Handlungsmöglichkeiten feministischer Medienpädagogik

Drei Tage, sieben Mädchen und eine Radiosendung!
veröffentlicht in: BKJ – Bundesvereinigung kulturelle Jugendbildung e.V. (Hrsg.): Kulturarbeit mit Mädchen. Konzepte, Erfahrungen und Schlussfolgerungen für die Praxis kultureller Bildung. Remscheid 2000

1. Medienpädagogik – eine Form der Kulturarbeit

-Aber in der Kunst gibt es keine Desillusionierung, denn die
Illusion war von Anfang an einkalkuliert. Aus der Kunst gibt
es kein Erwachen, denn in ihr schlafen wir nicht, wenn wir
auch träumen mögen. In der Kunst gibt es keinen Tribut, keine
Strafe, die wir bezahlen müßten, weil wir sie genossen haben.-

Fernando Pessoa
Medien nehmen heute einen immer größeren Teil der biografischen Lebenszeit von Menschen ein. Oft bestimmen sie sogar Zeitplanung und Lebensrhythmus. Medien beeinflussen Lebensperspektiven, Normen und Werte und das kulturelle Verständnis. Somit beeinflussen Medien Entwicklungsaufgaben, welche Heranwachsende zu lösen haben. Medien bieten z.B. bei der Suche nach einer eigenen Identität, der Frage nach eigener Macht oder Ohnmacht Lösungsmodelle. -Die ganze Lebensumwelt, räumlich und entsprechend ihrer Zeichen und Symbole, Kommunikationsformen und ästhetischen Stile definiert sich über Medien.- (Zacharias, 1997, S.12)

Medienpädagogik, hier verstanden als Teil der allgemeinen Pädagogik, impliziert den Sozialfaktor Massenmedien als einen gesellschaftlichen, die Sozialisation beeinflussenden Faktor neben anderen. -Die Unterhaltungsmedien sind nicht nur Instrumente der Wahrnehmung als Angebotsträger, sondern sind Bestandteil unserer nationalen wie internationalen Wahrnehmungskultur. Daher müssen ihre Wirkungen und Möglichkeiten stärker als bisher in die kulturpolitische Praxis einbezogen werden.- (Baacke, 1997, S. 74) Das erfordert nicht zuletzt von der Pädagogik eine wissenschaftliche und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit Medien und deren Wirkungen. Dies zu leisten, ist Aufgabe der Medienpädagogik.

Seit es Massenmedien gibt, werden sie auch aus pädagogischer Sicht thematisiert. Breiter Konsens besteht darin, daß die Zielstellung der Medienpädagogik in der Stärkung der kritischen Urteilsfähigkeit und im Heranführen der/ des Einzelnen an einen kompetenten Umgang mit Medien besteht. Das schließt ein:
– Die Teilnahme an gesellschaftlicher Kommunikation und Interaktion;
– Die Erweiterung der Handlungsfähigkeit durch erfahrbare Handlungs- und
Auseinandersetzungsmöglichkeiten;
– Den Erwerb von Verhaltenssicherheit in unterschiedlichen sozialen Situationen;
– Das Erfahren und Erlernen neuer Formen bewußter Kommunikation;
– Das Herausbilden eines kritischen, reflektierten, selbstbestimmten und kreativen Umgangs mit
Medien. (vgl. UAGM, 1998, S. 4)

-Mit praktischer Medienarbeit können generell Alltagserfahrungen aufgearbeitet und eigene Positionen und Interessen ausgedrückt und anderen vermittelt werden.- (Schorb, 1995, S. 33)

In Bezug auf die medienpädagogische Arbeit mit auditiven Medien stehen wir heute vor folgendem Widerspruch: -Jugendliche und junge Heranwachsende entwickeln sich zu Dauerhörern von Musik – Radio, Kassettenrecorder, CD-Player sind in Kinder- und Jugendzimmern Standart. (vgl. Schell, 1989, S. 99) Andererseits fällt es vielen jungen Menschen schwer – bezogen auf Inhalte, die nicht an Musik gekoppelt sind – genau zuzuhören. -Hören ist ein Prozeß der Weltwahrnehmung. Er verändert sich mit der Veränderung der Welt. (…) Alles Hörbare prägt in steter Wechselwirkung das Hören. Hören wiederum gestaltet das Hörbare. Die menschliche Stimme – bis heute unser Kommunikationsmedium Nr. 1 – gehört zu den prägenden Hörereignissen unseres Lebens.(Karl Karst, 1998) Innerhalb dieses Spannungsfeldes kommt der medienpädagogischen Bearbeitung auditiver Medien eine große Bedeutung zu. -Bildung zur Wahrnehmungsfähigkeit und zur Umsetzung von Wahrnehmungen in Gestaltungsformen ist eine zentrale Kulturaufgabe geworden.- (Baacke, 1997, S. 75)

Daß Kinder und Jugendliche sich dieses Mediums zu bedienen lernen – angefangen bei der Artikulation der subjektiven Vorlieben für eine bestimmte musikalische Richtung, bis hin zur Formulierung eigener Fragen und Antworten in einer bestimmten journalistischen Form (z.B. gebauter Beitrag, Hörspiel, Selbstinterview, Collage) – trägt letztlich auch zu einer Veränderung ihres Wertebewußtseins bei.

2. Feministische Medienpädagogik

-Es ist jedoch wahrscheinlich, daß im Leben wie in der Kunst die Werte
einer Frau nicht die Werte eines Mannes sind. Wenn also eine Frau
darangeht, einen Roman zu schreiben, wird sie finden, daß sie
fortwährend den Wunsch hat, die geltenden Werte zu ändern – bedeutungsvoll
zu machen, was einem Mann unbedeutend erscheint, und bedeutungslos, was ihm wichtig ist.-

Virginia Woolf

Die Frage nach einer feministischen Medienpädagogik scheint, angesichts des wissenschaftlichen Diskurses der 90 er Jahre, der den Begriff -Geschlecht- aus soziologischer und philosophischer Sicht in Frage stellt , veraltet. Mit diesen Ansätzen -weitet sich der Horizont insofern, als die Beteiligung der Subjekte an dem Prozeß der Konstruktion von -Weiblichkeit- und -Männlichkeit- in den Blick gerät und Eindeutigkeiten überwunden werden können. (Luca, 1998, S. 47) Andererseits fordert das mediale Mädchen- und Frauenbild eine feministische Medienpädagogik, die weniger defizitorientiert ist, als vielmehr an den Stärken der Mädchen und jungen Frauen ansetzt, heraus.

