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	<title>tatmoor.de &#187; Literaturtips</title>
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		<title>Moderne Lyrik die berührt</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 20:31:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[„Ich will glauben es sei Sommer“ Gedichte von Therese Chromik rezensiert von Sylvia Tornau Schon im Titel gesteht die Autorin einen gnadenlosen Optimismus. Durch einen wohlwollenden Glauben, bei aller Realitätsnähe der Texte, erschließt sich die Melancholie und Härte des Lebens in Lebensmut und Neugier. Und genau dies macht die Gedichte von Therese Chromik so lebensmild [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Ich will glauben es sei Sommer“ Gedichte von Therese Chromik</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Schon im Titel gesteht die Autorin einen gnadenlosen Optimismus. Durch einen wohlwollenden Glauben, bei aller Realitätsnähe der Texte, erschließt sich die Melancholie und Härte des Lebens in Lebensmut und Neugier. Und genau dies macht die Gedichte von Therese Chromik so lebensmild und berührend wie eine sternenklare Sommernacht.<br />
Dabei sind es vordergründig nicht die großen Themen die die Autorin in ihren Texten verarbeitet, sondern es sind die kleinen Alltäglichkeiten, die ausgelotet, abgewogen und betrachtet werden. Ganz nebenbei eingebettet in den Kosmos von Literatur, Philosophie und Moderne. Sprachlich virtuos und jedes Wort mit Bedacht gesetzt und dabei nie abrutschend ins Sprachlose oder Übermächtige. Jeder Text eine kleine Entdeckung. Manchmal absurd, manchmal ins Schwarze treffend und dabei immer präzise in ihren Bildern nimmt die Autorin ihre LeserInnen mit auf eine Reise ins Bekannte und ebnet mit ihren Sprache den Weg für einen neuen Blick darauf.</p>
<p>In mehreren Gedichten geht es um das Thema Schreiben. Um die Suche nach Worten, nach dem einen, dem richtigen Wort und es geht um das von den Worten gefunden werden. So z.B. in „Herzklappentext“, „Ermunterung“ oder in „Ermittlungen“ – hier fordert die Autorin gar ein Wort auf, sein Alibi zu überprüfen. Die Autorin gibt eine eindringliche Beschreibung der Textarbeit, der Wortklauberei und setzt sich dabei ironisch mit dem modernen Management der Sprache auseinander, z.B. in „Normierung“ und gipfelt angesichts all der modernen lyrischen Verbote im Gedicht „Werkstattgespräch“.<br />
„… Der Mond darf nicht mehr aufgehen<br />
in deinem Gedicht.<br />
Kauf eine Halogenlampe<br />
für deinen Vers.“ (S.63)</p>
<p>Neben den in Naturbetrachtungen eingebundenen, archaisch anmutenden Überlegungen zu männlichen und weiblichen Lebensquellen, fast vergessen wie z.B. in den Gedichten „Schilfrohr“, „Kornmuhme“ und „Garten der Erde“, neben den Landschaftsbetrachtungen und Ortsbeschreibungen bildet das Thema Herkunft (Kindheit und Vertreibung) einen weiteren Schwerpunkt in diesem Gedichtband. Da geht es um die Spurensuche im Text „Kindheit“ und um das Besinnen auf das Eigentliche des Lebens, das Sein und Vergehen und das immer wieder Innehalten, wie z.B. im Gedicht „Entsagungstag“. Hier feiert das Poetische Ich einen beneidenswerten Geburtstag mit seinen verschiedenen Anteilen.<br />
„…der Tag, an dem<br />
mich keiner stört<br />
und wir miteinander<br />
endlich reden können,<br />
ich und ich.“ (S.79)</p>
<p>Ein erster Schritt zur Annäherung an das eigene Innehalten, zum Hinhören zur Lebensstimme könnte das Lesen dieser Gedichte sein.<br />
Dieser Gedichtband ist ein Kleinod moderner Lyrik. Unbedingt empfehlenswert, nicht nur an verregneten Sommertagen.</p>
<p>Therese Chromik: Ich will glauben es sei Sommer. Gedichte. Verlag Ralf Liebe, 2010, 112 Seiten, 20 €</p>
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		<title>Mord in 86 Bildern</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/mord-in-86-bildern-293.html</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 21:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[Renate Härtl „Bei Liebe Tod“ rezensiert von Sylvia Tornau Ein ungewöhnliches Buch hat Renate Härtl hier vorgelegt. Der Umschlagtext verspricht einen “hochspannenden Thriller – so lebendig wie ein Drehbuch“, die Aufteilung in 86 Bilder erinnert an die Akte eines Theaterstückes. Inhaltlich geht es um nichts Geringeres, als um das Überleben in den Städten des reichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Renate Härtl „Bei Liebe Tod“</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Ein ungewöhnliches Buch hat Renate Härtl hier vorgelegt. Der Umschlagtext verspricht einen “hochspannenden Thriller – so lebendig wie ein Drehbuch“, die Aufteilung in 86 Bilder erinnert an die Akte eines Theaterstückes.<br />
Inhaltlich geht es um nichts Geringeres, als um das Überleben in den Städten des reichen Westens. Es geht um Beziehungen, Vertrauen, Liebe oder eben um die Unfähigkeiten zu lieben, zu vertrauen, sich zu binden. Es geht um Drogen, Geld und Machtmissbrauch und es geht, wie sollte es bei einem Thriller anders sein, um Mord und andere Todesfälle.<br />
