Verlust

18. Januar 2010 um 23:54 Uhr

© Sylvia Tornau

Die Puppe. Wo konnte sie sein? Warum kam sie ihr nur plötzlich in den Sinn? Die Puppe. Handarbeit. Von ihrer Mutter genäht, zu ihrem ersten Geburtstag. Weil die Mutter kein Geld hatte, aber noch Stoff übrig vom Hochzeitskleid. Die Hochzeit der Mutter mit dem Vater. Die Mutter in Pink, der Vater in Schwarz, das weiß sie, von dem Foto. Da tragen beide die Hochzeitstafel. 20 Stück rohes Fleisch vor den pinkschwarzen Körpern, Fleisch für den Grill. Hochzeitsgäste haben eben auch Hunger. Als die Mutter die Puppe nähte, da war die Hochzeit schon ein Jahr vorbei, die Scheidung zwei Monate. Schwarze Puppe mit pinkfarbenem Hosenanzug, gelben Tredlocks. Das waren bestimmt Wollreste aus der Fadenkiste. Der schlapprige Puppenbauch mit Watte gefüllt. Watte hält die Form nicht viele Jahre.
Ganz platt war die Puppe, vom Knuddeln und Küssen und Kindertränen. Hat sie oft getröstet, wenn sie mal wieder nicht durfte, was sie wollte. Da konnte die Mutter auch stur sein.
Sah nicht mehr schön aus, die Puppe, erinnerte peinlich an die vergangene Armut. Lag lange in der Ecke hinterm Bett. Jetzt ist sie weg. Weg, wie die Mutter.

Mit der Jolle unterwegs auf der Elbe (Teil 1)

19. September 2008 um 18:57 Uhr

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20.08.09   Vorbereitung im Leopoldshafen, Seesportverein Dessau e.V.

Vor einer Reise ist immer viel zu tun. Planen, Packen, einkaufen. Das Boot muss geputzt, die nötigen Einzelteile wie Segel, Paddel und Werkzeug müssen gesucht und verstaut werden. Für den Notfall nehmen wir einen kleinen Motor mit, das Boot braucht noch eine Motorhalterung. So wie gedacht funktioniert das alles nicht, also fährt Lars kurz vor 20 Uhr zum Baumarkt. Schrauben kaufen für 15 Euro die Packung. In der Zwischenzeit baut der kleine Wolfgang eine neue Motorhalterung und ich klebe das Namensschild -Oma’ am Bug und den Namen des Heimathafens am Heck an.Zu unserem Glück ist heute Seesporttag, es sind viele Mitglieder im Verein, die mit anpacken. Allein auf uns gestellt könnten wir morgen nicht starten. Anruf bei Herrn Affelt, dem Vorsitzenden des Yachtclubs Postelwitz, Absprache, dass wir am nächsten Tag gegen 12 Uhr zum slippen ankommen.

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DAS

6. Februar 2008 um 22:12 Uhr

ist Landschaft
ist Nebel
ist Finsternis.
Finsternis macht blind.
Blind stolpert hörend durch Landschaft.

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tick tack

um 22:03 Uhr

Zeitschleife schmückt Sternenkopf.
Sternzeit Mädchenzeit
Nach zehn tickt die Zeitbombe.
Zeitlauf ist Wettlauf um die Laufzeit.

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du

26. Januar 2008 um 01:27 Uhr

wenn wunschverzerrt mein himmel dunkelt
dein strahlen mich streift
wie möwenfeder im windigen spiel.

kurz vor dem fall
dein schweben über groben sand

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Eingang Mutterschoß

um 01:04 Uhr

Ausgang Tod.
Gewissheit liegt auf der Strecke
Ichduersiees fragt sich durch
falsch undoder richtig
schwarz weiß unterbelichtete Vergangenheit.
So wird Zukunft buchstabiert.

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Zeit

10. Januar 2008 um 01:26 Uhr

die Linie neben meinem Mund,
die Risse in der Haut.
Du, neben mir.
Ein Jahr.
Ein Atemzug.

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die Freundin

um 01:18 Uhr

zertanzte Hochzeitsmärsche auf
regennassen Häuten wie
fremde Träume in meinem Blut
verfängt sich im Schleier
abgestandener Tage
mein Kuss wie täglich Brot.

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Was fett wird, frisst sich selber

um 01:12 Uhr

Wenn ihm ein Fehler,
in der Konstruktion seiner Bewegungen unterläuft,
schreit er.
Sie schlingt ihren Körper um den seinen.

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Stille

um 01:08 Uhr

Schwere des Schweigens
zwischen mir und mir
Entfernung.
Gleich fällt das Wort in den Grund.

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