiel.
kurz vor dem fall Weiterlesen »
dein schweben über groben sand