Die Figuren stehen gleichwertig nebeneinander. Einzig Lily ist als Hauptfigur erkennbar, vor allem dadurch, dass sie in mindestens 53 der 86 Bilder direkt oder indirekt eine Rolle spielt.<br />
Die Figuren in diesem Buch verstören. Keine ist wirklich ein Sympathieträger, keine ein wirklich böser Schurke. Alle sind wie sie sind, was sie sind. Wobei letzteres nicht immer klar ist. Renate Härtl psychologisiert nicht, sie zeigt. Der Text gleicht den Bildbeschreibungen von Fotografien, auf denen immer die gleichen Menschen in verschiedenen Posen, Zusammenhängen zu sehen sind. Das lässt den Text ein wenig unterkühlt wirken und erzeugt gleichzeitig eine fast unerträgliche Spannung.<br />
Betrachtete man ein Fotoalbum, so wäre die Wirkung eine ähnliche. Mit wem steht X da? Was für eine Rolle spielt der verschwommene Mann im Hintergrund? Lächelt er? Warum?<br />
So sehr wie ein Fotoalbum die Beantwortung dieser Fragen der Phantasie der Betrachterin überlässt, so sehr überlässt Renate Härtl die Beantwortung auftretender Fragen der Phantasie der Leserin. Das macht dieses Buch so ungewöhnlich und spannend.<br />
Sicher ist „Bei Liebe Tod“ keine leichte Kost für geübte Leserinnen der heute marktüblichen, psychologisierenden Thriller, aber es ist eine Entdeckung für alle, die literarischen Experimenten gegenüber offen sind und sich gern überraschen lassen.</p>
<p>Renate Härtl: Bei Liebe Tod. Athene Media Verlag, 2011, 12,95 €</p>
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		<title>Kurzbiografie über Franziska Gräfin zu Reventlow</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/kurzbiografie-uber-franziska-grafin-zu-reventlow-274.html</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 22:31:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[„Wenn ich nur lieben kann.“ Franziska zu Reventlow – Eine Kurzbiografie von Therese Chromik rezensiert von Sylvia Tornau Ein eigenwilliges kleines Buch mit gerade einmal 71 Seiten hat die Autorin Therese Chormik über die durchaus eigene, sprich unabhängige und emanzipierte, Persönlichkeit der Franziska Gräfin zu Reventlow hier vorgelegt. Eigenwillig ist der Band ob seiner Mischung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Wenn ich nur lieben kann.“ Franziska zu Reventlow – Eine Kurzbiografie von Therese Chromik</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Ein eigenwilliges kleines Buch mit gerade einmal 71 Seiten hat die Autorin Therese Chormik über die durchaus eigene, sprich unabhängige und emanzipierte, Persönlichkeit der Franziska Gräfin zu Reventlow hier vorgelegt. Eigenwillig ist der Band ob seiner Mischung aus Kurzbiografie, also Sachbuch und fiktiver Literatur in Form von Gedichten und einer Kurzgeschichte über das Leben der Gräfin.<br />
Beim ersten Durchblättern des Buches fragte ich mich‚ noch ein Buch über die Gräfin Reventlow?’. Doch beim Lesen wurde ich schnell reingezogen in das Leben der Gräfin, dieser an Familie und Konventionen gebundenen Frau, die in ihrem autobiografischen Roman „Ellen Olestjerne“ über ihr Alter Ego Ellen sagt „Kleine Mädchen dürfen nicht so wild sein &#8211; kleine Mädchen  klettern nicht auf Bäume – kleine Mädchen müssen ihre Kleider schonen. (Chromik, S. 16)<br />
Doch aus dem Mädchen, das sich schon früh fremd und eingezwängt fühlt in eine Welt voller Korsagen und Konventionen wird eine Frau, die ihren Weg geht. Einen Weg ohne Vorbilder, dafür unter großen Verlusten und mit vielen Ärgernissen. Aufgrund ihrer Lebensweise wird sie von ihrer Familie verstoßen und ausgegrenzt und hat lebenslang materielle Probleme. Trotzdem lebt sie mutig das selbstbestimmte Leben einer emanzipierten Frau, Mutter und Künstlerin, frei von Konventionen und ihrem Sohn in Liebe zugewandt.</p>
<p>Therese Chromik gelingt es nicht zuletzt mithilfe vieler Zitate – u. a. bisher unveröffentlichten Erinnerungen der Bildhauerin Anna Peterson, einer gleichaltrigen Freundin von Franziska aus Kindertagen – der Leserin nicht nur die Fakten sondern ein Lebensgefühl jener Zeit zu vermitteln. So finden sich Schilderungen des Reventlowschen Kinderalltages, die uns Heutigen &#8211; in der Dysbalance zwischen autoritärer und antiautoritärer Erziehung Aufgewachsenen – sehr befremdlich sind. Gleichzeitig verdeutlichen sie das Ausmaß an Kraft, Mut und Entschlossenheit, welche die Gräfin zu Reventlow aufbringen musste, um sich aus dem vorherbestimmten Schicksal als Tochter und Frau lösen zu können.</p>
<p>Mit ihren sprachlich versonnenen Gedichten folgt Therese Chromik der Biografie der Franziska zu Reventlow. Ausgehend von dem Gedicht „Mit Franziska im Schloss“ – Verlust der kindlichen Unschuld und Kreativität durch Konventionen – über „Du wildes Kind“ – ein Gedicht zum Tod des Vaters, den die Verstoßene erst nach dessen Ableben wieder sah – bis zu „Tanz mit Achill“. Dieses Gedicht beschreibt einen Traum, in dem Franziskas Sehnsucht nach dem Schloss, der Kindheit und der unerreichbaren Familie deutlich wird. Dieser Traum versinnbildlicht das Ungleichgewicht zwischen den Konventionen und der gesellschaftlichen Rolle der Frau und Franziskas Selbst. Die Atmosphäre der Gedichte fängt sowohl das für uns Nachgeborene so romantisch anmutende Leben in altehrwürdigen Gemäuern ein, als auch die schmerzliche Trennschärfe des Verlustes, den Franziska als Preis für ihre Unabhängigkeit zahlen musste. So hätte auch Franziska über ihr Leben schreiben können, wäre sie nicht schon vor mehr als 100 Jahren gestorben.</p>