Geschlechtsspezifische Sozialisation
Im Gegensatz zu den (wenn auch m.E. zögerlichen) gesellschaftlichen und politischen Bemühungen um Abbau der systematischen Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, scheinen die Medien an starren -Rollenzuschreibungen, die der Gleichstellung der Geschlechter entgegenlaufen- festzuhalten. (vgl. Mühlen-Achs/ Schorb, 1995, S. 119; Eder 1999, S. 93-94)

Dies bedeutet nicht, daß allein die Medien für die Konstruktion von Geschlechterrollen verantwortlich sind, denn auch die Familie, die Gleichaltrigengruppe und das soziale Nahfeld sind wesentliche Sozialisationsfaktoren. Mit gedacht bleibt in diesem Zusammenhang auch, daß Frauen und Mädchen selbst, am Erhalt der Geschlechterrollen beteiligt sind (vgl. Luca, 1998, S. 47). Allerdings können die Medien durchaus als -heimliche Miterzieher- angesehen werden. Heimliche Miterzieher deshalb, weil die geschlechtsspezifische Botschaft im eigentlichen Sinne keine Botschaft ist, sondern eingebettet, in den Lern-, bzw. Unterhaltungs- und Spannungswert der jeweiligen Sendung, des jeweiligen Buches, Hörspiels daherkommt. (vgl. Eder, 1999, S. 90) Das meint, daß
a) auch das Nicht- bzw. kaum-Vorkommen von realen weiblichen Identifikationsfiguren eine Botschaft ist,
b) sich auch anhand der dargestellten Figuren Rollenfestlegungen erkennen lassen. So werden Mädchen zwar unterschiedlich beschrieben – hier wird die ganze Palette möglicher Charaktere gezeigt, von lieb bis zickig, bis klug und pfiffig – vornehmlich aber sind sie schön und modebewußt.

Geschlechtsspezifische Sozialisation impliziert immer die ßbernahme der jeweils weiblichen oder männlichen Geschlechterrolle als Teil der persönlichen Identität, wobei das biologische Geschlecht -sex- keinen Definitionswert (mehr) hat, während das soziale Geschlecht -gender- bisher als Teil eines individuellen und kulturellen Lernprozesses zu verstehen war und m.E. auch noch ist.

-Das geschlechts-typische- Verhalten und Empfinden von Kindern kann als Repräsentanz einer geschlechtspezifisch strukturierten Umwelt angesehen werden. Je stärker die Umwelt seitens der Sozialisationsagenturen bestimmte Erzeihungsziele verfolgt (überspitzt: Junge weint nicht, Mädchen balgt nicht!) und z.B. den Wert der sozialen Anpassung und Gleichförmigkeit über den der individuellen Kreativität stellt, umso größer wird der gesellschaftliche Druck für das Kind, sich gemäß der Geschlechterrollenerwartungen zu verhalten. Die Selbstverwirklichungstendenzen des Kindes werden dabei eingeschränkt, der individuelle Gestaltungs- und Einflußbereich des Mädchens oder des Jungen werden beschnitten.- (Eder, 1999, S. 86)

In Bezug darauf, daß auch wir PädagogInnen zu den o.g. -Sozialisationsagenturen- gehören – die pädagogischen Handlungsfelder sind weit, sie erstrecken sich vom Kindergarten über Schule und Hort bis in die außerschuliche Kinder- und Jugendarbeit – erscheint es dringend geboten, die eigenen Rollen- und übernommenen geschlechtsspezifischen Handlungsmuster zu hinterfragen. Sicher ist dies nicht permanent in der alltäglichen Arbeit möglich, aber es ist m.E., und auch im Hinblick darauf, daß der Sozialisationsprozeß ein lebenslanger Prozeß ist (vgl. Cordes, 1995, S. 71-73) die Grundvoraussetzung dafür, daß es uns in eben dieser alltäglichen Arbeit nicht unterläuft, die Mädchen und Jungen durch unser (erlerntes und angenommens) Rollenverständnis einzuengen und somit in der Entfaltung ihrer individuellen Möglichkeiten und Bedürfnisse zu beschneiden. (vgl. Eder, 1999, S. 89)

Handlungsansätze feministischer Mädchenarbeit/ Medienpädagogik
Feministische Mädchenarbeit und Medienpädagogik setzt an vorhandenen und zu entwickelnden Fähigkeiten von Mädchen an. Diese Fähigkeiten werden als Potential gesehen, welches mit Unterstützung, Beratung und Begleitung ausgebaut und für die Mädchen nutzbar gemacht werden kann. Feministische Mädchenarbeit wird mitunter mit dem emanzipatorischen Ansatz der Mädchenarbeit gleichgesetzt, bei dem vorrangig die Verwirklichung der Chancengleichheit verfolgt wird, im Sinne von Mädchen können erreichen, was für Jungen selbstverständlich ist. (vgl. Heiliger 1993, S. 11-13; Möhlke, 1995, S. 24-28)

Feministischer Mädchenarbeit geht es darum, den Mädchen abseits einengender Sozialisationsfallen Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten, so daß sie sich in ihrem vielfältigen und wandelbarem So-Sein-wie-sie-sind akzeptieren und akzeptiert werden und irgendwann vielleicht nicht mehr auf Grund von Benachteiligungen darüber nachdenken müssen, was ihre -weibliche- Rolle innerhalb der Gesellschaft ausmacht. Andererseits beinhaltet dies auch den eigenen Blick für das -andere- der Mädchen zu schärfen und es in den ßußerungen und Produkten der Mädchen und jungen Frauen a) zu sehen und b) auch sehen zu wollen, zu können. -Die Betonung des -anderen- gilt hier dem Ziel, dem Differenten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, in dem es zur Sprache kommen darf und damit Existenzberechtigung erhält.- (Luca, 1998, S. 48) Das bedeutet nicht zuletzt für die Pädagoginnen, sich auch unangenehmen Fragen stellen zu müssen und sich mit der eigenen Biografie, aber auch mit ausgeblendeten, weil vielleicht schmerzhaften Seiten der eigenen (weiblichen) Persönlichkeit auseinander zu setzen.