<p>Mit der Kurzgeschichte „Die Braune Frau“ erzählt Therese Chromik einerseits die mögliche Überlieferung einer Gespenstergeschichte – was wäre ein Schloss ohne seine Gespenster? Andererseits beschreibt sie ein kleines Mädchen, dass vom Vater mit eben dieser Überlieferung eingeschüchtert werden soll. Dieses Mädchen allerdings macht sich qua seiner Fantasie den Geist der Braunen Frau zur Verbündeten. Sie bricht den sie selbst fesselnden Bann mit einer kleinen Geste und fühlt sich fortan frei und jenen, die den alten Glauben weiter in sich tragen, überlegen. Mit Fantasie gegen Konventionen, das ist der Weg, den auch die erwachsene Franziska zu Reventlow gehen wird. Mit dieser Geschichte gelingt der Autorin Chromik der Spagat zwischen Fiktion und großer Nähe zur Person der Gräfin.</p>
<p>Der vorliegende Band ist gut geeignet, sich einen stimmungsgeladenen Überblick über das Leben der Franziska zu Reventlow zu verschaffen. Er eignet sich ebenfalls als vorbereitende Lektüre auf einen Besuch im Schloss vor Husum. (Tipp: Buch lesen und die Sonderausstellung besuchen: „Alles möchte ich immer“ Franziska Gräfin zu Reventlow, noch bis 05. Juni 2011.)<br />
Für alle, die sich vertiefend mit Leben und Werk der Gräfin beschäftigen wollen, bietet das Buch zahlreiche bibliografische Hinweise. Ein kleiner Band für alle, die sich für Franziska zu Reventlow interessieren und ein wenig näher an das Lebensgefühl jener Zeit heranrücken wollen. Unbedingt lesenswert!</p>
<p>Therese Chromik: „Wenn ich nur lieben kann“ Franziska zu Reventlow. Verlag Schmidt &amp; Klaunig, 2009, 6 €</p>
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		<title>Eis essen und dabei das Leben verändern&#8230;</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/eis-essen-und-dabei-das-leben-verandern-272.html</link>
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		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 22:28:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[„Ohne (m)ein Eis sage ich nix!“ – Ein Roman von Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki rezensiert von Sylvia Tornau Während eines gemeinsamen Essen kamen die befreundeten Autorinnen Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki auf das Thema ‚Deutsche Waschmaschine frisst schwarze Wollsocken’. Das Frustlachen darüber wurde zur Initialzündung für den ersten gemeinsamen Roman (Quelle: NGZ), dem hoffentlich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Ohne (m)ein Eis sage ich nix!“ – Ein Roman von Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Während eines gemeinsamen Essen kamen die befreundeten Autorinnen Sylvia Fitz und Sigrid Konopatzki auf das Thema ‚Deutsche Waschmaschine frisst schwarze Wollsocken’. Das Frustlachen darüber wurde zur Initialzündung für den ersten gemeinsamen Roman (Quelle: NGZ), dem hoffentlich andere folgen werden.</p>
<p>Die Autorinnen Filz und Konopatzki beschreiben die Ver- und Entwicklungen der zwei Protagonistinnen, beide Anfang vierzig.<br />
Die eine, Claudia, hadert mit ihrem Leben, vor allem mit ihrer Ehe. Zu viel Alltag hat sich eingeschlichen, zu viele Gewohnheiten und die Waschmaschine frisst zu viele Männersocken, von denen es in Claudias Hauhalt reichlich gibt. Sie und ihr Mann Harald arbeiten als Lehrer an verschiedenen Schulen und leben mit ihren fast erwachsenen Söhnen in einem kleinen Haus. Nachdem Claudia Harald eröffnet hat, dass sie sich von ihm trennen will, ist dieser mit den Söhnen ans Meer gefahren.<br />
Die andere, Felicitas, Tochter aus reichem Elternhaus hat einen noch reicheren Mann geheiratet. Für ihn war sie viele Jahre die immer attraktive und intelligente Frau an seiner Seite. Sie begleitete ihn auf Dienstreisen, organisierte Arbeitstreffen mit wichtigen Geschäftspartnern im heimischen Palast. Eines Tages bemerkt sie, dass er sie mit einer fast zwanzig Jahre jüngeren Blumenverkäuferin betrügt. Felicitas ergreift die Flucht nach vorn und lädt ihre Freundin Claudia über das Wochenende in ein Wellness-Hotel ein.<br />
Kennen gelernt haben sich die beiden während ihrer Studienzeit. Sie teilten sich eine WG mit Birgit, Stefan und Nele. Während des Wochenendes beschließen die Freundinnen nach fast zwanzig Jahren ein WG-Treffen zu organisieren. Ungeahnt von allen Beteiligten wird dieses Treffen die Leben aller verändern.</p>
<p>Spannung erhält dieser mitunter märchenhaft und dann doch wieder realistisch anmutende, 175 Seiten umfassende Roman vor allem durch die sehr lebendig geschilderten Rückblenden in das WG-Leben und durch das Treffen der Fünf in Felicitas Haus. Die Wahrheiten die hier einander erzählt und teilweise zum ersten Mal sich selbst eingestanden und die Irrtümer die aufgeklärt werden, sind lebendiges Beispiel für die möglichen Wirren von Menschen in den Vierzigern. Hier geht es um Rückschau, um eine erste Bewertung dessen, was erreicht wurde, aber auch um das Eingeständnis, welche Werte man aus den Augen verloren, vielleicht gar verraten hat. Es geht um das, was nicht mehr möglich ist, aber auch um das Entdecken von Optionen, die das Leben jenseits der Vierzig bereithält.</p>
<p>Etwas bedauerlich finde ich, dass die Schilderung des Wellnes-Wochenendes so viel Raum einnimmt und das die Autorinnen mitunter wenig Vertrauen in die Fähigkeiten ihrer LeserInnen haben. Da werden eindeutige Zusammenhänge erklärt und wiederholt, werden Stimmungen mit Adjektiven untermauert. Auch verfallen die Autorinnen aus meiner Sicht zu häufig in Alltagssprache, was den Roman nicht leicht, sondern streckenweise unglaubwürdig und langatmig macht.<br />
Trotz dieser Mängel ist das Buch aufgrund der Realitätsnähe zu Lebensthemen von Menschen rund um die Vierzig und ob der Lebendigkeit der Rückblenden sowie der, dem Treffen der ehemaligen WG-BewohnerInnen innewohnenden, Wahrhaftigkeit lesenswert. Vor allem an warmen Sommertagen macht es angesichts der Genussfähigkeit von Felicitas und ihren MitstreiterInnen – jenseits vom grassierenden Diätwahn – Appetit auf ein großes Eis.</p>
<p>Sylvia Filz, Sigrid Konopatzki: „Ohne (m)ein Eis sage ich nix!“. BOD-Verlag 2010, 12,90 €</p>
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		<title>Thea Dorn feministisch &#8211; Ein Krimi ist es trotzdem.</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/thea-dorn-feministisch-ein-krimi-ist-es-trotzdem-200.html</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Dec 2010 13:40:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird – Eine Empfehlung von Sylvia Tornau Dieses schon 2006 vom Piper Verlag veröffentlichte Interviewbuch entdeckte ich zufällig beim Durchschlendern der Bibliothek der Bundeszentrale für politische Bildung. Prinzipiell ein Ort, an dem ich nicht mit einem Titel der Krimiautorin Thea Dorn gerechnet habe. In 11 Interviews [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die neue F-Klasse. Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird – Eine Empfehlung von Sylvia Tornau</strong></p>
<p>Dieses schon 2006 vom Piper Verlag veröffentlichte Interviewbuch entdeckte ich zufällig beim Durchschlendern der Bibliothek der Bundeszentrale für politische Bildung. Prinzipiell ein Ort, an dem ich nicht mit einem Titel der Krimiautorin Thea Dorn gerechnet habe.<br />
In 11 Interviews geht Thea Dorn der Frage nach, ob die heutigen jungen Frauen den Kampf um die Gleichberechtigung verloren haben, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, sich vom Feminismus zu distanzieren und sie fragt nach dem Wie weiter?<br />
Aufgeben. Abfinden. Hinnehmen, das ist eindeutig keine Lösung. Frau Dorn bezieht im Vor- und Nachwort eindeutig Stellung dazu, dass es in Deutschland noch immer nicht weit her ist, mit der Gleichberechtigung. Die Basics sind geschaffen, aber wie weiter? Den Rückzug ins Private lehnt sie vehement ab, vielmehr setzt sie auf die Vorbildwirkung von Avantgarde-Frauen, zu denen sie ihre Interviewpartnerinnen zählt. Egal ob Anwältin, Politikerin, Moderatorin, Köchin, Psychiaterin, Ingenieurin oder Weltmeisterin im Eisklettern, diese Frauen legen vor. Sie sind gebildet, mit und ohne Kinder, mit oder ohne Partner und sie verbindet eines: sie machen Karriere in Berufen, in denen Frauen in Leitungspositionen bis heute die Ausnahme sind.<br />
Ein an sich ‚trockenes’ Thema, das bei der einen oder anderen Leserin schon mal ein Augenrollen hervorruft. Aber trocken ist dieses Buch nicht. Die Interviews sind authentisch und spannend und einige, wie z.B. das Gespräch mit der Berufsberaterin Uta Glaubitz, sprühen vor Witz.<br />
Unbedingt Lesenswert. Ein Mutbuch für Frauen, ihren ganz eigenen Weg mit ganz eigenen, weiblichen Netzwerken zu gehen.</p>
<p>Zum bestellen:<br />
<a href="http://www.bpb.de/publikationen/CMLHSB,0,0,Die_neue_FKlasse.html" target="_blank">Bundeszentrale für politische Bildung</a></p>
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		<title>Mehr Davon!</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/mehr-davon-194.html</link>
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		<pubDate>Sun, 29 Aug 2010 15:38:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[„Weit Gehen“ Gedichte von Eva Förster rezensiert von Sylvia Tornau Mit ihrem Debüt als Lyrikerin wagt sich Eva Förster, Publizistin und Theaterkritikerin mitten hinein ins Menschliche. Sehnsüchtig, wartend, trauernd und gierend, die Texte lesen sich wie situationsabhängige Zusammenfassungen menschlichen Lebens, gesprochen von der Stimme aus dem Off. Gerade das scheinbar Unbeteiligtsein dieser Stimme, die den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Weit Gehen“ Gedichte von Eva Förster</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Mit ihrem Debüt als Lyrikerin wagt sich Eva Förster, Publizistin und Theaterkritikerin mitten hinein ins Menschliche. Sehnsüchtig, wartend, trauernd