Ziel ist es, Mädchen nicht nur zu der Erkenntnis zu verhelfen, bzw. sie im Erkennen zu stärken und unterstützen, -daß nicht nur das Aussehen und die Ausübung von -weiblichen- Qualitäten das -Mädchen-Sein- ausmachen- (vgl. Eder, 1999, S. 88), sondern ihnen gleichzeitig Freiraum zur Erprobung eines -geschlechtsrollen-untypischen- weil geschlechtsflexiblen Verhaltens zu bieten.

Diesen Freiraum finden Mädchen in der Regel nicht in koedukativen Gruppen. -Stolzenburg (1995) spricht von -K.o.-Edukation- im Kontext mit praktischer Medienarbeit und meint damit, daß es Mädchen in gemischtgeschlechtlichen Gruppen häufig nicht gelingt, Inhalt und Gestaltung der Produkte zu bestimmen. Jungen drückten nicht nur ihr Recht auf die Technik, sondern auch auf die inhaltliche Ausgestaltung aus.- (Luca, 1998, S. 48)

Aus meiner fast 4jährigen, vorrangig koedukativen medienpädagogischen Praxis kann ich dies nur bestätigen, obwohl ich auch beobachten konnte, daß Mädchen, wenn sie in einer Gruppe den Jungen zahlenmäßig überlegen sind, problemlos sowohl die inhaltliche als auch die technische Führung übernehmen. Nur im Unterschied zur Gruppenkonstellation mehr bzw. gleiche Anzahl Jungen, – das bedeutet für die Mädchen dann meist Unterordnung bzw. Ausgrenzung, wenn sie nicht bereit sind sich einzuordnen – grenzen die Mädchen die Jungen in der Regel nicht aus und zwingen sie auch nicht, sich zu integrieren, vielmehr und häufiger suchen sie einen Kompromiß, der sowohl Mädchen als auch Jungen zufrieden stellt.

Mädchen und Jungen unterscheiden sich meiner Erfahrung nach z.B. in der Art, in der sie sich Technik aneignen. Jungen setzen sich in der Regel an das Mischpult und spielen mit den einzelnen Reglern und erfahren so, welche Funktion diese haben. Mädchen hingegen setzen sich in der Regel vor das Mischpult, wollen eine Erklärung, stellen Fragen und überprüfen dann gezielt das Gesagte, durch Handhabung des Mischpultes. Diesen unterschiedlichen Lernbedürfnissen Raum zu geben, ist eine Aufgabe feministischer Mädchenarbeit / Medienpädagogik.

3. Radiowerkstatt für Mädchen – ein Projekt des Radio-Vereins Leipzig e.V.

-Weil uns die optische Wahrnehmung zu leicht fällt, bleiben wir dabei
meistens passiv. Aus Faulheit übertragen wir Sprachbilder ins
Optische, anstatt das Spiel des Lichtes in Sprache zu übersetzen.
Er ist ein Schwarzer, sagt das Gehirn, und die Augen sind
dann nicht mehr fähig, seine Haut wirklich wahrzunehmen.-

Yoko Tawada

Ende September 1999 konnte ich die erste Radio-Werkstatt für Mädchen im Radio-Verein Leipzig e.V. durchführen. Ausgangspunkt für dieses Projekt war in erster Linie meine Unzufriedenheit mit der medienpädagogischen Arbeit in heterogenen Gruppen. Zu viele Mädchen kamen vorbei, wollten mitarbeiten, wollten wissen, wie Radioarbeit -geht-, fanden ihren Platz in der Gruppe nicht und blieben fern. Desweiteren war ich neugierig, welche Themen Mädchen in einer geschlechterhomogenen Gruppe aufgreifen. Aus diesem Grund war es mir wichtig, diesen Workshop ohne Themenvorgabe anzukündigen.

Mit der Hilfe von Presseartikeln, Flyern, persönlichen Anschreiben, Aushängen in Jugendkultur-Zentren und dem direkten Gespräch versuchte ich Mädchen zur Teilnahme zu gewinnen. Von einem früheren Projekt lagen mir zwei Anmeldungen von interessierten Mädchen vor. Aus Mangel an weiteren Anmeldungen wollte ich die Werkstatt drei Tage vor Projektbeginn absagen, als sich zwei Mädchen, die regelmäßig in einer von mir betreuten Jugendredaktion mitarbeiten, anmeldeten. Am selben Tag erschien in der Tagespresse im Landkreis Leipzig eine Kurzmeldung und innerhalb von zwei Stunden war die Werkstatt überbucht, d.h. ich mußte mehreren Mädchen absagen.

Die Darstellung dieses -Werbe–Prozesses ist mir wichtig, weil mir diese (nicht erstmalige) Entwicklung ein Indikator zu sein scheint, für die einerseits -ßbersättigung- mit Freizeitangeboten innerhalb der Stadt Leipzig und andererseits für den Bedarf im ländlichen Raum. Dies wird in Zukunft zu untersuchen sein.

Organisatorisches

Finanziert wurde die Radiowerkstatt zu 85 % aus Projektmitteln des Referats für Gleichstellung der Stadt Leipzig, zu 10 % aus den Teilnehmerinnen-Gebühren und zu 5 % mit Eigenmitteln des Radio-Vereins. Konzipiert war die 3tägige Radiowerkstatt als Kompaktkurs für acht Mädchen im Alter von 16 Jahren. Räumlich standen uns zwei Studios des Radio-Vereins, ein Redaktionsraum, ein Schlafraum für die Mädchen und ein Büro, welches gleichzeitig als Schlafraum für mich diente, zur Verfügung. Essen und Getränke kaufte ich am Vormittag vor Kursbeginn, Suppe und Gemüse lieferte eine Kollegin. Mit dieser Ausstattung war klar, daß wir uns auf engem Raum als Selbstversorgerinnen, mit Tischdeck- und Abwaschpflichten, bewegen würden. ßber die räumliche Enge haben sich die Mädchen nicht beschwert, sehr wohl aber über das Tischdecken- und Abwaschen-müssen.