und gierend, die Texte lesen sich wie situationsabhängige Zusammenfassungen menschlichen Lebens, gesprochen von der Stimme aus dem Off. Gerade das scheinbar Unbeteiligtsein dieser Stimme, die den Beobachtungen zugrunde liegende Lakonie ermöglicht der Leserin ein Beteiligtsein, ein Hineingezogenwerden in den Text, die Situation. Dieses seziermesserscharfe Hindeuten auf das ‚Hier, Jetzt und So ist es’ kann sich einen Augenblick, eine Zeile später allein durch ein Augenzwinkern, eine leichte Bewegung der Luft oder das Eindringen eines Gedankens in den Kopf der Leserin in das genaue Gegenteil des eben klar Empfundenen wandeln. So z.B. in dem Gedicht „Der Kriecher“: Da saß er./ Sein Schließmuskel/ entließ/ Wirbel/ für Wirbel./ Als alles heraus war,/ fiel er vornüber./ Die Menschen staunten/ und sagten:/ Seht an, er hatte ein Rückgrat!</p>
<p>Die Gedichte in diesem Band wecken tief in uns schlummerndes Wissen und offene Seins-Fragen. Beim Lesen wird klar, da ist sich eine ganz nah und stellt sich dem Leben maskenlos, erwartet Befriedung der eigenen Seele im Inneren, in der Akzeptanz der eigenen Vielheit. So gelesen in „Erkenntnis“: In mir hockt ein Kind/ mit Matrosenkragen/ und wenn SIE die Braue hebt,/ bekomm ich’s mit der Angst.</p>
<p>Eva Förster gelingt in ihrem Gedichtband der Spagat zwischen den kleinen Details des alltäglichen Lebens und den dahinter liegenden großen Gedanken. Die Mechanismen der Verunsicherung, das Wechselspiel von anziehen und abstoßen, von Stillstand und Bewegung werden ebenso schonungslos aufgezeigt wie die Gier in Liebesbegegnungen und der Schmerz von Abschieden. Die Gedichte beschönigen nichts, aber sie verdammen auch nicht. Sie sind dem Leben zugewandt. Ein wenig atemlos vielleicht, angesichts der allgegenwärtigen Vergänglichkeit, aber immer Ja-Sagend zum Sein, zum Leben.</p>
<p>Mit dem vorliegenden Gedichtband lädt die Autorin ein zum Lebens-Ja, in jeder Sekunde, in jedem Innehalten und Vorwärtsstürmen. Symbolisch für diese Einladung scheinen die letzten drei Seiten des Bandes: drei leere, linierte Seiten, auf denen die Leserin ihre eigene Fortsetzung schreiben kann.<br />
Unbedingt selber lesen und verschenken!</p>
<p>Eva Förster „Weit Gehen“, Verlag Hans Schiller, Berlin, 74 S., 16 €</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Nur 12 Gramm machen den Unterschied</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/nur-12-gramm-machen-den-unterschied-189.html</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 16:34:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Gewicht der Seele von J. Monika Walther rezensiert von Sylvia Tornau Irgendwas ist immer: zu erkennen, zu durchdringen, zu bewältigen. Dieses Axiom zieht sich durch den 400 Seiten starken Erzählband von J. Monika Walter. Verstörend und skurril-real sind die gezeichneten Personen. In den Zwischenraum von Fiktion und Realität gestellt, wirken sie sowohl real, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Gewicht der Seele von J. Monika Walther</strong><br />
rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>Irgendwas ist immer: zu erkennen, zu durchdringen, zu bewältigen. Dieses Axiom zieht sich durch den 400 Seiten starken Erzählband von J. Monika Walter. Verstörend und skurril-real sind die gezeichneten Personen. In den Zwischenraum von Fiktion und Realität gestellt, wirken sie sowohl real, als auch immer einen Schritt neben dem Möglichen. So zum Beispiel Jean, Antagonist aus der Titelgebenden Erzählung &#8220;Das Gewicht der Seele&#8221;. &#8220;Jean war keiner, der ums Leben zweifelte, und keiner, der nur einen einzigen Menschen besitzen wollte. Er verlangte nach mehr und gab sich nicht zu erkennen. Das Verbergen war seine Lust.&#8221; Jean ist ein Seelensucher. Seine Geliebte, die Tönesammlerin Alice, &#8220;die ihn nicht liebte, weil sie Angst hatte, ihn zu verlieren&#8221; ließ er nackt auf eine Waage steigen. Er notiert das Gewicht, erwürgt sie dann und wiegt sie erneut. Am Ende der Erzählung notiert er: &#8220;Ein lebender Mensch abzüglich zwölf Gramm Seele ergibt einen toten Menschen.&#8221;<br />
<span id="more-189"></span>Sammler und Sucher scheinen sie alle, die in diesem Band versammelten Personen. All diese Alices, Marias und Brunos &#8211; die Häufung der Namen in diesem Buch wirkt wie eine Beschwörung, wie ein Lebendighalten dessen, was Maria, Alice und Bruno (und all die anderen immer wiederkehrenden Namen) waren oder sein könnten und vielleicht gerade in diesem Augenblick irgendwo sind.<br />
J. Monika Walthers Erzählungen sind Zustandsbeschreibungen des Miteinander-Aneinander-Vorbei Leben und -Träumen, mitunter sogar mit positivem Ausgang. So gelesen in &#8220;Sonntags &#8211; eine Straße in Deutschland&#8221;. Da wird der sonntägliche Alltag entlang einer Straße irgendwo in Deutschland beschrieben. So banal wie großartig sind die Geschichten der Menschen, die im &#8220;Basalteck&#8221; aufeinandertreffen. Die Wirtin Lina, eine seit 30 Jahren in Deutschland lebende Italienerin. &#8220;Sie wird geliebt, auch wenn sie an manchen Tagen schreit und ungerecht und barsch ist. Sie erlaubt das Anschreiben vier Wochen lang und bis zu einem Monatslohn, aber das nur bei den Ärmeren, bei den Möbelpackern und Leuten, denen es dreckig geht, die den Überblick über sich und ihr Leben für einen langen Augenblick verloren haben.&#8221;<br />
Die Melodie der Erzählungen in diesem Band ist eine getragene Melancholie, unterbrochen von der erschreckenden Genauigkeit des Hinsehens und -Spürens, umrahmt und harmonisiert von der gebrochenen, aber zutiefst spürbaren Liebe der Erzählerin zu ihren Figuren, vielleicht sogar zu den Urgründen menschlichen Lebens. Da ist eine, die genau hinsieht. Eine, die die Intrigen des Lebens, geboren aus materiellem Elend und Sinnsuche erkennt und sie punktgenau beschreibt ohne zu werten. Das zu lesen tut mitunter weh, ist aushaltbar nur durch die stille Hinnahme, Annahme. &#8220;Ich gehe durch die Wohnung, setze mich auf den Balkon. Von oben höre ich türkische Lieder, leise und vorsichtig gesungen. Unter mir diskutiert der angehende Anwalt mit seiner Freundin und ganz unten sitzen die beiden Archäologen und trinken ein allerletztes Glas. Der Hinterhof ist so groß wie vier Straßenzüge. Es ist ein leises Flüstern, Streiten und Juchzen in der Luft. Vor den Garagen stehen rauchende Männer. Auf den Garagendächern sitzt ein junges Paar. Sie haben vergessen, dass aus vier Himmelsrichtungen die Leute von den Balkonen auf sie herunterschauen.&#8221;<br />
In diesen Geschichten der 1945 in Leipzig geborenen, aus einer jüdisch-protestantischen Familie stammenden Autorin J. Monika Walther geht es um das Sein, das Sosein, das Anderssein. Es geht um Leben und Lebensentwürfe, um Überleben und um die Entdeckung von Mitmenschlichkeit. Manchmal unerwartet in scheinbar ausweglosen Situationen. Es geht um die vermuteten 12 Gramm Seele, die im Sterben aus unseren Körpern entweichen und die im gelebten Leben schwer wiegen. Ein empfehlenswertes Buch, das zum Weinen, Lachen und zum Weiterdenken anregt. Ein Schwergewicht aus den Weiten der Literaturlandschaft. Ein kostbares Kleinod, eine Zierde der Bücherregale. Nicht nur wegen der Texte, sondern auch wegen der für ein Taschenbuch ungewohnten, dafür aber hochgradig ansprechenden, da mit den Erzählungen korrespondierenden fotografischen Streiflichtern der Fotografin Barbara Dietl. Unbedingt kaufen, lesen und anschauen!</p>
<p><strong>Das Gewicht der Seele &#8211; Erzählungen, herausgegeben von Iris Noelle-Hornkamp im Mentis Verlag, 400 Seiten, 29,80 Euro</strong></p>
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		<title>Wenn das Leben kräht ist es der Tod oder die Veränderung</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/wenn-das-leben-kraht-ist-es-der-tod-oder-die-veranderung-179.html</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 16:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht&#8221; &#8211; Eine KriminalGeschichte von J. Monica Walther &#8211; rezensiert von Sylvia Tornau Vorab gesagt, wer &#8211; angelockt vom schmackhaften Titel &#8211; das letzte große Broilerfressen vor dem Ausverkauf der DDR-Goldbroilerstuben erwartet, der wird enttäuscht sein und vielleicht dann, wenn er lange genug in der Geschichte bleibt, doch auch nicht. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht&#8221;</strong> &#8211; Eine KriminalGeschichte<br />
von <strong>J. Monica Walther</strong> &#8211; rezensiert von <strong>Sylvia Tornau</strong></p>
<p>Vorab gesagt, wer &#8211; angelockt vom schmackhaften Titel &#8211; das letzte große Broilerfressen vor dem Ausverkauf der DDR-Goldbroilerstuben erwartet, der wird enttäuscht sein und vielleicht dann, wenn er lange genug in der Geschichte bleibt, doch auch nicht.<br />
<strong>Das goldige Vögelchen ist in diesem Buch nicht viel mehr als ein Synonym.</strong></p>
<p>Nur wenig an der DDR war so schmackhaft wie dies und vielleicht gerade deswegen musste es Anfang der 90er erst einmal verschwinden. Und ums Verschwinden des Alten, Abgewirtschafteten geht es in diesem Buch (unter anderem!). Das teilt uns die Autorin J. M. Walther schon auf der ersten Seite ihrer KriminaGgeschichte mit:<strong><br />
&#8220;Die Schonzeit im Ex-Land DDR ist vorbei.&#8221;</strong><br />
<span id="more-179"></span> Mit diesem Satz eröffnet sich der Leserin eine Tür in (noch gar nicht so lang) vergangene Zeiten. Hier nimmt die Autorin die erste Hürde, wenn es ihr gelingt, der Leserin in die nicht immer liebsamen Erinnerungen hinein zu helfen. Hinein in eine Geschichte voll Trauer, Korruption mit sehr verstörten und verstörenden Figuren. Zurück in eine Zeit die bewegt war und die bewegte, in der sich aber in der Realität &#8211; und in diesem Buch sehr genau aus der Beobachtung gezeichnet &#8211; schon absehen ließ, wer den Sprung aus der alten in die neue Gesellschaft schaffen wird und wer nicht.</p>
<p>Lakonisch beschreibt die Autorin die Risse in der Gesellschaft, die sich plötzlich nicht nur in Straßenvierteln und Familien abzeichneten sondern die quer hindurchgingen durch Individuen.<br />