Zeitplan
Uhrzeit: 9 – 11 12-13 14.30 – 17

Samstag: Arbeit in Kleingruppen: Materialsichtung, Einführung in die
Recherche, Materialauswahl Studiotechnik,
Umfragen schneiden

Sonntag: Sendelaufplan, 3. Redaktions- Auswertung,
Musikauswahl, sitzung Abreise
Moderationen fertigstellen Endproduktion

Uhrzeit: 17- 18.30 19-21 21.30-23

Freitag: Ankunft Technikeinführung 1. Redaktions-
Kennenlernen Kurzinterviews sitzung
Abendbrot Themenfindung

Samstag: Interviews, 2. Redaktionssitzung Moderationen
Moderationen Musical im Werk II schreiben,
schreiben, schreiben schneiden
schneiden

Ankunft und Kennenlernen
Vier der acht Mädchen wurden von ihren Eltern gebracht, zwei reisten mit dem Zug an und zwei kamen mit dem Fahrrad. Noch während der Ankunft verabredeten die Mädchen, welche am nächsten Morgen zum Bäcker fahren muß: Der Einfachheit halber eine Leipzigerin mit Fahrrad.

ßber dem -häuslichen- Niederlassen und ersten privaten Gesprächen verging eine dreiviertel Stunde. Hinter den Mädchen lag ein normaler Schultag, alle waren ein wenig müde. Die erste Vorstellungsrunde beschränkte ich darauf, daß jedes Mädchen ihren Namen, ihr Alter und den Lebensort nennt. Ich erklärte meine Aufgabe im Radio-Verein, die Strukturen des zum Verein gehörenden Radio -blau-, dem BürgerInnenradio Leipzig. Ich stellte meinen Zeitplan vor und die Zielstellung: eine halbstündige Radiosendung. Die Mädchen waren wider Erwarten von der Aussicht auch nachts zu arbeiten begeistert, ebenso von der Aussicht, daß das Produkt ihrer Arbeit auch -wirklich- gesendet werden soll. Vor dem Abendbrot vereinbarten wir ein paar Gruppenregeln:
– Wer Pause braucht, macht Pause.
– Die Gruppe teilt sich, die eine Hälfte erklärt sich bereit früh aufzustehen und Frühstück zu machen, die andere übernimmt das Abendbrot, ich das Mittagessen.
– Nicht maulen sondern lieber meckern, und welche das persönlich nicht mag, die schreibt es anonym an die Meckertafel im Büro.
– Jede hat das Recht zu schweigen, wenn sie nicht reden möchte.
– Was wir schaffen, schaffen wir, was nicht nicht.
– Rauchen im Haus ist untersagt.
– In den Studios ist Essen und Trinken untersagt.
– Fragen von jeder an jede sind erwünscht.

Alle Regeln, bis auf die Rauch- und Studioregeln, das sind allgemeine Hausregeln,
wurden von den Mädchen aufgestellt und weitgehend eingehalten. Nach zwei Tagen war die Meckertafel vollgeschrieben, vor allem mit Sprüchen wie: -Ich kann nicht schlafen, Du schnarchst so laut.- -Wenn Du schlechte Laune hast, dann sag es!- -Ich hab gar keine schlechte Laune, ich habe Wut! Blöde Bandmaschine. Ich muß alles noch mal machen.-

Technikeinführung und Kurzinterviews
Das Kennenlernen der Reportergeräte läßt sich gut mit dem persönlichen Kennenlernen vereinbaren. Die Mädchen teilten sich in Zweiergruppen. Jede Gruppe erhält ein Gerät, dessen Bedienung ich kurz erkläre. Aufgabe ist, sich fünf Fragen auszudenken, mit denen die jeweils andere interviewt werden soll. Zu beachten ist hierbei die Frageform – keine geschlossenen (Ja-Nein) Fragen, damit die andere auch die Chance erhält, etwas über sich zu erzählen.
Nach jedem Interview findet ein Wechsel am Reportergerät statt, so daß jedes Mädchen die Rolle wechseln und die Technik kontrollieren kann. Fragen nach der ersten großen Liebe werden ebenso gestellt wie Fragen nach den Motiven, an der Radiowerkstatt teilzunehmen: -Wieso kommst du in einen Mädchenkurs?- -Was willst Du später mal werden?- -Hast Du schon mal Radio gemacht?- -Warum läufst Du in schwarzen Klamotten rum?- -Wie war Dein erster Kuß- -Was möchtest du hier machen?-

Durch die Interviews erhalte ich u.a. erste Informationen über Radioerfahrungen der Mädchen, ihre Einstellung zur Technik und über ihre Vorstellungen zum Ablauf der Radiowerkstatt. Von den Mädchen formulierte Erwartungen: eine sendefähige Radiosendung zu produzieren, andere Mädchen kennenlernen, lange aufbleiben, viel quatschen, selbständig arbeiten, viel über Radio lernen.

Themenfindung
Radioarbeit ist in der Regel Einzel- bzw. Kleingruppenarbeit. Wichtig ist m.E. deshalb ein gemeinsames Oberthema, dem sich dann die einzelnen Beiträge zuordnen. Das Oberthema zwingt miteinander in Kontakt zu bleiben, was dem Bedürfnis der Mädchen nach gemeinsamer Arbeit, nach Beziehung zu und aufeinander entgegenkam, und es birgt in sich die Chance, sich z. B. in der Redaktionssitzung über inhaltliche Veränderungen bzw. den Stand der Arbeit an der einzelnen Beiträge auszutauschen. Zielstellung dabei ist es, neue Wege des Miteinanders zu erkennen und trotz des gemeinsamen Produktes auch das individuelle Vorgehen zu ermöglichen.

Das Finden eines gemeinsamen, sprich alle Teilnehmerinnen interessierenden Oberthemas erweist sich in der Regel als aufwendig. Die Mädchen schreiben ihre Vorschläge nacheinander auf ein Flip-Chart und diskutieren dann, wobei jede für das Thema, welches ihr am Wichtigsten erscheint, -Werbung- macht. Obwohl nur zwei Teilnehmerinnen Vorerfahrungen mit der Arbeit in einer -geschlechtshomogenen- Gruppe hatten, fand sich in den Themenvorschlägen sehr viel -Mädchen- und Frauenspezifisches-. Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit ich die Mädchen in ihrer Themenwahl beeinflußt habe, denn ich stelle mich in der Kurzkennenlernrunde meist, neben dem was meinen Beruf und mein Privatleben ausmacht, als Feministin vor und erkläre kurz meinen Bergriff von Feminismus. Themenvorschläge waren: Lästern, Gewalt, Werbung selber machen, Hochzeitsmist: Warum haben so viele Leute am 09. 09. geheiratet?, Mädchenarbeit / Projekte, Mann-Frau-Konflikt / Emanzipation, Gleichberechtigung.

Die Themen -Lästern-, -Gewalt- und -Werbung selber machen- wurden von den Teilnehmerinnen mehrheitlich abgewählt. -Hochzeitsmist- und -Mädchenarbeit /Projekte- erwiesen sich auf Grund der geringen Recherchemöglichkeiten als nicht realisierbar – uns standen lediglich zwei Zeitungsartikel zur Verfügung. Blieben am Ende die Themen -Mann-Frau-Konflikt-, -Emanzipation- und -Gleichberechtigung-, wobei die letztgenannten in das erstgenannte Thema integriert wurden.

Das Oberthema bildete den Rahmen der gemeinsamen Arbeit. Im Clusterverfahren (siehe Bild) suchten wir gemeinsam nach Themen für drei- bis fünf-minütige Beiträge.

bild1.png

Während der Themensuche entspann sich zwischen den Mädchen und mir ein Gespräch über die Frauenbilder in den Medien. Das sie das ihnen vorgesetzte Frauenbild, vornehmlich der in dieser Gruppe bevorzugten Soap-Opera -GZSZ-, sehr wohl kritisch, aber auch humorvoll sahen, zeigen die nicht zuletzt in diesem Zusammenhang gefundenen -Vorurteile-. Die Mädchen fingen an, einander mit den -komischsten- Vorurteilen und den -besten- Witzen zu übertrumpfen. Letztere sollten nach der Endredaktionssitzung noch ihren Weg in die Sendung finden: -Warum können Männer kein BSE bekommen? – Weil sie Schweine sind.- -Eine Frau hat-s schwer. Sie muß sich benehmen wie eine Dame. Sie muß aussehen wie ein Mädchen und sie muß schuften wie ein Pferd.- -Jungs sind wie Milch. Läßt man sie stehen, werden sie sauer.- -Wer sich nicht wehrt, endet am Herd.-

Noch Freitag Nacht entschieden die Mädchen, an welchem Beitrags-Thema (ein Beitrag in der Länge von max. fünf Minuten) sie arbeiten würden.
– Gleichberechtigung – Umfragen (alle) und Hörspiel (A. und N.)
– Geschichte der Ehe (C.)
– Scheidung – 2 Interviews (A. und U.)
– Sind Frauen andere Wesen? (B. und N.)

Arbeit in Kleingruppen, Umfragen, Recherche
Bevor sich die Mädchen mit den Reportergeräten auf die Suche nach Antworten machten, formulierten sie in der Großgruppe die Umfrage-Fragen: Was halten Sie von Gleichberechtigung? Was ist eine emanzipierte Frau?

Für die anderen Themen wurde beratschlagt, woher, welche Informationen zu besorgen sind. Ich gab den Mädchen meinen Bibliotheksausweis und eine Wegbeschreibung zur Stadtbibliothek.

In der Regel versuche ich es zu vermeiden, die Mädchen (und im normalen Kursbetrieb die Mädchen und Jungen) zu begleiten, wenn sie auf der Straße Umfragen machen. Es ist mir schon mehrfach aufgefallen, daß a) die Befragten, aber auch b) die Mädchen (und Jungen) wesentlich freier und ungehemmter mit der Technik umgehen, wenn ich nicht dabei bin. Vielleicht liegt es daran, daß ich neben der Journalistin und Technikerin eben auch die Pädagogin bin und sich die Mädchen dann zu sehr unter Druck gesetzt fühlen alles richtig machen zu müssen, daß sie im Umgang mit der Technik unsicherer werden. Ebenfalls zu überlegen ist, ob sie, sobald ich in der Nähe bin und offensichtlich zu ihnen gehöre, das -Machtgefühl- verlieren, welches sie hinter dem Mikrofon verspüren. ßber den Mut, mit Hilfe des Mikrofons Fragen zu stellen, die sie sich sonst nicht zu stellen trauen, habe ich schon öfter mit Mädchen (und Jungen) diskutiert.

Materialsichtung und -auswahl
Für die Umfragen teilten sich die Mädchen in Kleingruppen, fuhren gemeinsam in die Leipziger Innenstadt und trafen sich zwei Stunden später wieder im Radio. Gemeinsam hörten wir die Umfrageergebnisse an, und diskutierten darüber. Neben freundlicher bis unhöflicher Ablehnung erhielten die Mädchen neben wohlwollenden Antworten auch für sie irritiernd-beleidigende Antworten. Vor allem über die Antwort eines älteren Mannes auf die Frage: Was halten Sie von Gleichberechtigung?, wollten die Mädchen reden. Die Selbstsicherheit des Mannes und die Bösartigkeit seiner Worte, hatte die Mädchen verwirrt und verletzt .
Die Antwort (sinngemäß): -Ja, Männer und Frauen sind gleichberechtigt, aber das sie es auch sein können, setzt voraus, daß -die Frau weiß, wo sie hingehört-. Die -deutschen Frauen- sollen sich ein Beispiel an der -Thailänderin- nehmen, denn die weiß was sie zu tun hat. Die Frau soll -das Maul- halten, denn nur dann ist der Mann in der Lage sie zu befriedigen und das ist ja wohl das, was beide wollen. Wenn beide befriedigt sind, dann ist Gleichberechtigung.-
Während des Auswertungsgespräches einigten sich die Mädchen, diese Antwort nicht zu verwenden, weil sie dieser extrem frauenfeinlichen und rassistischen (das Bild von der Thailänderin) Meinung in ihrer Sendung keinen Raum geben wollten.