Die Wunden schlugen, an denen manche starben, manche unheilbar erkrankten und die andere zu Betrügern, Dieben oder gar Mördern werden ließen. Dabei ist es egal, ob die Geschichte &#8211; wie in diesem Buch &#8211; an der Ostseeküste spielt oder in Dessau, Leipzig oder Zittau. Oder &#8211; heute sind wir geschichtlich schon ein klüger als noch vor 20 Jahren &#8211; in irgendeiner Stadt in irgendeinem anderen der ehemaligen Ostblockstaaten. Aber zurück, diese Geschichte spielt in Warnemünde und nicht zuletzt mit ihren Ortsbeschreibungen gelingt es der Autorin in diesem Roman nah an der Realität zu bleiben.</p>
<p>Mit der Protagonistin, der angehenden <strong>Privatdetektivin Ida Waschinsky</strong>, gibt uns die Autorin eine Suchende an die Seite. Eine, deren zaghafte, mitunter naive Herangehensweise, deren argloser Umgang mit den Menschen ihres Viertels, mit deren Armut und dem auch eigenen Willen es irgendwie zu schaffen, dieses Unbedingte Dazu-gehören-wollen, das Geschehen für die Leserin ein wenig ertragbarer, aushaltbarer macht. Ein vielleicht von der Autorin nicht gewollter Effekt.<br />
Denn dieses Buch in der Verkleidung einer KriminalGeschichte liest sich wie die Kurzzusammenfassung des Ausverkaufs einer Gesellschaft, in der es schon längst nichts mehr zu kaufen und verkaufen gab. Was man wollte und auch was man nicht wollte, man bekam es geschenkt. Das Lächeln der Nachbarin ebenso wie das Gebrüll des Säufers an der Kaimauer. Oder wie Ida das eine oder andere schmackhafte Essen der aus dem Westen zugezogenen Kneipenbesitzerin. Und eigentlich war es auch fast egal, ob man sich eher zu den Gewinnern oder Verlierern zählte, denn eines verband alle: der Wille dazuzugehören. &#8220;Ich will ein Auto, ich will Geld. Ich bin eine Detektivin. Ich habe eine Ausbildung als Detektivin. Ich will Geld.&#8221; Diese selbst beschwörenden Worte von Ida könnten das Credo dieses Romans sein, wenn da nicht, neben all dem Hetzen und Jagen, neben all der Korruption und dem Verrat, immer wieder diese Sehnsucht nach dem Dazugehören, nach dem anderen, vielleicht besseren Leben herausklingen würde.</p>
<p>Das was da anklingt wie Nebenbei, aus den ob ihrer Realitätsbeschreibung mitunter kaum ertragbaren Seiten dieses Romans, dieses Sehnsüchtige, Lebenssüchtige macht diesen Roman zu dem was er ist:<br />
zu einem Dokument der Zeitgeschichte, einem Dokument des Wandels.<br />
Diese Zeitbeschreibung, die in Form einer KriminalGeschichte angeschlurft kommt, ein wenig schmuddelig, wie trunkig &#8211; vielleicht sogar betrunken (in diesem Buch wird übrigens herzzereissend gesoffen) &#8211; ist gleichzeitig eine Poesie der schmerzenden Sehnsucht, eine Arie des Lebens und des Miteinanders, besungen in der rauen Wendewirklichkeit.</p>
<p>Am Ende war kaum einer mehr zu Erkennen und war im Grunde doch immer noch Selbst.<br />
So wie Ida, die am Ende zugreift, wenn die neuen Scheine wandern und die doch weiß, dass sie nicht zugreifen sollte.<br />
Dieser Roman ist keine leichte Kost sondern eher etwas für experimentierfreudige Lesegourmets.<br />
Ein schweres, ein wundervolles und bewegendes Buch! Unbedingt empfehlenswert.</p>
<p><strong>J. Monika Walther</strong>, Goldbroiler oder die Beschreibung einer Schlacht &#8211; Eine KriminalGeschichte,<br />
Geest-Verlag 2009, ISBN 978-3-86685-208-2, 12 Euro</p>
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		<title>Es adventelt jedes Jahr!</title>
		<link>http://www.tatmoor.de/literaturtips/es-adventelt-jedes-jahr-176.html</link>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 16:42:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[“Adventsgeschichte von A bis Z &#8211; Hörspiel für Ü-Zehner“ von Regina Schleheck gehört und besprochen von Sylvia Tornau Der dreizehjährige Julius verunglückt am 01.12. und bevor darüber entschieden wird, wie es mit ihm weitergeht muss er 24 Tage an der Pforte warten, die sich im Kopf der Hörenden schnell in die Himmelspforte wandelt. Damit ihm [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Adventsgeschichte von A bis Z &#8211; Hörspiel für Ü-Zehner“</strong> von Regina Schleheck gehört und besprochen von Sylvia Tornau</p>
<p>Der dreizehjährige Julius verunglückt am 01.12. und bevor darüber entschieden wird, wie es mit ihm weitergeht muss er 24 Tage an der Pforte warten, die sich im Kopf der Hörenden schnell in die Himmelspforte wandelt. Damit ihm die Zeit nicht so langweilig wird &#8211; schließlich gibt es an diesem Ort im Nirgendwo weder Fernsehen noch Playstation “ besucht ihn täglich sein ganz persönlicher Schutzengel “Jungel” und verwickelt Julias in einen 24 Tage währenden Dialog. Jedes dieser Gespräche ist einem Buchstaben gewidmet. Das Erste dem A, das Dritte dem C, das 19. dem S, wie Stall.<br />
Mit diesem Hörspiel werden Heranwachsende an Themen wie z.B. <em>Was ist Chaos?</em>, <em>Woraus besteht Dunkelheit</em>, <em>wer spricht denn von Liebe</em>, <em>jedes Jetzt ist ein Moment</em>, <em>ist dort, wo nichts ist Nichts?</em> oder <em>wonach riecht der Tod?</em>.<br />
<span id="more-176"></span></p>