Für die Recherche genutzt wurde, neben dem Angebot Bibliothek, auch das Internet. ßber die Internet-Seiten www.woman.de kamen wir zu den Frauen-News. Die Informationen, die wir im Internet fanden, verwendeten die Mädchen in ihrem Hörstück über Gleichberchtigung.
Aus der Bibliothek brachten die Mädchen das Lexikon -Das geheime Wissen der Frauen- und das Lexikon -Frauenleben-. Auf Grundlage dieser beiden Bücher und aufgrund eigener Erfahrungen im familiären und sozialen Nahfeld entstanden die Beiträge: -Frauen sind andere Wesen- und -Ehe-.

Alle Materialvorschläge wurden von einer Teilnehmerin auf eine Wandzeitung geschrieben. Es wurde überlegt, woher die Mädchen noch O-Töne bzw. Interviews bekommen könnten. Da Samstag, erwies sich dies als sehr schwierig. Um die Handlungsfähigkeit der Gruppe zu stützen, erklärte ich den Mädchen weitere journalistische Darstellungsformen: die Glosse und den Kommentar. Die Mädchen entschieden sich für beide: -Frauen sind andere Wesen wurde als Glosse konzipiert- und -Ehe- als Kommentar angedacht. Entstanden sind am Ende Mischformen zwischen gebautem Beitrag, Glosse und Kommentar.

Für das Hörstück entstand ein kleines Storyboard, welches die Personen skizziert, die Handlung und die Handlungsorte beschreibt. Die Mädchen entschieden sich für ein Gespräch unter Mädchen, in der Küche der einen (dies wird in der Anmoderation beschrieben), zum Thema: Müssen Frauen arbeiten gehen oder wollen Frauen arbeiten gehen?)

Einführung in die Studiotechnik, schneiden
Der erste Blick in die Studios war für einige Mädchen ein Schock: so viele Regler und Knöpfe, und so wenig Zeit. Ich versuche in der Situation der ersten Begegnung mit der Technik die Angst zu nehmen, in dem ich die fünf Regler, die für das erste Produzieren notwendig sind erläutere und anbiete, jeder die Informationen zu den anderen Reglern möchte, diese zu geben. Für alle anderen gibt es in diesem Studio, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als fünf Regler. Diese zu bedienen lernen dauert in der Regel nur wenige Minuten. Ist die erste Scheu vorbei, kommt meist der nächste Schock: das Sprechen ins Mikrofon und das Hören der eigenen Stimme.

Bei diesem Kurs war es von Vorteil, daß zwei Mädchen mit Radioerfahrung teilnahmen, denn sie unterstützten die anderen Teilnehmerinnen bei Technikfragen. Es erwies sich als Vorteil, weil ich in den Augen der Mädchen schon viel zu erfahren bin, sie also, wenn ich sage: -Das ist ganz einfach, das lernt ihr schnell-, unterstellen, daß ich sie nur überreden will. Die beiden Gleichaltrigen können aber noch nicht auf eine jahrelange Erfahrung verweisen und ihre Souveränität im Umgang mit der Technik, baut bei den anderen die Hemmungen schneller ab, als ich es, mit viel Reden, könnte. Als Ergebnis konnte ich im Verlauf des Projektes bei den Mädchen ein steigendes Selbstbewußtsein im Umgang mit der Technik beobachten. Das Lernen unter Mädchen beschrieben die Teilnehmerinnen als angenehm.

Musical im Werk II
Um dem von mir vorhergesehenen und eingetretenen Streß ein wenig Entspannung, Erholung entgegenzustellen, habe ich für den Samstag-Abend den Besuch bei einem Musical geplant und zur Diskussion gestellt. Schwierig an der Entscheidungsfindung war, daß ich allein die Gruppe betreut habe, denn die bedeutete, entweder gehen oder bleiben alle. Die Entscheidung fiel für -gehen-. Allerdings kamen wir eine Stunde später wieder im Radio an, denn einerseits gefiel das Musical den Mädchen nicht und andererseits bekamen sie Angst, die Arbeit nicht zu schaffen. So wurde aus dem Kulturprogramm am Samstag-Abend ein Moderationsabend, denn die Mädchen saßen bis ca. 0.30 Uhr nachts und überlegten sich gemeinsam die Moderation für ihre Sendung.

Endproduktion
Im Vorfeld der Endproduktion wurde geklärt, welche wann, an welcher Stelle, moderiert. Wir hörten uns die einzelnen Beiträge noch einmal gemeinsam an, legten die Reihenfolge fest und es wurde ein Sendelaufplan erstellt. Während der Endproduktion waren die Mädchen für die Inhalte, das Einhalten der Zeiten und die Reihenfolge der Musik zuständig, während ich für die Handhabung der Technik übernahm.

Sendelaufplan (z.T. gekürzten Texten)
Musik: Cappuchino „Männer“
Nur anspielen, bei ca. 2 Minuten runterziehen und Moderation aufsprechen.
Moderation:
Stimme 1: Gott schuf die Frau aus der Rippe des Mannes.
Stimme 2: Ach ja? Es war doch wohl eher so: Als Gott den Mann schuf, übte sie nur!
Stimme 3: Solche und ähnliche Diskussionen hatten wir in den letzten drei Tagen mehrere. Drei Tage, sieben Mädchen und eine Sendung!
Stimme 1: Die hört ihr gerade.
Stimme 2: Ja,ja, jedenfalls haben wir uns drei Tage lang mit dem Thema Mann-Frau-Konflikt beschäftigt
Stimme 3: Und deshalb könnt ihr in der heutigen Sendung Beiträge zu folgenden Themen hören:
Stimme 1: Welche Vorurteile haben wir gegenüber dem anderen Geschlecht?
Stimme 2: Was ist Gleichberechtigung und gibt es die überhaupt?
Stimme 1: Sind Frauen andere Wesen?
Stimme 2: Die Geschichte der Ehe und Geschichten von Scheidungen.
Stimme 3: Wir hoffen, ihr seid jetzt schon gespannt auf das was da kommt. Als nächstes hört ihr jedenfalls den Titel „Wilde Mädchen“ von den ßrzten.
Anmod: Umfrage
Anspruchsvolle Julia sucht pflegeleichten Romeo.
Möchtest du mein Herz erobern? Wenn du nie vergißt die Klobrille herunter zu klappen, wenn du nicht zu diesen „Starken Männern“ gehörst, die nach jeder Erkältung denken sie wären gerade dem Tod entronnen. Wenn du nicht nur auf mein Aussehen achtest, wenn du im Bad nicht länger brauchst als ich, bist du vielleicht der Richtige für mich.
Oder sind das alles nur Vorurteile? Aber wer wünscht sich nicht einen gefühl- und verständnisvollen Partner? Aber immer wieder kommt es zu Mißverständnissen und Streitigkeiten zwischen den Geschlechtern.
Liegt das etwa an den Vorurteilen die Männer gegenüber Frauen haben? Oder haben Frauen Vorurteile gegenüber Männern. Wir wollten dieser Sache unbedingt auf den Grund gehen und haben einigen Leutchen auf den Zahn gefühlt. Aber hört selbst:
O-Ton Umfrage 1
Zwischenmod:
Natürlich wollen wir euch die andere Seite nicht vorenthalten, denn auch die Männerwelt hat einiges zu sagen.
O-Ton Umfrage 2
Anmod: Gleichberechtigung
Zum Thema Gleichberechtigung hatten die Leute auf der Straße ja eine Menge zu erzählen. Aber ob wir nun gleichberechtigt sind oder nicht, allein darüber könnten wir stundenlang streiten. Agneta und Nicole haben ein kleines Hörspiel vorbereitet, in dem sie versuchen die Frage zu klären. Hier unser kleiner 3-Minuten-Streit.
O-Ton: Hörspiel Gleichberehtigung
Musik: Grönemayer: Männer
Anmod Beitrag: Frauen sind andere Wesen
Stimme 1: Frauen sind andere Wesen
Stimme 2: Was? Wieso?
Stimme 1: Na bist Du noch nie als Hexe beschimpft wurden? Hast Du noch nie gehört wie jemand gesagt hat: die ist wie eine Furie?
Stimme 2: Naja, doch.
Stimme 1: Und weißt Du was Hexen und Furien eigentlich sind?
Stimme 2: ßh, nee. Aber frag doch mal Blondy, die weiß so was.
Beitrag Blondy (gekürzt):
Die Hexe aus Hänsel und Gretel kennt ja wohl jede von Euch. Das war so eine Alte, die hatte im Gesicht eine lange, krumme Nase und war vom Wesen her einfach nur böse und schlecht. Aber in der wirklichen Geschichte waren Hexen weder böse und schlecht, sondern eigentlich waren Hexen ziemlich kluge Frauen, die sich zum Beispiel mit Kräutern und bei Fragen zur Geburt ziemlich gut auskannten. Das hat aber den ßrzten, die damals nur Männer waren, überhaupt nicht gepasst. Die hatten Angst ihre Jobs zu verlieren und haben sich deshalb mit den Christen verbündet. Die Christen hatten auch Angst davor, daß Frauen zuviel wissen, denn Wissen ist Macht und wenn eine mächtig ist, dann läßt sie sich nicht so einfach unterdrücken. Unterdrückt werden mußten die Frau aber, denn sie war ja nach dem Verständnis der Christen nichts anderes, als ein Rippchen von Adam. Und deshalb, es gab natürlich auch noch viele andere Gründe dafür, deshalb wurden die klugen Frauen im Mittelalter zu bösen Hexen und die werden bis heute in Märchen verbrannt.
Kurze Musik einspielen, nach ca. 30 Secunden runterziehen
Aber Ihr habt ja auch nach den Furien gefragt. Als Furie bezeichnet Mann heute eine wütende und brüllende Frau. Aus irgendeinem Grund haben Männer nämlich vor diesen Frauen Angst. Und das ist schon seit Jahrtausenden so. Bei den alten Griechen waren die Furien nichts anderes als die rauchedürstigen Launen, jeweils in Gestalt einer Person, der dreifachen Göttin Demeter. Das müßt Ihr Euch so vorstellen: Eine dreifache Göttin ist wie eine Person, die es dreimal gibt. Allein das ist ja schon eine Gruselvorstellung. Wenn dann zu dieser dreifachen Person auch noch ihre personifizierten Launen kommen, dann sieht es vermutlich finster aus. Denn es gibt gute Laune, schlechte Laune, Unlaune, Viellaune und so weiter. Und jede Laune ist eine Person. Das heißt, eine Furie ist ganz schön viele Leute.
Musik: Die Prinzen „Sie will mich“
Anmod: Ehe
Zum Thema unserer heutigen Sendung, der Konflikt zwischen Frau und Mann, gehört natürlich ganz unbedingt ein geschichtlicher Blick auf die Ehe. Was war und ist die Ehe eigentlich, mit dieser Frage beschäftigt sich Carolin in unserem nächsten Beitrag.
Beitrag Ehe (gekürzt):
Auf englisch heißt Ehe marriage. Dieses Wort kommt vom lateinischen maritare. Maritare bedeutete, daß wer heiratete sich unter dem Schutz der Göttin Aphrodite-Mari befand. Dieser heidnische Glaube fand bei den Urvätern des Christentums nicht viel Anklang, deshalb standen sie der Ehe feindlich gegenüber. Sie sagten die Ehe sei unrein, unheilig und ein Mittel der sexuellen Leidenschaft. Saturnius erklärte zum Beispiel, daß Gott nur zwei Arten von Menschen geschaffen hat: die guten Männer und die bösen Frauen. Und die Frauen fand er böse, weil sie die Männer angeblich mit sexuellem Zauber beeinflußten. (…) In Europa hatten die Männer viele Jahrhunderte die Kontrolle über die Frauen, und das nur, weil sie mit ihnen verheiratet waren. Es galt als normal, wenn der Mann seine Frau schlug, so wie es normal war, daß die Frau nicht erben und nicht mitbestimmen durfte. Sie durfte sich auch nicht von ihm scheiden lassen.
Heute dürfen die Frauen erben, mitbestimmen und sich scheiden lassen. Von diesem Recht machen die Frauen auch reichlich Gebrauch. Jede zweite Ehe wird geschieden und ein Großteil der Scheidungen geht von Frauen aus. Trotzdem kommt es auch heute noch vor, daß Frauen in der Ehe geschlagen werden und daß die Mehrzahl der geschlagenen Frauen schweigt.
Musik
Anmod: Scheidung
Das Thema Scheidung wollen wir nicht geschichtlich verarbeiten, sondern dazu haben wir uns zwei Studiogäste eingeladen, deren Eltern geschieden sind. Wie sich das auf Kinder auswirkt und warum sie sich entschieden haben bei Vater oder Mutter leben zu wollen, das erfahrt ihr jetzt.
O-Ton Scheidung
Musik: Filmmusik von „Freundinnen“ – Titel: Mädchen sind Monster
Abmod:
Stimme 1: So Ihr Lieben. Wir hoffen Ihr habt Euch nicht vor dem Radio geprügelt. Falls Ihr etwas vermißt habt, könnt Ihr ja Eure eigene Sendung zum Thema Mann-Frau Konflikt basteln. Themen die wir nicht bearbeiten konnten sind z.B.:
Stimme 2: Gewalt zwischen den Geschlechtern
Stimme 3: Warum verdienen Frauen heute immer noch weniger als Männer, obwohl sie genauso gebildet sind?
Stimme 1: Vielleicht hören wir uns ja bald wieder. In diesem Sinne verabschieden sich …