<p>Neben den unterhaltsamen Dialogen denken die beiden sich gemeinsam Elfchen aus &#8211; ein Elfchen ist ein Gedicht, welches aus elf Wörtern besteht, die in festgelegter Folge auf fünf Zeilen verteilt werden. Julius träumt und vertreibt sich das Warten auf Jungle mit einem Rap. An anderen Stellen erzählt Jungle Julius die Geschichte <em>vom Hamster Goliat und Prinzessin Irmgard</em> oder die Geschichte von <em>Orpheus und Euridike</em>.</p>
<p>Dieses Hörspiel ist eine ansprechend produzierte Anregung zum Nachdenken über sich und die Welt, nicht nur für junge Menschen. Ganz besonders Hervorheben möchte ich allerdings Etwas, das bei der Rezension von Hörspielen in der Regel zu kurz kommt: die voller akustischer Überraschungen steckende musikalische Untermalung von Christian D. Dellacher. Gro?artig!</p>
<p>Regina Schleheck: “Adventsgeschichte von A bis Z &#8211; Hörspiel für Ü-Zehner”, Drachenmond Verlag, 2 CDs, EUR 14,95</p>
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		<title>Kurzgeschichten für alle die nichts langes mehr lesen wollen, können, mögen</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Feb 2010 16:39:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>leeloo</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturtips]]></category>

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		<description><![CDATA[“Klappe zu &#8211; Balg tot, Bitterböse Geschichten“ von Regina Schleheck &#8211; rezensiert von Sylvia Tornau “Die alte Zieten hatte in weiser Voraussicht vor dem Tisch eine kleine Wanne aufgestellt, in die Fruchtwasser, Blut und die übrigen Ausscheidungen, die bei einer Geburt dazugehören, abfließen konnten, während mein Körper durch den engen Ausgang gequetscht wurde. Als ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Klappe zu &#8211; Balg tot,  Bitterböse Geschichten“</strong> von Regina Schleheck &#8211; rezensiert von Sylvia Tornau</p>
<p>“Die alte Zieten hatte in weiser Voraussicht vor dem Tisch eine kleine Wanne aufgestellt, in die Fruchtwasser, Blut und die übrigen Ausscheidungen, die bei einer Geburt dazugehören, abfließen konnten, während mein Körper durch den engen Ausgang gequetscht wurde. Als ich meinem Vater schließlich in die Hände glitt, zitterte er vor Angst und Aufregung dermaßen am ganzen Leibe, dass es ihm nicht gelang, meinen kleinen mit Käseschmier überzogenen Körper festzuhalten. Ich flutschte ihm durch die Finger und landete mit einem gro?en Platsch in dem Kübel.<br />
Als die Hebamme mich daraus barg und hochhielt, war das Erste, was meine Mutter ausrief: “Himmel, ist der hä?lich!” Mein halber Kopf war von einem Fruchtblasenrest bedeckt, der sich über Augen und Nase gelegt hatte und mir das Aussehen eines Mutanten verlieh. Die Rückstände aus der Wanne taten ihr Übriges. “Papperlapapp, Frau Gebker” sagte die Hebamme, “das ist eine Glückshaube! Dieses Kind ist gesegnet!”<br />
<span id="more-173"></span></p>
<p>Wie sich aus so einer Glückszuschreibung für ein hässliches Kind, dem eigentlich ein Leben am Rand der Gesellschaft ins Gesicht geschrieben wurde, ein Art sich selbst erfüllender Prophezeiung wird, dies zeigt die Autorin Regina Schleheck in ihrer Kurzgeschichte “Glückshaube”, nachzulesen in dem kürzlich erschienenen Kurzgeschichtenband “Klappe zu &#8211; Balg tot”. Die in diesem Band versammelten Geschichten behandeln Themen, die häufig in unserem Kommunikationsalltag, in Presse, Funk und Fernsehen schaffen. Es sind Horrornachrichten wie die aus der Titelgeschichte <em>ungewolltes Kind erfriert vor der Babyklappe</em>, wie die vom <em>Brudermord</em> aus der Geschichte “Mein Frank” oder die Nachricht vom <em>Sturz eines Mannes in das Grab seines Kindes</em> aus der Geschichte “Sophokles ist tot”.<br />
Regina Schlehecks Kurzgeschichten erlauben uns einen Blick auf die Geschichten hinter der Schlagzeile. In lakonischem Ton, manchmal nah am Rand der Skurilität und doch nie ihre ProtagonistInnen verratend, lässt sie uns für kurze Momente teilhaben am Dasein derer, deren Lebenswege eben nicht wirklich vom Glück gezeichnet sind. So zeigt sie, dass hinter der Frau, die ihr Kind zur Babyklappe trägt, ein Mann stehen kann, der Mutter und Kind ablehnt oder dass hinter dem Sohn der seinen Bruder vermutlich mordet, eine blinde Mutterliebe steckt, die alles Handeln des auserkorenen Lieblingssohnes duldet und nichts infrage stellen lässt.</p>
<p>Die in diesem 120 Seiten dünnen Band versammelten Geschichten machen so nachdenklich, wie sie zum Lachen anregen. Eine schöne Lektüre für adventliche Wochenenden bei Kerzenschein und Glühwein. Die eine oder andere Geschichte ist durchaus dazu geeignet, im Kreis von vertrauten Menschen vorgelesen zu werden. Zum Beispiel die Geschichte “Wenn der Postbote zweimal klingelt”, in dem eine Schokoladenliebhaberin den Postboten in ein Schokomännchen verwandelt, sü? und absolut zum Liebhaben. Diese Geschichte sollte unbedingt im Rahmen eines Schokofondueabends genossen werden.</p>
<p>Regina Schleheck: “Klappe zu &#8211; Balg tot, Bitterböse Geschichten”, Wurdack Verlag, EUR 9,95</p>
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