Auswertung
Ein guter Abschluß für die Radiowerkstatt war das gemeinsame Hören der entstandenen Sendung mit Abschlußkommentaren und die schriftliche Beantwortung dreier Fragen:
1) Wie hat Dir der Workshop gefallen?
2) Was hast Du an diesem Wochenende gelernt?
3) Was soll beim nächsten Mal anders sein?

Mit der Sendung waren alle Mädchen sehr zufrieden und einige hatten innerhalb dieses, wenn auch kurzen so doch sehr intensiven Wochenendes, ein Gehör entwickelt für -langweilige O-Töne-, -schräge Schnitte- bzw. -dort hätten wir noch mehr erklären müssen-.

Frage eins wurde überwiegend positiv beantwortet. Die Mädchen fanden es vor allem spannend -in einem richtigen Studio zu arbeiten- und den Arbeitsaufwand, den eine -gute- Sendung erfordert, kennenzulernen. Mehrheitlich betont wurde auch -die gute Atmosphäre- und das -die Arbeit wahnsinnig Spaß gemacht-.

Auf die Frage -Was hast Du an diesem Wochenende gelernt?- nannten die Mädchen hauptsächlich technische und journalistische Fertigkeiten z.B. -wie man Aufnahmen macht-, -wie man eine Bandmaschine bedient-, -wie man eine Umfrage macht und Moderationen schreibt- , aber auch -das eine Menge Arbeit dazu gehört eine richtige Sendung herzustellen-. Den Gruppenprozeß, die Art des Miteinander beschreibt m.E. diese Antwort ganz gut: -Ich habe gelernt, meine Launen nicht einfach rauszulassen, weil ich dadurch Menschen in eine traurige Phase hineinbringen kann und meine Meinung so zu äußern, daß ich sie auch umsetzen kann-.

-Nichts, außer vielleicht mehr Zeit- war die mehrheitliche Antwort auf die Frage -Was soll beim nächsten Mal anderes sein?-.

Alle Mädchen beteiligten von Beginn an intensiv am Kursgeschehen. Ohne weiterreichende Probleme entstand schnell ein persönlicher und kooperativer Umgang mit- und untereinander. Die Mädchen nahmen die technische Herausforderung mittels Unterstützung der erfahreneren, aber gleichaltrigen Teilnehmerinnen, problemlos an. Wichtig für die pädagogischen Praxis ist m. E. nach, für die Ideen der Mädchen Raum und Möglichkeiten für deren Umsetzung zu schaffen, und dabei auf die Verbindung zwischen dem individuellen und dem Gruppenprozeß zu achten.

Für die nächste Mädchen-Radiowerkstatt gilt es mehr Geld, ergo mehr Zeit zu organisieren.

Literatur:

Baacke, D.:
Medienkultur – Jugendkultur. In: Interaktiv – Im Labyrinth der Möglichkeiten. Hrsg. von der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, Remscheid, 1997
Cordes, M.: Die ungelöste Frauenfrage. Frankfurt am Main, 1995
Eder, S.: Supermann rettet Prinzessin!? – Die Kategorie Geschlecht in Gesellschaft und Medien. In: Bleiben Sie dran! Medienpädagogische Zusammenarbeit mit Eltern. Hrsg. von Eder, S.; Lauffer, J.; Michaelis, C. Bielefeld, 1999
Fach-AG Jugendarbeit, Unterarbeitsgruppe Jugendmedienarbeit (UAGM): Arbeits- und Diskussionspapier – Erarbeitung eines medienpädagogischen Konzeptes für die Stadt Leipzig aus Sicht der Jugendhilfe. Leipzig, 1998, unveröffentlicht
Heiliger, A.: Wo stehen wir in der Mädchenpolitik?. In: Feministische Mädchenpolitik. Hrsg. von Heiliger, A.; Kuhne, T. München, 1993
Karst, K.: Sinneskompetenz – Medienkompetenz. In: medien praktisch. Heft 85. Hrsg. vom Gemeinschaftswerk der Evang. Publizistik e.V. S. 4. Frankfurt am Main, 1/98
Luca, R.: ßberlegungen zu einer feministischen Medienpädagogik. In: Im Wyberspace – Mädchen und Frauen in der Medienlandschaft. Hrsg. von Beinzinger, D.; Eder, S.; Luca, R.; Röllecke, R. Bielefeld, 1998
Möhlke, G.; Reiter, G.: Feministische Mädchenarbeit gegen den Strom. Münster, 1995
Mühlen-Achs, G.; Schorb, B. (Hg.): Geschlecht und Medien. München, 1995
Schell, F.: Aktive Medienarbeit mit Jugendlichen. Opladen, 1989
Schorb, B.: Zielsetzungen praktischer Medienarbeit im Rahmen einer handlungsorientierten Medienpädagogik. In: Medienerziehung oder Nimmt uns die Schule das letzte Vergnügen?. Hrsg. von der Fredrich Ebert Stiftung. Leipzig, 1995
Zacharias, W.: Zwischen Sinnenreich und Cyberspace. In: Interaktiv – Im Labyrinth der Möglichkeiten. Hrsg. von der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung, Remscheid, 1997


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Der Beitrag wurde am 21. November 2007 um 12:15 veröffentlicht und wurde in der Kategorie Arbeitsfelder gespeichert. Du kannst Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen TrackBack auf deiner Seite einrichten.